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16.01.1942

Wartheland

Beginn der Deportationen aus dem Ghetto von Lodz ins Vernichtungslager Chelmno. Bis Ende Mai werden 55.000 Ghettobewohner in Chelmno ermordet. Unter den Opfern befinden sich annähernd 20.000 deportierte Juden aus dem Deutschen Reich.

17.01.1942

Belgien

Juden wird das Verlassen des Landes verboten. (EdH, S. 170)

19.01.1942

Auschwitz

Im Konzentrationslager Auschwitz befinden sich 11.703 Häftlinge, darunter 1.510 sowjetische Kriegsgefangene. (Czech, S. 166)

20.01.1942

"Wannsee-Konferenz"

Treffen Heydrichs (als dem durch Göring "Beauftragten für die Vorbereitung der Endlösung der europäischen Judenfrage") mit Vertretern der beteiligten Ministerien in einer von der Gestapo beschlagnahmten Villa am Berliner Wannsee.

Aus dem Vortrag Heydrichs: In der Vergangenheit sei "als einzige vorläufige Lösungsmöglichkeit die Beschleunigung der Auswanderung der Juden aus dem Reichsgebiet verstärkt und planmäßig in Angriff genommen" worden. "Über die Nachteile, die eine solche Auswanderungsforcierung mit sich brachte, waren sich alle Stellen im klaren. Sie mußten jedoch angesichts des Fehlens anderer Lösungsmöglichkeiten vorerst in Kauf genommen werden."

Seit dem 30. Januar 1933 bis zum 31. Oktober 1941 seien rund 537.000 Juden zur Auswanderung veranlaßt worden: 360.000 aus dem Altreich, 147.000 aus Österreich und 30.000 aus dem Protektorat Böhmen und Mähren.

"Inzwischen hat der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei (Himmler) im Hinblick auf die Gefahren einer Auswanderung im Kriege und im Hinblick auf die Möglichkeiten des Ostens die Auswanderung von Juden verboten. Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten.

Diese Aktionen sind jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen, doch werden hier bereits jene praktischen Erfahrungen gesammelt, die im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage von wichtiger Bedeutung sind.

Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht, die sich wie folgt auf die einzelnen Länder verteilen:

Altreich 131.800. Ostmark (Österreich) 43.700. Ostgebiete (Wartheland, Ostoberschlesien, Südostpreußen) 420.000. Generalgouvernement 2.284.000. Bialystok 400.000. Protektorat (der Westteil der ehem. Tschechoslowakei) 74.200. Estland judenfrei. Lettland 3.500. Litauen 34.000. Belgien 43.000. Dänemark 5.600. Frankreich/Besetztes Gebiet 165.000. /Unbesetztes Gebiet 700.000
Griechenland 69.600. Niederlande 160.800. Norwegen 1.300. Bulgarien 48.000. England 330.000. Finnland 2.300. Irland 4.000. Italien 58.000.
Albanien 200. Kroatien 40.000. Portugal 3.000. Rumänien einschl. Bessarabien 342.000. Schweden 8.000. Schweiz 18.000. Serbien 10.000. Slowakei 88.000. Spanien 6.000. Türkei (europ. Teil) 55.500. Ungarn 742.800. UdSSR 5.000.000. Ukraine 2.994.684. Weißrußland ausschließl. Bialystok 446.484."

"Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesen zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaus anzusprechen ist. (Siehe die Erfahrung der Geschichte)

Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchgekämmt. Das Reichsgebiet einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren wird, allein schon aus Gründen der Wohnungsfrage und sonstigen sozial-politischen Notwendigkeiten, vorweggenommen werden müssen.

Die evakuierten Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangsghettos verbracht, um von dort aus weiter nach dem Osten transportiert zu werden."

"Bezüglich der Frage der Auswirkung der Judenevakuierung auf das Wirtschaftsleben erklärte Staatssekretär Neumann, daß die in kriegswichtigen Betrieben im Arbeitseinsatz stehenden Juden derzeit, solange noch kein Ersatz zur Verfügung steht, nicht evakuiert werden könnten.

SS-Obergruppenführer Heydrich wies darauf hin, daß diese Juden nach den von ihm genehmigten Richtlinien zur Durchführung der derzeit laufenden Evakuierungsaktionen ohnedies nicht evakuiert würden.

Staatssekretär Dr. Bühler stellte fest, daß das Generalgouvernement es begrüßen würde, wenn mit der Endlösung dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde, weil einmal hier das Transportproblem keine übergeordnete Rolle spielt und arbeitseinsatzmäßige Gründe den Lauf dieser Aktion nicht behindern würden. Juden müßten so schnell wie möglich aus dem Gebiet des Generalgouvernements entfernt werden, weil gerade hier der Jude als Seuchenträger eine eminente Gefahr bedeutet und er zum anderen durch fortgesetzten Schleichhandel die wirtschaftliche Struktur des Landes dauernd in Unordnung bringt. Von den in Frage kommenden 2,5  Millionen Juden sei überdies die Mehrzahl der Fälle arbeitsunfähig." (ADAP, Serie E, Bd. I, Nr. 150)

21.01.1942

Ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen geht aus Leipzig nach Riga ab.

21. - 23.01.1942

Ungarn/Jugoslawien

In der von Ungarn besetzten Wojwodina (Nordjugoslawien) führen örtliche ungarische Militärs und Behörden eine Polizeiaktion zur "Säuberung von unzuverlässigen fremdländischen Elementen" durch. Etwa 1.500 Menschen, darunter 900 Juden und mehrere hundert Serben, werden ermordet. Regierungsstellen in Budapest stoppen das Massaker. Gegen mehrere verantwortliche Offiziere wird Anklage erhoben. Sie entweichen nach Deutschland und erhalten dort Asyl.

23.01.1942

Die Erteilung von Privatunterricht an jüdische Kinder ist nur noch in Ausnahmefällen mit besonderer Genehmigung gestattet. (Walk, S. 363)

Hitlers "Tischgespräche"

"Man muß radikal handeln. Wenn man einen Zahn zieht, tut man es mit einem Zug, und der Schmerz ist schnell vorbei. Die Juden müssen aus Europa heraus. Sonst gibt es keine Verständigung zwischen den Europäern."
"Ich für meinen Teil beschränke mich darauf, ihnen zu sagen, sie müssen weggehen. Wenn sie auf der Reise die Rippen brechen, kann ich nichts machen. Aber wenn sie sich weigern, freiwillig zu gehen, sehe ich keinen anderen Weg als die Ausrottung. Warum soll ich einen Juden mit anderen Augen ansehen wie einen russischen Kriegsgefangenen? Viele sterben in den Gefangenenlagern. Das ist nicht meine Schuld. Ich habe weder den Krieg noch die Kriegsgefangenenlager gewollt. Warum hat der Jude den Krieg provoziert?" (Hitlers Table Talk, S. 235)