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17.07.1944
Rumänien
Der deutsche Gesandte von Killinger an das Auswärtige Amt.
Am 9. Juni hat eine Ministerialkonferenz über die Auswanderung von Juden aus Rumänien stattgefunden. Killinger faßt die Entwicklung und seine Einschätzung zusammen:
- Die rumänische Regierung vertrete seit 1940, daß die Auswanderung von Juden
"im nationalen Interesse"
freigegeben werden müsse. - Die Vorschläge des deutschen Beraters für Judenfragen seien von Anfang an bewußt sabotiert worden.
- Der britischen Regierung sei mitgeteilt worden, daß die rumänische Regierung ihre Politik der Förderung der Auswanderung beibehält.
- Eine 1943 an die rumänische Regierung gerichtete deutsche Note, Auswanderungen nach Palästina nicht zuzulassen, wurde vom Stellvertretenden Ministerpräsidenten Mihai Antonescu abgelehnt.
- Nach Ansicht Mihai Antonescus bestehe die klügste Politik für Rumänien darin, möglichst viele Juden auswandern zu lassen. Leider sei diese Politik nicht immer konsequent befolgt worden.
- Als Ergebnis der Besprechung sei ein Auswanderungsamt gebildet worden, dem auch jüdische Vertreter angehören. (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 122)
18.07.1944
Ungarn
Die ungarische Regierung informiert ihre Auslandsvertretungen über den Stand der "Judenfrage"
.
- Die Verschickung von Juden ins Ausland zum Zweck der Arbeit (gemeint sind die Deportationen nach Auschwitz) sei zeitweise unterbrochen. Die
"Verschickung"
solle künftig den humanitären Anforderungen entsprechen; das ungarische Rote Kreuz soll ein Inspektionsrecht bekommen. - Die Ausreise von Juden nach Schweden, in die Schweiz und nach Palästina sei gebilligt worden.
- Vor dem 1. August 1941 zum Christentum konvertierte Juden sollen künftig nicht mehr deportiert werden, sollen aber von Nicht-Juden getrennt werden. (Braham, Politics of Genocide II, S. 767-68)
Griechenland
Auf der Insel Rhodos nehmen die Deutschen alle erreichbaren jüdischen Männer, Frauen und Kinder fest. Am 24. Juli werden fast 1.700 Menschen nach Piraios/Athen eingeschifft. An der Insel Kos werden 120 dort verhaftete Juden aufgenommen. Am 31. Juli erreicht der Gefangenentransport das KL Chaidari bei Athen. (Benz, Dimension, S. 267)
19.07.1944
Ungarn
Eichmann läßt als Machtprobe gegen Horthys erklärten Willen 1.450 jüdische Häftlinge aus dem Internierungslager von Kistarcsa abtransportieren.
Ostoberschlesien/Auschwitz
Aus einem Sammeltransport aus Sosnowiec und Bedzin/Bendsburg werden 34 jüdische Männer und sieben Frauen als Häftlinge registriert; die Anderen, darunter 276 Männer, werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 825)
20.07.1944
Generalgouvernement
Der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement ordnet an:
Die Insassenzahl der Gefängnisse muß möglichst niedrig gehalten werden. Neu Festgenommene sollen auf schnellstem Wege entweder hingerichtet, in ein Konzentrationslager überstellt oder in Ausnahmefällen frei gelassen werden.
"Soweit es die Frontlage erforderlich macht, sind rechtzeitig Vorkehrungen für eine Totalräumung der Gefängnisse zu treffen. Bei überraschender Entwicklung der Lage, die einen Abtransport der Häftlinge unmöglich macht, sind die Gefängnisinsassen zu liquidieren, wobei die Erschossenen nach Möglichkeit beseitigt werden müssen. (Verbrennen, Sprengung der Gebäude u.ä.) - Ebenso soll mit den zur Zwangsarbeit eingesetzten Juden verfahren werden. "Unter allen Umständen muß vermieden werden, daß Gefängnisinsassen oder Juden vom Gegner befreit werden bzw. ihnen lebend in die Hände fallen." (IMT, L-053)
23.07.1944
Auschwitz
Aus dem Lager Ludwigsdorf (ein Nebenlager des schlesischen KL Groß Rosen) werden etwa 450 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 85 Männer werden als Häftlinge registriert, die anderen 370 in den Gaskammern getötet.
WELTKRIEGSEREIGNISSE
20.07.1944
Attentats- und Putschversuch gegen Hitler, der durch eine Bombe nur leicht verletzt wird.
22.07.1944
Generalgouvernement
Angesichts des Näherkommens der sowjetischen Armee evakuieren die Deutschen die letzte Gruppe von jüdischen Gefangenen aus dem KL Lublin (Majdanek).