Funktionen für die Darstellung
Seitenpfad
24.03.1944
USA
In einer Pressekonferenz spricht Präsident Roosevelt über den systematischen Mord an den Juden Europas und bekräftigt die Entschlossenheit der USA, keinen der Beteiligten an diesen grausamen Verbrechen straffrei ausgehen zu lassen. Er sagt außerdem: "Hunderttausende von Juden, die, obwohl verfolgt, in Ungarn und auf dem Balkan zumindest vor dem Tode sicher waren, sind nun, da Hitlers Truppen über diese Länder herfallen, von Vernichtung bedroht. Es wäre eine große Tragödie, wenn diese unschuldigen Menschen, die bereits zehn Jahre des Wütens Hitlers überlebt haben, gerade am Vorabend des Triumphes über die Barbarei (...) umkommen würden."
(Bauer, Freikauf, S. 286)
24. - 25.03.1944
Griechenland
Großaktion der Deutschen gegen die jüdische Bevölkerung Griechenlands.
In Athen ereicht der SD durch die Ankündigung, es würde Mehl zum Backen der Mazzoth für das bevorstehende Pesach-Fest verteilt, daß eine überdurchschnittliche Menschenzahl zum wöchentlichen Zählappell in die Synagoge kommt. Fast 800 Menschen werden dort festgenommen, weitere 500 in ihren registrierten Wohnungen. Sie werden für einige Tage im nahen KL Chaiari zusammengepfercht, bis auch die Juden aus der Provinz "transportfertig"
sind.
Im größeren Teil des griechischen Festlands fallen den SD-Kommandos kaum ein Drittel der Juden in die Hände, da viele, besonders junge Leute, untergetaucht bzw. mit Hilfe der Partisanen in die Berge geflüchtet sind. Nur im Epirus gelingt es dem SD, mehr als 90% der Juden festzunehmen. (Benz, Dimension, S. 263-264)
25.03.1944
Niederlande/Auschwitz
Ankunft eines Deportationszugs mit 599 Menschen aus Westerbork in Auschwitz. 304 Männer und 56 Frauen werden in das Lager übernommen, die anderen 239 Menschen werden in die Gaskammern geschickt.
Niederlande: Mit einem Transport aus Den Haag werden 184 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Sie waren von Niederländern versteckt und erst kürzlich aufgrund von Denunziationen verhaftet worden. Sie erhalten, da man Direktiven des RSHA abwarten will, keine Häftlingsnummern. Am 3. April werden sie in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 744 und 748)
27.03.1944
RK Ostland
Etwa 1.800 Menschen aus dem Konzentrationslager Kauen (Kowno, Litauen) werden von den Deutschen ermordet. Es sind in erster Linie Kinder und alte Menschen. (EdH, S. 806)
29.03.1944
Ungarn
Sitzung des Ministerrats. Justizminister Antal teilt mit, daß Staatschef Horthy der Regierung freie Hand für antijüdische Erlasse gegeben habe. Die Regierung verabschiedet sechs antijüdische Dekrete. Sie betreffen insbesondere: Das Verbot der Beschäftigung von Nicht-Juden in jüdischen Haushalten; Entlassung der jüdischen Beamten und Rechtsanwälte; Ausschluß der Juden aus der Presse- und aus der Theaterkammer (gleichbedeutend mit Berufsverbot). Vom 5. April an müssen alle Juden - abgesehen von wenigen Ausnahmen, insbesondere Kriegesveteranen - als Kennzeichen einen gelben Stern tragen.
30.03.1944
Frankreich/Auschwitz
Aus dem Lager Drancy werden 1.000 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion"
werden 148 Frauen und 380 Männer als Häftlinge übernommen, die anderen 472 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 746)
Großbritannien
Außenminister Eden betont in einer Erklärung die Entschlossenheit der britischen Regierung, daß alle Schuldigen an den deutschen Verbrechen abgeurteilt werden sollen. Eine entsprechende Warnung richtet er auch an Deutschlands Verbündete.
31.03.1944
Rumänien/Türkei
Der deutsche Gesandte in Ankara, Jenke, an das Auswärtige Amt.
Seit einiger Zeit verhandelt das Internationale Rote Kreuz mit den Türken über Mitwirkung bei der Auswanderung von 1.500 Juden aus Rumänien nach Palästina. Die türkische Regierung sei bereit, dafür ein Schiff zur Verfügung zu stellen. Der Botschafter der USA dränge auf beschleunigte Durchführung. Der türkische Außenminister Numan läßt Außenminister Ribbentrop bitten, seine Zustimmung zu geben, da es zur Absicherung seiner Neutralitätspolitik notwendig sei, "zeitweilig Ballast abzuwerfen"
.
Ribbentrop ließ Numan daraufhin mitteilen, daß seinem Wunsch "aus Gründen der Spionageabwehr und aus seestrategischen Gründen nicht entsprochen werden könne"
. (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 309 und Fußnote)
Ungarn
Lt. einem SD-Bericht wurden seit dem deutschen Einmarsch in gezielten "Einzelaktionen"
3.364 Juden verhaftet. (Braham, Destruction II, Nr. 246)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
26.03.1944
Sowjetische Truppen erreichen am Pruth die Grenze des rumänischen Kernlandes und überschreiten den Fluß nördlich von Jassy.
28.03.1944
Rumänien
Sowjetische Truppen befreien das rumänische Konzentrationslager Domanewka in Transnistrien. Etwa 500 Juden, meistens Vertriebene aus Rumänien, sind noch am Leben. (EdH, S. 363)
29.03.1944
UdSSR
Sowjetische Truppen befreien Kolomyja (Westukraine). Nur einige Dutzend Juden haben in Verstecken und in Wäldern der Umgebung überlebt. Vor dem deutschen Einmarsch hatten in Kolomyja etwa 15.000 ansässige Juden und mehrere tausend jüdische Flüchtlinge aus Polen gelebt. (EdH, S. 781-782)