CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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24.05.1942

Goebbels Tagebuch

"Wir haben jetzt einen Klub von Saboteuren und Attentätern in Berlin ausfindig gemacht. Darunter befinden sich auch die Kreise, die die Brandbombenattentate auf die Anti-Sowjet-Ausstellung (s. 18.5.42, Anm. d. Red.) unternommen haben. Bezeichnenderweise sind von den Verhafteten fünf Juden, drei Halbjuden und vier Arier. (...) Man sieht an dieser Zusammenstellung, wie richtig unsere Judenpolitik ist und wie notwendig es erscheint, weiter auf das radikalste hier den alten Kurs fortzusetzen und dafür zu sorgen, daß die noch in Berlin vorhandenen 40.000 Juden, die in Wirklichkeit freigelassene Schwerverbrecher darstellen, die nichts mehr zu verlieren haben, auf das schnellste entweder konzentriert oder evakuiert werden. Am besten wäre selbstverständlich die Liquidierung."

Hitler habe ihm den Auftrag gegeben, "schnellstens dafür zu sorgen, daß die Berliner Juden evakuiert werden. Speer erhebt zwar dagegen Einspruch, daß auch die in der Rüstungsindustrie arbeitenden Juden darunter fallen; aber wir müssen dafür sorgen, daß wir irgendeinen Ersatz bekommen. (...)

Im übrigen erlaubt der Führer mir, etwa 500 jüdische Geiseln zu verhaften und auf neue Attentate rücksichtslos mit Erschießungen zu antworten. (...) Ich beauftrage die Berliner Polizeibehörden, eine Geiselliste zusammenzustellen; ich werde dann, um einen solchen Druck auszuüben, im Laufe der nächsten Woche die Verhaftungen anbefehlen." (Fröhlich, II.4, S. 350-352)

27.05.1942

Protektorat

Angriff einer bewaffneten tschechischen Widerstandsgruppe auf den Stellvertretenden Reichsprotektor und SiPo/SD-Chef Heydrich, den Chefkoordinator der "Endlösung". Er stirbt am 4. Juni an den Verletzungen.

Ein Deportationszug mit 1.000 Menschen geht aus Wien nach Minsk ab. Sie werden unmittelbar nach ihrer Ankunft erschossen.

28.05.1942

Konrad Meyer legt eine überarbeitete Fassung des "Generalplan Ost" vor.

In der Denkschrift werden die Kosten der Umsiedlungsaktion und die Mittel für deren Deckung berechnet. Angestrebt wird die weitgehende "Germanisierung" der eroberten Ostgebiete im Verlauf von zehn Jahren nach Kriegsende. Wetzel befürwortet ein System von "Siedlungsstützpunkten" entlang der Hauptverbindungsstraßen von Deutschland zur Region Leningrad und zur Südukraine/Krim. Diese Stützpunkte sollen im Abstand von 100 Kilometern angelegt werden und jeweils ungefähr die Fläche zweier reichsdeutscher Kreise (ca. 2.000 qkm) haben. 14 solche Basen sollen im Generalgouvernement, acht in der Ukraine und 14 im RK Ostland (baltische Länder und Weißrußland) entstehen. Zugleich soll die Einwohnerzahl der Städte und Ballungsgebiete drastisch gesenkt werden.

Himmler war mit dem Vorschlag, sich im Generalgouvernement und im Ostland zunächst auf die Errichtung von Siedlungsschwerpunkten zu beschränken, nicht einverstanden. Er verlangte die vollständige Eindeutschung dieser Gebiete im Verlauf von 20 Jahren. (Madajczyk, S. 90-91)

Goebbels Tagebuch

"Wir werden schon dieses Versuches zur Chaotisierung des Protektorats (das bezieht sich auf das Attentat gegen Heydrich und auf die wachsende Opposition gegen die deutsche Besatzung) und überhaupt der besetzten Gebiete Herr werden. Ähnlich werde ich jetzt meinen Kampf gegen die Juden in Berlin durchführen. Ich lasse augenblicklich die Judengeiselliste zusammenstellen und dann umfangreiche Verhaftungen vornehmen. Ich habe keine Lust, mir unter Umständen von einem 22jährigen Ostjuden (...) eine Kugel in den Bauch schießen zu lassen. Zehn Juden im Konzentrationslager oder unter der Erde sind mir lieber als einer in Freiheit. Man muß da ganz unsentimental vorgehen. Wir führen heute einen Kampf auf Leben und Tod, und der wird ihn gewinnen, der am energischsten seine persönliche und seine politische Existenz verteidigt. Das wird zweifellos bei uns der Fall sein." (Fröhlich, II.4, S. 386)

28.05. - 08.06.1942

Generalgouvernement

Das Ghetto von Krakau wird von den Deutschen hermetisch abgeriegelt. 6.000 Bewohner werden in das Vernichtungslager Belzec deportiert; weitere 300 Menschen werden schon während der Polizeiaktion in Krakau ermordet. Anschließend wird das Ghetto, in dem noch 12.000 Menschen leben, auf die Hälfte des Umfangs reduziert. (EdH, S. 809)

29.05.1942

Frankreich

Die deutschen Besatzungsbehörden verbieten Juden den Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen und bei Veranstaltungen; ihre Einkaufsmöglichkeit wird auf eine Stunde täglich beschränkt.

Hitlers "Tischgespräche"

"Ganz Westeuropa müsse nach einer bestimmten Zeit völlig judenfrei sein. Das sei allein schon deshalb erforderlich, als es unter den Juden immer einen gewissen Prozentsatz von Fanatikern gebe, der das Judentum wieder hochzubringen suche. Es empfehle sich deshalb auch nicht, die Juden nach Sibirien abzuschieben, da sie bei ihrer Klimafestigkeit dort nur gesundheitlich noch besonders gehärtet würden. Viel richtiger sei es, sie - da die Araber sie in Palästina nicht haben wollten - nach Afrika zu transportieren und sie damit einem Klima auszusetzen, das jeden Menschen unserer Widerstandsfähigkeit beeinträchtige und damit jede Interessenüberschneidung mit europäischem Menschentum ausschließe." (Picker, S.378)

Goebbels Tagebuch

"Im Reich kann man hier und da erste Anzeichen einer stärkeren staatsfeindlichen Propaganda beobachten. Sie geht zweifellos von den Juden aus. Die Juden, die noch im Reich verblieben sind, stellen natürlich ein außerordentlich gefährliches Kontingent von Zeitgenossen dar. Sie gehörten eigentlich in die Gefängnisse. Daß man sie frei herumlaufen läßt, bedeutet für das öffentliche Leben eine stets gleichbleibende und bei zunehmender Krise auch zunehmende Gefahr. Ich bin ständig bemüht, möglichst viele Juden nach dem Osten verfrachten zu lassen; sind sie einmal aus der Reichweite heraus, dann können sie uns wenigstens vorerst nicht schaden." (Fröhlich, II.4, S. 393)

30.05.1942

Goebbels Tagebuch

Er habe Hitler am Vortag noch einmal seinen Plan vorgetragen, "die Juden restlos aus Berlin zu evakuieren. Er ist ganz meiner Meinung und gibt Speer den Auftrag, so schnell wie möglich dafür zu sorgen, daß die in der deutschen Rüstungswirtschaft beschäftigten Juden durch ausländische Arbeiter ersetzt werden." - Hitler habe ihm gesagt: "Die Deutschen beteiligen sich an subversiven Bewegungen immer nur, wenn die Juden sie dazu verführen. Deshalb muß man die jüdische Gefahr liquidieren, koste es, was es wolle."
(Fröhlich, II.4, S. 405-406)

31.05.1942

Generalgouvernement

Frank besichtigt in Lublin das neu errichtete Ghetto.

Gouverneur (Distriktchef) Zörner berichtet: "Vor kurzem habe man aus der Stadt Lublin etwa 40.000 Juden herausgenommen. Man habe diejenigen Juden, die in Fabriken arbeiteten oder als Heimarbeiter im deutschen Interesse tätig seien, in ein neues Ghetto eingesiedelt. Es handle sich um 3.000 bis 4.000 Juden. Außerhalb der Stadt Lublin gebe es noch verschiedene stark jüdisch bevölkerte kleine Städte und ein Lager, das dauernd mit Juden belegt sei. Man hoffe, im Laufe der Zeit eine möglichste Säuberung des Distrikts von Juden zu erreichen." (Präg, S. 500)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

26.05.1942

Beginn einer deutschen Offensive in Nordafrika, die einen Monat später mit der Einnahme Tobruks und dem Vormarsch auf El Alamein endet.

30.-31.05.1942

Großangriffe der britischen Luftwaffe auf Köln und mehrere Städte des Ruhrgebiets.