CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

16.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Deportationszug mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Zambrów kommt in Auschwitz an. 211 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen etwa 1.790 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Wartheland

Aus dem Gefängnis Sieradz/Schieratz bei Lodz werden 636 Häftlinge - Polen, Bjelorussen, Ukrainer und Juden - nach Auschwitz eingeliefert.

Bezirk Bialystok

Aus dem Durchgangslager Lomza werden etwa 2.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 170 Männer werden als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 1.830 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 384-385)

17.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ankunft eines Zuges mit etwa 2.000 jüdischen Menschen aus dem Durchgangslager Lomza in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 255 Männer ins Lager eingewiesen und die anderen etwa 1.745 Menschen in den Gaskammern ermordet.

Unter den Häftlingen der Quarantäneblöcken 2 und 8 des Stammlagers wird eine "Selektion" durchgeführt. Etwa 500 Menschen werden ausgesondert und am selben Tag in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 385-386)

18.01.1943

Belgien/Auschwitz

Aus dem Lager Malines werden mit zwei Deportationszügen 1.555 Menschen nach Auschwitz eingeliefert: 680 Frauen, 125 Mädchen, 588 Männer und 162 Jungen. 387 Männer und 81 Frauen werden als Häftlinge registriert; die übrigen 1.087 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Bezirk Bialystok

Transport aus dem Ghetto in Zambrów mit etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 130 Männer ins Lager eingewiesen, während die anderen etwa 1.870 Menschen in die Gaskammern geschickt werden. (Czech, S. 386)

Frankreich

Himmler an SS-Brif. Oberg. (Nachdem in Marseille am 4. Januar bei einem Bombenanschlag mehrere deutsche Soldaten getötet oder verletzt worden waren.)

"Ich wünsche für die Bereinigung der Verhältnisse in Marseille eine radikale und vollkommene Lösung. Wir haben heute nicht mehr die Menschen, für längere Dauer an solchen Brennpunkten eine große Anzahl von Angehörigen der Ordnungs- und Sicherheitspolizei zu versammeln.

Sie wollen mir raschestens Ihren Plan für die Bereinigung von Marseille vorlegen. Bei diesem Plan wollen Sie berücksichtigen, daß ich folgende Dinge verlange:

  1. Verhaftung von großen Verbrechermassen von Marseille und deren Abfuhr in KL., am besten nach Deutschland. Ich stelle mir hier eine Zahl von rund 100.000 vor.
  2. Radikale Sprengung des Verbrecherviertels. Ich wünsche nicht, daß deutsche Menschenleben im Kampf in den unterirdischen Gängen und Höhlen aufs Spiel gesetzt werden. Diese Unterstadt von Marseille ist durch Fachleute zu sprengen, und zwar in der Form, daß allein schon durch den Explosionsdruck die darin Wohnenden zugrunde gehen." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 178)

18.-22.01.1943

Generalgouvernement

Die Deutschen treiben im Warschauer Ghetto 5. - 6.000 Menschen zur Deportation zusammen. Von jüdischer Seite gibt es bewaffnete Gegenwehr. Die seit Juli 1942 aufgebauten jüdischen Kampfgruppen bereiten sich auf die Verteidigung des Ghettos vor.

19.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Transport mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Zambrów nach Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 164 Männer und 134 Frauen als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 1.700 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Generalgouvernement

Aus Krakau werden 1.372 Menschen - 400 Juden, 972 Strafgefangene - nach Auschwitz eingeliefert. 619 Männer, darunter 50 Juden, und 403 Frauen werden als Häftlinge registriert. 350 jüdische Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 387)

Kroatien

Eine Vereinbarung zwischen deutschen und kroatischen Polizeistellen sieht vor:   

  1. Eine "Sonderaktion" zur Entfernung sämtlicher verbliebener Juden - ausgenommen "Ehrenarier" und "Mischlinge".
  2. Die in kroatischen Lagern inhaftierten Juden sollen, soweit sie nicht als Arbeitskräfte eingesetzt sind, zur "Aussiedlung nach Deutschland" (d.h. nach Auschwitz) freigegeben werden.
  3. Illegal in Kroatien lebende Juden sollen verhaftet und ins Lager Jasenovac gebracht werden.
  4. Sämtliche für die "Aussiedlung" vorgesehenen Juden sollen im Lager Stara Gradiska konzentriert werden.

Auf deutscher Seite wurde angenommen, daß von dieser "Aktion" etwa 2.000 Menschen erfaßt würden. (Benz, Dimension, S. 325/326)

20.01.1943

Niederlande/Auschwitz

Aus dem niederländischen Lager Westerbork werden 748 jüdische Menschen  nach Auschwitz eingeliefert. Nur 25 Frauen und 10 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 713 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Bezirk Bialystok

Transport mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Grodno nach Auschwitz. 155 Männer und 101 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen etwa 1.744 Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 387)

Generalgouvernement

Die Überlebenden der jüdischen Gemeinschaft von Kolomyja (Ukraine), etwa 2.000 Menschen, werden in wenigen Häusern des Ghettos zusammengedrängt.

Schreiben Himmlers an den Staatssekretär des Reichsverkehrsministeriums, Dr. Ganzenmüller.

"Eine Voraussetzung für die Befriedung des Generalgouvernements, von Bialystok und von den russischen Gebieten ist der Abtransport der ganzen Bandenhelfer und Bandenverdächtigen. Dazu gehört auch in erster Linie der Abtransport der Juden. Ebenso gehört der Abtransport der Juden aus dem Westen dazu, da wir sonst in diesen Gebieten ebenfalls mit einer Erhöhung der Anschläge zu rechnen haben.
    Hier brauche ich Ihre Hilfe und Ihre Unterstützung. Ich muß, wenn ich die Dinge rasch erledigen will, mehr Transportzüge bekommen. Ich weiß sehr wohl, wie angespannt die Lage für die Bahn ist und welche Forderungen an Sie immer gestellt werden. Trotzdem muß ich an Sie die Bitte richten: Helfen Sie mir und verschaffen Sie mir mehr Züge." (IMT, NO-2405)

Rumänien

Schreiben Himmlers an Heinrich Müller, Chef Amt IV/RSHA.

"Ihren Bericht vom 14.1.1943 über die Gefährdung der Judenendlösung in Rumänien habe ich gelesen. In Rumänien ist im Augenblick meines Erachtens garnichts zu machen. Ich selbst neige zu der Ansicht, daß es besser wäre, wenn wir unseren Juden-Bearbeiter von dort zurückzögen. Teilen Sie mir darüber Ihre Meinung mit. In den nächsten Monaten wird auf dem Judengebiet dort bestimmt nichts geschehen. Wenn wir einen Bearbeiter dort haben, kann es nur sein, daß wir mit irgendetwas beschuldigt werden." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 184)

Bericht von Unterstaatssekretär Luther, Auswärtiges Amt.

Im Laufe des Jahres 1942 wurden alle Juden aus dem Protektorat sowie die Juden slowakischer, kroatischer, serbischer und griechischer Staatsangehörigkeit "den allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen einschließlich Kennzeichnung und Abschiebung unterworfen". Mit den Regierungen Rumäniens und Bulgariens wurden analoge Vereinbarungen erreicht.

Der italienischen Regierung wurde mitgeteilt, daß ihre jüdischen Staatsangehörigen gleichfalls "unseren Maßnahmen unterworfen werden sollen", falls sie nicht bis zum 31. März zurückgeholt worden sind.

Die ungarische Regierung habe Einwendungen "besonders im Hinblick auf Sicherung der Vermögenswerte" erhoben. Es wurde ein letzter Termin für die Rückholung ihrer Staatsbürger bis zum 31.12.42 gestellt. Dieser Termin wurde auf Bitten der ungarischen Regierung zur Regelung vermögensrechtlicher Fragen um einen Monat verlängert.

Die türkische Regierung hat angekündigt, ihre jüdischen Staatsangehörigen - soweit sie an diesen interessiert ist - bis zum 31.12.42 zurückzuholen.

Der Schweiz sei Frist bis zum 31. Januar gesetzt worden.
"Keine Schritte sind bisher erfolgt bezüglich der Juden spanischer, portugiesischer, dänischer und schwedischer Staatsangehörigkeit. Im Falle Spanien und Portugal sollte der Schritt erleichtert werden unter Hinweis darauf, daß es sich um die einzigen noch verbleibenden ausländischen Juden handelt, bei denen aber auch keine Ausnahme gemacht werden könne. Dieser Schritt kann nun erfolgen.
    Der bereits geplante Schritt in den skandinavischen Ländern war zurückgestellt worden, damit der neue Bevollmächtigte in Kopenhagen von sich aus Gelegenheit hat, die Initiative zur Bereinigung der dänischen Judenfrage zu ergreifen. Auch dieser Schritt kann nunmehr erfolgen."
(ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 64)

Befehl von KL-Inspekteur Glücks an alle KL-Kommandanten.

Anknüpfend an ein Schreiben des Gestapochefs Müller vom 31.12.42 hinsichtlich der hohen Sterblichkeit unter den Häftlingen macht er sie "für die Erschöpfung jeder Möglichkeit zur Erhaltung der Arbeitskraft der Häftlinge persönlich verantwortlich." (IMT, NO-1523)

21.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno. 112 Frauen und 175 Männer werden in das Lager eingewiesen; die übrigen etwa 1.713 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Protektorat

Aus Theresienstadt werden etwa 2.000 Juden - 1.144 Frauen und Mädchen, 856 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. 254 Männer und 164 Frauen werden als Häftlinge übernommen; 1.582 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 388)

22.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto von Grodno werden etwa 3.650 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 229 Frauen und 365 Männer werden als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 3.056 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 389)

RK Ostland

Meldungen aus den besetzten Ostgebieten Nr. 38.

Beim "Unternehmen Hamburg" im Raum von Slonim (Weißrußland) wurden 1.676 "Banditen" getötet und 1.510 "bandenverdächtige Personen" erschossen. "In den Gemeinden, die in dem Aktionsbereich lagen, wurden außerdem 2.658 Juden sowie 30 Zigeuner gestellt."

Beim "Unternehmen Altona" im Raum Kossow-Bythen (Weißrußland) wurden bei Kämpfen 97 Mitglieder einer "größeren Bandengruppe" getötet. "Ferner wurden in diesem Raum 785 bandenverdächtige Personen erschossen und 126 Juden und 24 Zigeuner gestellt." (IMT, PS-3943)

23.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Transport aus dem Ghetto von Grodno mit etwa 2.000 Menschen kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 191 Frauen und 235 Männer als Häftlinge registriert; die anderen Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 390)

Rumänien

Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Die Gesandtschaft soll die rumänische Regierung darauf hinweisen, "daß Juden Elemente der Zersetzung darstellen, Sabotage treiben und im feindlichen Spionagedienst stehen". Ihre "Evakuierung" sei deshalb ein zwingendes Gebot der inneren Sicherheit Europas. Die von Rumänien tolerierte Auswanderung von Juden nach Palästina bedeute "eine nicht zu verantwortende Minderung des der Achse zur Verfügung stehenden Schiffsraumes zu Gunsten der Feindmächte".
Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß Deutschland auch gegenüber Ungarn und Italien eine analoge Haltung einnimmt. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 70)

Frankreich

Der deutsche Gesandte in Paris, Schleier, an das Auswärtige Amt. Betr. "Stand der Judenfrage im neubesetzten Gebiet".

"Durch den SD wurde schon im Laufe des Dezember vorigen Jahres folgender Plan der französischen Regierung unterbreitet: französische Behörden sollten alle Juden aus den Küstendepartements entfernen und die den bisherigen Judenmaßnahmen unterworfenen Juden ausländischer Staatsangehörigkeit zum Zwecke späterer Abschiebung nach dem Osten internieren. Die Juden französischer Staatsangehörigkeit sowie die von den Judenmaßnahmen ausgenommenen Juden sollten in vier Departements mit der Auflage konzentriert werden, sich nicht über den Bereich der Gemeinde hinauszubewegen, in der sich der zugewiesene Wohnsitz befindet."

Bei einer Erörterung zwischen SD und Generalsekretär Bousquet habe dieser darauf hingewiesen, daß die italienische Waffenstillstandskommission die Juden italienischer Staatsangehörigkeit gegen die französichen antijüdischen Maßnahmen in Schutz nehme. Lt. Bousquet hätten sich außerdem die Regierungen Spaniens und Rumäniens an die französische Regierung gewandt, um sich für ihre jüdischen Staatsangehörigen einzusetzen.

Zwischen deutscher Botschaft und SD bestehe Übereinstimmung, "daß eine grundlegende Bereinigung der Judenfrage im neubesetzten Gebiet nur durchgeführt werden kann, wenn es gelingt, die Italiener auf die Linie unserer Judenmaßnahmen zu bringen." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 69)

Goebbels Tagebuch

"Der Führer ist mit mir der Meinung, daß man die Judenfrage in Berlin schnellstmöglich lösen muß. Solange sich in Berlin noch Juden befinden, können wir von einer inneren Sicherheit nicht sprechen. Auch aus Wien müssen die Juden so schnell wie möglich heraus." (Fröhlich II, Bd. 7, S. 177)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

14.01.- 25.01.1943

Casablanca-Konferenz der USA und Großbritanniens

Roosevelt und Churchill vereinbaren die Formel "Unconditional surrender": es solle Deutschland nicht gestattet werden, den Krieg anders als durch seine bedingungslose Kapitulation zu beenden.

20.01.1943

Die eingeschlossenen deutschen Truppen in Stalingrad werden durch eine sowjetische Offensive in zwei Kessel getrennt.