CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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März-April 1944

Griechenland

Über 6.000 griechische Juden aus Athen und anderen Teilen des Festlands werden nach Auschwitz deportiert. Anschließend nehmen die Deutschen die Juden auf allen größeren Inseln fest und transportieren sie ab. 1.500 Menschen können mit Booten und Schiffen in die Türkei flüchten.

April 1944

Frankreich

In die Deportationen werden nun auch jüdische Menschen einbezogen, die nach dem Juli 1940 eine "Mischehe" geschlossen hatten.

02.04.1944

Griechenland/Auschwitz

Ein Transport nach Auschwitz geht aus Athen ab. Er besteht zunächst aus 1.300 in Athen Festgenommenen sowie weiteren jüdischen Menschen aus Orten in Süd- und Mittelgriechenland. Unterwegs werden weitere Gruppen angeschlossen, so in Larissa über 2.000 Menschen aus thessalischen Städten und in Saloniki mehrere hundert Menschen. Insgesamt umfaßt der Deportationszug schließlich 80 Waggons, in denen mehr als 5.000 Menschen zusammengepfercht sind.

In Wien wurden mehrere Waggons abgetrennt. Über 150 Juden mit spanischer Staatsbürgerschaft wurden ins Lager Bergen-Belsen gebracht, wo sie am 14. April ankamen und als potentielle "Austauschjuden" den Krieg überlebten. (Benz, Dimension, S. 264)

03.04.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an Ribbentrop.

Nach den Luftangriffen auf Budapest seien Flugblätter verteilt worden, in denen für jeden getöteten Ungarn das Leben von 100 Juden gefordert wird. Das sei zwar praktisch nicht durchführbar, da man dann mindestens 30.-40.000 Juden erschießen müßte, doch liege in dem Grundsatz der Vergeltung eine wirksame Propagandamöglichkeit und vielleicht auch eine abschreckende Wirkung. Er hätte keine Bedenken, "bei nächstem Angriff für jeden getöteten Ungarn zehn passende Juden erschießen zu lassen."
Er glaube, daß die ungarische Regierung bereit wäre, eine solche Maßnahme auszuführen.

"Andererseits muß eine einmal eingeleitete derartige Aktion dann auch konsequent durchgeführt werden. In Berücksichtigung der von Herrn Reichsaußenminister dem Führer nahegebrachten Vorschläge bezüglich eines Angebots aller Juden als Geschenk an Roosevelt und Churchill (darüber ist nichts genaueres bekannt) bitte ich um Unterrichtung, ob diese Idee weiter verfolgt wird, oder ob ich mit derartigen Vergeltungsmaßnahmen nach dem nächsten Angriff beginnen kann." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 316)

Griechenland

Der Sonderbevollmächtigte des Auswärtigen Amtes für den Südosten, von Graevenitz, an das AA.

In der Nacht vom 24. auf den 25. März seien von der deutschen Polizei und dem SD alle Juden - mit Ausnahme der Partner aus "Mischehen" -schlagartig , ohne vorherige Abstimmung mit seiner Dienststelle, festgenommen worden. Die Notwendigkeit der überraschenden Aktion sei mit der Erfahrung in Saloniki begründet worden, wo sich mehrere Juden der "Konzentrierung" durch Flucht entzogen hätten.

Etwas mehr als 500 nicht-griechische Juden, davon 132 spanische und  40 türkische, wurden im Konzentrationslager Haidari getrennt von den anderen Gefangenen untergebracht. Die Vertreter Spaniens, der Türkei und Ungarns seien bei ihm mehrmals zugunsten ihrer jüdischen Staatsangehörigen vorstellig geworden. Er habe alles unternommen, "um wenigstens die größten Härten auszugleichen". - Er hoffe, "daß die ohne das energische Eingreifen der Dienststelle sicher zu erwartenden Beschwerden der betroffenen Fremdstaaten ausbleiben werden." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 317)

03.- 04.04.1944

Arbeitstagung der Judenreferenten der deutschen Auslandsvertretungen in Europa.

Der Gesandte Schleier teilt in seiner Eröffnungsansprache mit, daß Hitler angeordnet habe, "in verstärktem Maße den Kampf gegen das Judentum und für die Aufklärung über dessen Rolle im gegenwärtigen Krieg aufzunehmen", besonders mit dem Ziel, antijüdische Tendenzen in Großbritannien und den USA zu fördern. Die Auslandsvertretungen sollen in großem Umfang Presse- und Rundfunkmaterial sammeln, das sich auf "das Verhalten des Judentums in dem betreffenden Lande" oder auf "antijüdische Regungen" bezieht. Es ist geplant, ein umfassendes zentrales Archiv "über alle Probleme der Judenfrage" anzulegen.

Gesandter Six spricht über die "politische Struktur des Weltjudentums". "Der eigentliche Kraftquell des Judentums in Europa und Amerika sei das Ostjudentum. (...) Die physische Beseitigung des Ostjudentums entziehe dem Judentum die biologischen Reserven. Seine heutige Struktur sei durch seine Vereinigung mit den drei Großmächten gekennzeichnet. (...) Nicht nur in Deutschland, sondern auch international müsse die Judenfrage zu einer Lösung gebracht werden."

Der "Judenreferent" des Auswärtigen Amtes, von Thadden, spricht über "die judenpolitische Lage in Europa und den Stand der antijüdischen Exekutiv-Maßnahmen". Er gibt einen so konkreten und detaillierten Überblick, daß diese Ausführungen nicht in das schriftliche Tagungsprotokoll aufgenommen werden.

Den deutschen Auslandsvertretungen stellt von Thadden folgende Aufgaben:

1. "Unterdrückung jeder, auch antijüdisch getarnten Propaganda, die geeignet ist, die deutschen Exekutiv-Maßnahmen zu hemmen oder zu behindern."

2. "Vorbereitung des Verständnisses in allen Völkern für Exekutiv-Maßnahmen gegen das Judentum."

3. "Laufende Berichterstattung über die Möglichkeit, auf diplomatischen Wegen verschärfte Maßnahmen gegen das Judentum in den einzelnen Ländern zur Durchführung zu bringen."

4. "Laufende Berichterstattung über Anzeichen für Gegenaktionen des Weltjudentums, damit rechtzeitig Gegenminen gelegt werden können." (IMT, PS-3319)

04.04.1944

Italien/Auschwitz

Aus Triest werden 132 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert, von denen 29 als Häftlinge übernommen werden. Die anderen 103 Menschen werden in den Gaskammern getötet. Aus einem weiteren Transport aus Triest und Istrien werden 53 jüdische Frauen ins Lager eingewiesen. (Czech, S. 748)

Ungarn

Konferenz im ungarischen Innenministerium über die geplante "Konzentration" der Juden (zum Zweck der Deportation). Der Innenminister ordnet als vorbereitende Maßnahme die Registrierung aller Juden an.

05.04.1944

Niederlande

Transporte aus dem Lager Westerbork mit 101 jüdischen Menschen nach Bergen-Belsen, mit 289 Menschen nach Theresienstadt und mit 240 Menschen nach Auschwitz.

Auschwitz

Der Chef des SS-Wirtschaftsamts (WVHA), Pohl, legt Himmler in Beantwortung einer Anfrage über die Sicherungsmaßnahmen für das KL Auschwitz einen Bericht vor. Darin gibt er die Zahl der Gefangenen mit 46.000 Männern und 21.000 Frauen, insgesamt 67.000, an.

Was die Frage der Gefährdung Oberschlesiens durch einen etwaigen Aufstand oder einen Ausbruch angehe, so müsse man praktisch - da sich 15.000 Häftlinge in den räumlich weit voneinander entfernt liegenden Nebenlagern befänden und 18.000 Häftlinge krank oder invalide seien - mit einer Zahl von 34.000 Häftlingen rechnen. Diese könnten für Auschwitz im Falle eines Aufstandes dann eine Gefährdung bedeuten, wenn die Sicherungsmaßnahmen ungenügend seien.

Zur Bewachung seien 2.300 SS-Angehörige vorhanden, außerdem 650 Mann Wachmannschaften für die Außenlager. Zusätzlich werde ab Mitte des Monats eine 130 Mann starke Polizeikompanie eingesetzt.

Im Fall eines Aufstandes würde als weitere Sicherung von der Wehrmacht ein äußerer Ring gebildet. In diesen Ring wären auch das Nebenlager Monowitz und das gesamte Werksgelände der IG Farbenwerke einbezogen. Außerdem stünden die in Auschwitz liegenden Luftwaffeneinheiten in Stärke von 1.000 Mann zur Verfügung. (Czech, S. 750)

06.04.1944

Rumänien

Aufzeichnung von Thaddens, Auswärtiges Amt (Gruppe Inland II).

"Die rumänische Regierung hat sich vor einiger Zeit bereit erklärt, einer Gruppe von 7.000 rumänischen Juden, überwiegend Kindern, die Ausreise zu gestatten. Die von deutscher Seite hiergegen erhobenen Vorstellungen hatten keine Wirkung."

Das Internationale Rote Kreuz habe sich in letzter Zeit stark mit der Angelegenheit befaßt. Kürzlich habe das IRK freies Geleit für zwei unter bulgarischer und türkischer Flagge fahrenden Dampfer beantragt.

"Gruppe Inland II ist der Ansicht, daß im Falle einer Genehmigung der Transporte durch Zusagen von Freigeleit das gesamte Problem der Auswanderung rumänischer und bulgarischer Juden nach Palästina in Fluß gebracht würde, denn die bulgarische Regierung hat der Ausreise bulgarischer Juden an sich bereits zugestimmt, diese aber aus transporttechnischen Gründen bisher immer wieder zu verhindern gewußt. In Rumänien würde sich eine Begrenzung auf die ursprünglich vorgesehenen 7.000 Juden bei geeigneter Transportlage keinesfalls aufrechterhalten lassen."

Gruppe Inland II schlägt daher vor, gegenüber dem IRK und der türkischen Regierung zu argumentieren, daß Palästina als arabisches Land angesehen werde und daher eine Unterstützung jüdischer Einwanderung dorthin nicht in Frage komme. (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 320)

07.04.1944

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 240 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 67 Frauen und 52 Männer werden als Häftlinge registriert, die anderen 111 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Belgien

Ankunft eines Transport mit 625 jüdischen Menschen aus Malines in Auschwitz. 146 Frauen und 206 Männer werden in das Lager übernommen; 273 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 751)

Auschwitz

Die slowakischen Juden Alfred Wetzler und Walter Rosenberg (Rudolf Vrba) können aus dem KL Auschwitz fliehen. Es gelingt ihnen, sich zu Fuß in die Slowakei durchzuschlagen. Am 25. April 1944 können sie Verbindung zu dortigen jüdischen Vertretern aufnehmen. Sie bringen den ersten umfassenden Zeugenbericht über die Vorgänge und Zustände in Auschwitz mit. Ihr Bericht wird etwas später von den Ende Mai aus Auschwitz  geflüchteten Häftlingen Mordowicz und Rosin bestätigt. Der vollständige Text des Berichts wird im November 1944 vom War Refugee Board in Washington veröffentlicht.

Ungarn

Innenminister Baky ordnet die "Konzentration" der Juden in einzelnen Städten und Zentren an. Die Aktion beginnt am 16. April in Karpatho-Ruthenien, dem von Ungarn besetzten Ostteil der früheren Tschechoslowakei, beginnen.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

02. - 04.04.1944

Ungarn

Erste amerikanisch-britische Luftangriffe auf Budapest.

Eichmann verlangt vom Judenrat, innerhalb von 24 Stunden 500 Wohnungen für Bombenopfer zur Verfügung zu stellen. Am 5. April werden als "Vergeltung" für die Angriffe am Nachmittag des Vortags weitere 1.000 Wohnungen gefordert.