CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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25.04.1944

Ungarn

Eichmann bestellt Joel Brand, einen führenden Vertreter der Budapester Juden, in sein Hauptquartier. Er teilt ihm mit, daß Deutschland  bereit wäre, gegen entsprechende Gegenleistungen einer Million Juden die Ausreise aus dem deutschen Machtbereich zu gestatten. Hinsichtlich der Gegenleistungen erwarte er Vorschläge. Als Beispiele nennen Eichmann und seine Mitarbeiter Güter wie Tee, Kaffee, Seife, Werkzeugmaschinen, Leder usw.
In weiteren Gesprächen wird deutlich, daß die Deutschen vor allem die Lieferung von 10.000 Lastkraftwagen fordern, die winterfest sein müßten und die garantiert nur an der Ostfront eingesetzt werden würden. Damit ist ein Hauptzweck des "Angebots", nämlich das Lager der Alliierten aufzuspalten, offensichtlich.

Brand wird beauftragt, Eichmanns Vorschlag den "Führern des Weltjudentums" in einer von ihm selbst zu wählenden Weise zu übermitteln. Brand entscheidet sich dafür, über Istanbul Kontakt zu den zionistischen Politikern in Palästina zu suchen. Aus nicht restlos geklärten Gründen vergehen bis zur Abreise von Brand nach Istanbul (s. 17.5.44) noch mehrere Wochen.
Offenbar war die Idee dieses "Tauschgeschäfts" von Himmler entwickelt worden, während Eichmann, für den die Durchführung des Völkermords an den Juden absolute Priorität hätte, den Vorschlag zu sabotieren versuchte.

Auschwitz

Im sog. Zigeuner-Familienlagers im KL Auschwitz-Birkenau sind  2.921 männliche und ungefähr 3.000 weibliche Gefangene untergebracht. (Czech, S. 760)

26.04.1944

Ungarn

Die Regierung Sztójay erläßt weitere antijüdische Dekrete, u.a. über die Zwangsghettoisierung. Sie stellt den Deutschen 50.000 jüdische Arbeitsdienstler zur sofortigen Verfügung.
Konferenz unter Vorsitz des Staatssekretärs im Innenministerium, Endre, zur Vorbereitung der Ghettoisierung in Nord-Siebenbürgen (1940 von Rumänien zwangsweise an Ungarn abgetreten).

Ungarn

Lt. einem SD-Bericht wurden seit dem deutschen Einmarsch bei gezielten "Einzelaktionen" 8.046 Juden festgenommen. 140.000 jüdische Menschen wurden in Karpatho-Ruthenien in Ghettos konzentriert. Die Juden in anderen Landesteilen sind wegen dieser Vorgänge beunruhigt. (Braham, Destruction II, Nr. 256)

27.04.1944

Ungarn/Vatikan

Der päpstliche Nuntius, Angelo Roatta, protestiert bei der ungarischen Regierung gegen die anti-jüdischen Maßnahmen, die er als "unchristlich" bezeichnet.

Goebbels Tagebuch

"Der Judenhaß ist beim Führer eher noch gestiegen, als daß er abgenommen hätte. Die Juden müssen für ihre Untaten an den europäischen Völkern und überhaupt an der ganzen Kulturwelt bestraft werden. Wo auch immer wir sie zu fassen bekommen, da sollen sie der Vergeltung nicht entgehen. (...) Im großen und ganzen kann man schon sagen, daß eine Politik auf weite Sicht in diesem Kriege nur möglich ist, wenn man von der Judenfrage ausgeht." (Fröhlich, Bd. 12, S. 202)

28.04.1944

Ungarn

Die Beschäftigung von Juden im privaten Wirtschaftssektor wird verboten.

Das Auswärtige Amt an die deutschen Vertretungen in Europa

Außenminister Ribbentrop hat die Bildung einer Stelle für "Antijüdische Auslandsaktion", Inf. XIV,  unter Leitung des Gesandten Schleier angeordnet. Aufgabe der Stelle soll sein, durch Zusammenfassung aller interessierten und beteiligten Sachbearbeiter und Arbeitseinheiten des AA, in enger Zusammenarbeit mit den Dienststellen außerhalb des AA und den deutschen Auslandsvertretungen "die antijüdische Auslandsinformation zu vertiefen und zu verstärken".

Die deutschen Vertretungen werden aufgefordert, der Inf. XIV "alles ihnen zugängliche Material über jüdische oder antijüdische Vorgänge" auf schnellstem Wege zu übermitteln. "Es kommt dabei nicht nur auf Material aus dem betreffenden Lande an, sondern es muß besonderer Wert auch auf die Beschaffung von Unterlagen gelegt werden, die dritte Länder betreffen, mit denen Deutschland im Kriege steht."

Inf. XIV wird ihrerseits den Auslandsvertretungen laufend Meldungen, Material und fertige Kommentare zur Verwendung in der Propaganda zukommen lassen. "Über die praktische Verwertung des Materials im Auslande ist laufend und - so weit möglich - unter Einsendung von Belegunterlagen zu berichten." (IMT, PS-3319)

29.04.1944

Auschwitz

Aus Zwangsarbeitslagern in Schlesien werden rund 550 jüdische Häftlinge nach Auschwitz eingeliefert. Die Kranken und "Arbeitsunfähigen" werden in den Gaskammern getötet, die anderen wahrscheinlich in das Nebenlager Gleiwitz I geschickt. (Czech, S. 761-762)