CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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24.05.1943

Bulgarien

In Sofia findet eine u.a von der Kommunistischen Partei organisierte Demonstration von etwa 10.000 Menschen gegen die geplante Aussiedlung der 25.000 Juden der Stadt in die Provinz statt. Die Demonstration wird von der Polizei gewaltsam auseinandergetrieben. Zahlreiche Juden werden festgenommen und in Lager außerhalb der Hauptstadt gebracht.

Innerhalb von zwölf Tagen wurden 19.153 jüdische Menschen aus Sofia vertrieben und gezwungen, sich in etwa 20 Provinzstädten anzusiedeln. Einige tausend Juden konnten aufgrund persönlicher Beziehungen in Sofia bleiben.

Die aus Sofia verbannten Juden durften nur in bestimmten Häusern wohnen; es war ihnen untersagt, eine Arbeit anzunehmen; sie lebten zu acht bis zehn Personen in einem Raum; in einigen Städten galt für die Juden ein ständiges Ausgangsverbot, außer für ein oder zwei Stunden am Tag. Juden durften die Hauptstraßen nicht benutzen, bestimmte Geschäfte, Kinos und  Cafés nicht betreten. Ihre Rundfunkgeräte, Autos und Fahrräder wurden beschlagnahmt, ebenso Schmuck und Teppiche. (EdH, S. 265-266; Benz, Dimension, S. 304-305)

25.05.1943

Niederlande

Ein Zug mit 2.862 jüdischen Menschen aus dem Lager Westerbork zum Vernichtungslager Sobibor geht ab

Auschwitz

Etwa 1.000 Sinti und Roma aus dem Zigeunerlager - darunter mehrere hundert, die an Flecktyphus erkrankt sind - werden in den  Gaskammern ermordet. (Czech, S. 503-504)

Transport aus Wien mit rund 200 Menschen nach Theresienstadt.

29.05.1943

Goebbels Tagebuch

"Mit Haegert bespreche ich eine Aktivierung unserer Buchproduktion. Es sollen eine Reihe von antisemitischen Romanen geschrieben werden, und zwar von maßgebenden Schriftstellern, wenn sie auch nicht so vorbehaltlos zum Nationalsozialismus stehen wie etwa unsere Feld-, Wald- und Wiesendichter, die zwar in ihrer Gesinnung sehr tüchtig sind, aber nicht viel können. Ich denke hier an Fallada, Norbert Jaques und andere Schriftsteller, die in der Systemzeit eine große Rolle gespielt haben. Sie werden sicherlich, wenn sie sich antisemitischer Stoffe bemächtigen, etwas Interessantes zuwege bringen." (Fröhlich II, Bd. 8, S. 386)

30.05.1943

Auschwitz

SS-Hauptsturmführer Josef Mengele übernimmt die Funktion des Lagerarztes im Zigeuner-Familienlager in Birkenau. Er führt dort pseudowissenschaftliche Untersuchungen an Zwillingen und Zwergwüchsigen durch, wobei er einige von ihnen zu sog. Versuchszwecken tötet, andere verstümmelt und mißhandelt. (Czech, S. 507)

31.05.1943

Generalgouvernement: Arbeitssitzung zur "Sicherheitslage".

Staatssekretär Krüge

"Er habe neulich erst wieder den Befehl erhalten, in ganz kurzer Zeit die Entjudung durchzuführen. Man sei gezwungen gewesen, die Juden auch aus der Rüstungsindustrie und den wehrwirtschaftlichen Betrieben herauszuziehen, falls sie nicht ausschließlich im kriegswichtigsten Interesse eingesetzt seien. Die Juden seien dann in großen Lagern zusammengefaßt worden und würden von dort für die Tagesarbeit in diesen Rüstungsbetrieben abgegeben. Der Reichsführer SS wünsche aber, daß auch die Beschäftigung dieser Juden aufhöre. Er habe mit Generalleutnant Schindler eingehend über diese Frage gesprochen und glaube, daß dieser Wunsch des Reichsführers SS wohl im Endeffekt nicht erfüllt werden könne. Es gebe unter den jüdischen Arbeitskräften Spezialarbeiter, Feinmechaniker und sonstige qualifizierte Handwerker, die man heute nicht ohne weiteres durch Polen ersetzen könne. Er bitte deshalb SS-Obergruppenführer Dr. Kaltenbrunner, dem Reichsführer SS diese Lage zu schildern und ihn zu ersuchen, von der Wegnahme dieser jüdischen Arbeitskräfte Abstand zu nehmen. (...)

Mit der Frage der Entjudung könne man sich eigentlich gar nicht belasten; dafür sei sie auch propagandistisch schon zu stark vom Auslande ausgeschlachtet worden. Unabhängig davon müsse man versuchen, diese jüdischen Kräfte, die sich der Umsiedlung entzogen hätten und überall getarnt herumliefen, in irgendeiner Form einzufangen." (IMT, PS-2233; Präg, S. 678ff)