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16.11.1944
Runderlaß des Reichsinnenministers
Jüdische Mischlinge ersten Grades oder mit Volljüdinnen oder jüdischen Mischlingen ersten Grades verheiratete Volksgenossen werden zur Zeit von der Arbeitseinsatzverwaltung zu bestimmten Arbeiten geschlossen eingesetzt. Nicht einzusetzen sind für diese Arbeiten Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, aber sie dürfen keine Schlüsselstellungen mehr bekleiden und sind bei Aufgaben einzusetzen, bei denen sie keine Gefahr bilden. (Walk, S. 405)
17.11.1944
Ungarn
Der päpstliche Nuntius in Budapest läßt, zusammmen mit der Vertretung Schwedens und im Namen aller neutralen Gesandten, der ungarischen Regierung eine scharf formulierte Note zukommen. Die neutralen Staaten verlangen, daß die von ihnen an ungarische Juden ausgestellten Schutzpässe akzeptiert werden. (Bauer, Freikauf, S. 377-378)
21.11.1944
Ungarn
Telegramm Veesenmayers an das Auswärtige Amt.
Ministerpräsident Szálasi hat aufgrund der bekannt gewordenen Umstände angeordnet, daß jüdische Frauen nicht mehr in Fußmärschen aus Budapest weggeführt werden dürfen, sondern nur, sofern Transportmittel zur Verfügung gestellt werden. Angesichts der Unmöglichkeit, Waggons zu beschaffen, komme das einer Einstellung des Abtransports der Frauen gleich.
Außerdem hat der Leiter des Arbeitseinsatzes ungarischer Juden im Niederdonau-Gebiet, Höss (der frühere Kommandant des KL Auschwitz), mitgeteilt, "daß er nur noch bestarbeitsfähige Männer, möglichst nicht über 40 Jahren, einsetzen könne, die die besonders schwere, im Reichsgebiet unter Tage auszuführende Arbeit auch auf längere Zeitdauer aushalten können"
.
Daraus ergebe sich, daß nicht mehr die Entfernung aller Juden aus Budapest, sondern nur der Abtransport der absolut Arbeitsfähigen das Ziel sei.
"Im Budapester allgemeinen Ghetto verbleibende Juden werden nach einer neueren Schätzung nicht mehr als rund 80.000 Personen betragen, während das Sonderghetto für Schutzpaß-Inhaber rund 16.000 Personen umfassen wird.
Zum Arbeitseinsatz in das Reichsgebiet in Marsch gesetzt sind zurzeit (...) nicht mehr als 30.000 Juden. Noch zu erwartendes Restkontingent schwer abschätzbar. Es steht jedoch nach neuer Sachlage kaum zu erwarten, daß die ursprünglich angeforderte Zahl von 50.000 erreicht wird."
(ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 306)
Ribbentrop beauftragte Veesenmayer am 21. November, Szálasi "dringend nahezulegen"
, trotz der technischen Schwierigkeiten die Evakuierung der Budapester Juden "energisch voranzutreiben"
. Szalasi müsse sich darüber klar sein, "daß Budapest desto besser verteidigt werden könne, je mehr und je eher die Juden aus der Stadt herausgebracht seien."
(Braham, Destruction II, Nr. 243 und 244)