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25.06.1944
Ungarn
Papst Pius XII appelliert zugunsten der Juden an Horthy.
26.06.1944
Ungarn
Sitzung des Kronrats. Staatschef Horthy kündigt an, sich den Deportationen künftig zu widersetzen. Falls die Deutschen auf Fortsetzung der Maßnahmen gegen die Juden bestehen, müßten sie diese künftig ausschließlich mit eigenen Kräften, ohne Beteiligung der ungarischen Gendarmerie, durchführen. Horthy fordert, Baky und Endre - die treibenden Kräfte der antijüdischen Politik im Innenministerium - abzulösen. (Braham, Politics of Genocide II, S. 755-756)
27.06.1944
Ungarn
Sitzung des Ministerrats.
Arnothy-Jungerth vom Außenministerium berichtet über neue amerikanische Warnungen und über das Angebot des schwedischen Roten Kreuzes für 3-400 Juden (mit Verwandten oder geschäftlichen Beziehungen in Schweden), über die Bitte der Schweiz, 7.000 Juden nach Palästina auswandern zu lassen, und über das Angebot des amerikanischen War Refugee Board, den Juden in den Ghettos und Lagern zu helfen.
Der Ministerrat billigt mehrheitlich die schwedischen und Schweizer Vorschläge, lehnt aber das Angebot des War Refugee Board ab. (Braham, Politics of Genocide II, S. 756)
Ungarn/Großbritannien
Der "Manchester Guardian" berichtet unter der Überschrift "Massacre begins"
, daß die Deutschen schon 100.000 ungarische Juden ermordet hätten.
28.06.1944
Generalgouvernement
Befehl des SS- und Polizeichefs des GG.
"Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Monaten im Generalgouvernement derart verschlechtert, daß nunmehr mit radikalsten Mitteln und allerschärfsten Maßnahmen gegen fremdvölkische Attentäter und Saboteure durchgegriffen werden muß."
Himmler habe mit Zustimmung von Generalgouverneur Frank angeordnet, bei Attentaten auf Deutsche oder auf "lebenswichtige Einrichtungen"
nicht nur die gefaßten Täter zu erschießen, sondern außerdem alle Männer "der Sippe"
ebenfalls hinzurichten und die weiblichen Angehörigen über 16 Jahren in Konzentrationslager einzuweisen.
"Mit diesem Verfahren ist beabsichtigt, eine Gesamthaftung durch alle Männer und Frauen der Sippe des Täters sicherzustellen. Es wird damit ferner der Lebenskreis des politischen Verbrechers auf das empfindlichste getroffen. Diese Praxis hat beispielsweise schon Ende 1939 in den neuen Ostgebieten, insbesondere im Warthegau, die besten Erfolge gezeitigt." (IMT, L-037)
28. - 30.06.1944
RK Ostland
Beim Herannahen der sowjetischen Armee erschießen die Deutschen im Lager Maly Trostenez nahe Minsk 6.500 Menschen aus Minsker Lagern und Gefängnissen.
Insgesamt wurden in Maly Trostenez etwa 65.000 Juden aus Deutschland, Österreich, dem Protektorat Böhmen-Mähren, Luxemburg und den Niederlanden sowie aus dem Ghetto von Minsk ermordet.
Am 3. Juli 1944 erreichten sowjetische Truppen das Gebiet das Lagers. (EdH, S. 921-922)
30.06.1944
Ungarn
Der sogenannte Musterzug mit annähernd 1.700 Menschen fährt aus Budapest ab. Er kommt am 8. Juli im Lager Bergen-Belsen an; die Insassen werden in einem "Bevorzugtenlager"
mit relativ besserer Behandlung untergebracht.
Der "Musterzug"
war ein Einfall Eichmanns im Rahmen des vorgeschlagenen Tauschgeschäfts Juden gegen LKWs. Damit sollte die Ernsthaftigkeit des deutschen Vorschlags demonstriert werden. Eichmann hatte Reszö Kasztner, einem führenden Vertreter der Budapester Juden, gestattet, die Insassen dieses Zuges - denen Ausreise ins neutrale Ausland versprochen wurde - selbst zusammenzustellen. So fuhren viele Angehörige und Freunde Kasztners mit diesem Zug - und konnten später tatsächlich Deutschland verlassen.
König Gustav V von Schweden richtet einen Appell zugunsten der Juden an Horthy.
Veesenmayer teilt dem Auswärtigen Amt mit, daß bisher insgesamt 381.661 Menschen aus Ungarn abtransportiert wurden. Der Beginn der Deportationen aus Budapest mußte wegen der Einwände Horthys um zehn Tage verschoben werden. (Braham, Destruction I, Nr. 182 und Nr. 183)
RSHA-Chef Kaltenbrunner an den Bürgermeister der Stadt Wien, Blaschke.
Aufgrund der Bitte Blaschkes um Zwangsarbeiter wurden zunächst vier Züge mit etwa 12.000 Menschen nach Wien bzw. zum KL Strasshof geschickt. (s. 14.6.44)
"Nach den bisherigen Erfahrungen werden bei diesen Transporten schätzungsweite etwa 30% (...) an arbeitsfähigen Juden anfallen, die unter Vorbehalt ihres jederzeitigen Abzuges zu den in Rede stehenden Arbeiten herangezogen werden können. Daß nur ein gut bewachter, geschlossener Arbeitseinsatz und eine gesicherte lagermäßige Unterbringung in Betracht kommen kann, liegt auf der Hand und ist unbedingte Voraussetzung für die Bereitstellung dieser Juden. Die nichtarbeitsfähigen Frauen und Kinder dieser Juden, die sämtlich für eine Sonderaktion bereitgehalten und deshalb eines Tages wieder abgezogen werden, müssen auch tagsüber in dem bewachten Lager verbleiben." (IMT, PS-3803)
Griechenland/Auschwitz
Ein Deportationszug mit 2.044 Menschen aus Athen und Korfu kommt in Auschwitz an. 175 Frauen und 446 Männer werden als Häftlinge übernommen. 1.423 Menschen werden in den Gaskammern getötet.
Italien
Aus dem Lager Fossoli werden annähernd 1.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 180 Männer und 51 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 809)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
26.06.1944 Weltkrieg/
UdSSR
Sowjetische Truppen befreien Witebsk (Weißrußland). In der Stadt, wo vor dem Krieg 50.000 Juden lebten, gibt es keine jüdischen Überlebenden mehr. (EdH, S. 1609)
27.06.1944
Mit der Einnahme von Cherbourg gewinnen die Allierten einen ersten Hafen.
28.06.1944
Mogiljow (Weißrußland) wird von sowjetischen Truppen befreit. In der Stadt, in der vor dem Krieg mehr als 16.000 Juden gelebt hatten, gibt es keine jüdischen Überlebenden mehr. (EdH, S. 959-960)