Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

31.03. - 01.04.1943

Bulgarien

Gespräch des deutschen Außenministers Ribbentrop mit dem bulgarischen König Boris.

Der König sagt, er habe seine Zustimmung zur "Abschiebung nach Osteuropa" bisher nur für die Juden aus den annektierten Gebieten Makedonien und Thrakien gegeben. "Von den Juden aus Bulgarien selbst wolle er nur eine geringe Zahl bolschewistisch-kommunistischer Elemente abschieben lassen, die übrigen ca. 25.000 Juden hingegen im Lande in Konzentrationslagern zusammenfassen lassen, weil er sie dort für den Straßenbau benötige."
Ribbentrop erwidert, "daß nach unserer Auffassung in der Judenfrage die radikalste Lösung die allein richtige sei." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 273)

April 1943

Einrichtung des "Aufenthaltslagers" Bergen-Belsen in Niedersachsen. Dort sollten vor allem jüdische Menschen "konzentriert" werden, die unter Umständen für Austauschzwecke in Frage kommen könnten - insbesondere Personen mit verwandtschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Beziehungen in den Staaten der Alliierten.

Ab Frühjahr 1944 wurde Bergen-Belsen auch zu einem Aufnahmelager für nicht mehr arbeitseinsatzfähige Häftlinge und (seit August 1944) zum Durchgangslager für evakuierte Zwangsarbeiterinnen und weibliche Gefangene aus anderen Konzentrationslagern. Unter ihnen war Anne Frank, die im März 1945 ebenso wie ihre Schwester an Typhus starb. Insgesamt starben allein in der Zeit von Januar bis April 1945 etwa 35.000 Menschen in Bergen-Belsen.

01.04.1943

Aus Wien geht ein Zug mit rund 70 Menschen nach Theresienstadt ab.

Nach Angaben der Reichsvereinigung leben im Altreich 31.807 Juden.

02.04.1943

Auschwitz

Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit Zigeunern in Auschwitz ein. 29 Frauen und Mädchen sowie 27 Männer und Jungen werden in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 458)

03.04.1943

Griechenland/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Saloniki werden 2.800 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 258 Frauen und 334 Männer als Häftlinge übernommen; 2.208 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Ein Transport mit deutschen und österreichischen Zigeunern kommt in Auschwitz an. 125 Frauen und Mädchen sowie 101 Männer und Jungen werden in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 458-459)

Bulgarien

Aufzeichnung Wagners, Auswärtiges Amt, zur "Judenfrage in Bulgarien".

  1. "Bulgarien kennt eine der deutschen analoge Judengesetzgebung. Seit dem vergangenen Jahre wurde durch Ermächtigungsgesetz die Bestimmung des Judenbegriffs festgelegt, die Kennzeichnung durch Judenstern (außer bei Mischehe), ferner Namens- und Wohnungsbeschränkung eingeführt, die gewerbliche und wirtschaftliche Bewegungsmöglichkeit der Juden weitgehend eingeschränkt und die Liquidation jüdischer Unternehmen weiter vorgetrieben. Ein eigens errichtetes Judenkommissariat im Ministerium für Inneres und Volksgesundheit (Judenkommissar A. Belev) regelt alle Fragen im einzelnen."  
  2. Juden bulgarischer Staatsangehörigkeit im deutschen Machtbereich unterliegen aufgrund eines Notenwechsels von Mitte 1942 "uneingeschränkt allen unseren Judenmaßnahmen einschließlich der Abschiebung nach den Ostgebieten (...)."
  3. Aufgrund deutscher Anregung habe sich Bulgarien zu einer "Aussiedlung" der im Land lebenden Juden "nach den Ostgebieten" entschlossen und dafür "unsere Hilfe angenommen". Als "Fachmann" sei zu diesem Zweck Dannecker (SS) seit Ende Januar 1943 in Sofia stationiert. "Der Entschluß zur Aussiedlung nach den Ostgebieten kam erst nach mancherlei Widerstand zustande."  Erst kürzlich wurde im Parlament ein Antrag eingebracht, die Deportationen einzustellen, "da das Schicksal, das die Juden in den deutschen Ostgebieten erwarte, die elementarsten Gebote der Menschlichkeit verletzte".

Trotzdem sei die "Aussiedlung" von zunächst 20.000 Menschen angeordnet worden, in erster Linie Nicht-Bulgaren aus den annektierten Gebieten. Bisher seien aus Makedonien 7.240 und aus Thrakien 4.219 Juden "ausgesiedelt" worden. Aus dem eigentlichen Bulgarien sollen 6.000 Juden, zur Hälfte aus Sofia, deportiert werden. Diese "Aussiedlungsaktion" soll bis Ende Mai 1943 abgeschlossen sein; weitere sollen danach folgen, worüber aber mit den bulgarischen Stellen noch nichts vereinbart sei.
    5. Offen geblieben sei noch die Frage des "Entgelts für die deutsche Mithilfe" bei den Deportationen.  (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 275)

Ungarn

Bericht des deutschen Gesandten von Jagow an das Auswärtige Amt.

"Innenpolitisch machen sich destruktive und defaitistische Bestrebungen immer bemerkbarer. (...) Die Juden bekommen ihren Einfluß immer mehr zurück. Im Oktober angekündigtes Gesetz über Vermögensabgabe der Juden ist bisher nicht ergangen. - Wirtschaftlich fehlt es an der vollen Einsatzbereitschaft. Jüdischer Einfluß wirkt im stillen sabotierend." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 276)

05.04.1943

Auschwitz

Ein Transport mit österreichischen Zigeunern kommt in Auschwitz an. 34 Frauen und Mädchen sowie 44 Männer und Jungen werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 461)

Ungarn

Bericht des Militärattachés an der deutschen Gesandtschaft in Budapest, von Papenheim, an das Oberkommando des Heeres.

Ab 15. April sollen alle Juden bis zu 37 Jahren zum Arbeitsdienst in den "Judenkompanien" eingezogen werden. Ungarn würde die 12 Baubataillone, die mit den ungarischen Divisionen in der Ukraine bleiben sollen, gern ganz oder zum größten Teil aus "Judenkompanien" bilden. Man habe aber "gewisse Bedenken", da auf dem Rückzug nach dem sowjetischen Durchbruch am Don die aus Juden gebildeten ungarischen Arbeitsdienst-Einheiten von den Deutschen sehr schlecht behandelt und viele jüdische Arbeitsdienstler sogar erschossen worden seien. Ungarn wünsche sich daher als Voraussetzung für die Entsendung neuer "Judenkompanien" eine formlose Erklärung, daß diesen von deutscher Seite nichts Böses geschehen werde. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 279)

06.04.1943

Niederlande

Ein Transport mit 2.020 jüdischen Menschen geht aus  Westerbork zum Vernichtungslager Sobibor ab.

07.04.1943

Wartheland

Ende der ersten Phase der Massenmorde im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof. Das Lager wird aufgelöst, die Anlagen gesprengt. Die Tötungen in mehreren LKWs, die zu fahrenden Gaskammern umgebaut worden waren, hatten Anfang Dezember 1941 begonnen. Ermordet wurden zunächst die jüdischen Einwohner der Dörfer und Kleinstädte der Umgebung, dann ab Mitte Januar 1942 mehr als 70.000 Menschen aus dem Ghetto von Lodz, darunter auch 15.000 Deportierte aus dem Reichsgebiet.

Im April 1944 wurde in Chelmno erneut ein Vernichtungslager errichtet, das ab dem 23. Juni 1944 vor allem zur Ermordung der letzten Bewohnerinnen und Bewohner des Lodzer Ghettos benutzt wurde. (EdH, S. 282)

Bulgarien

Das Auswärtige Amt an das RSHA.

Die bulgarische Regierung habe sich auf Verhandlungen über einen englischen Vorschlag, 4.000 jüdischen Kindern die Einreise nach Palästina zu gestatten, eingelassen; doch sei angeblich beabsichtigt, die Ausreise durch Vorschützen technischer Schwerigkeiten zu verhindern.

Wie weit man sich darauf verlassen könne, bleibe abzuwarten. Maßgebliche bulgarische Stellen hätten in der "Judenfrage" in letzter Zeit "eine sehr schwankende Haltung an den Tag gelegt". "Einflußreiche jüdische Kreise" hätten "gerade in der letzten Zeit nicht ohne Erfolg alles darangesetzt, um die bulgarischen Judenmaßnahmen zu mildern, zu verwässern oder gar zu durchkreuzen."
Es habe sich auch gezeigt, daß die bulgarische Regierung der Durchreise jüdischer Kinder aus Rumänien nach Palästina, trotz gegenteiliger Zusicherungen an die Deutschen, schließlich doch zugestimmt habe.

"Diese Beobachtungen passen gut in den Rahmen einer allgemeinen Abkehr von strengen Judenmaßnahmen, die sich auch in den anderen Südostgebieten zeigt."
So könnten jetzt in Rumänien Juden, die Verdienste um den Staat aufzuweisen haben, durch ein Dekret Marschall Antonescus den Rumänen "blutmäßig gleichgestellt werden". (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 282)