CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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26.10.1943

RK Ostland

Aus dem Ghetto von Kowno/Kaunas (Litauen) werden 2.800 Menschen in Arbeitslager in Estland abtransportiert. Zuvor waren bereits 4.000 Menschen in Arbeitslager am Rand von Kowno geschickt worden. (EdH, S. 805-806)

Der Chef des WVHA, Pohl, richtet ein geheimes Schreiben, das die Erhöhung der Arbeitsproduktivität der Häftlinge betrifft, an eine Reihe von KL-Kommandanten, u.a. in Auschwitz, Lublin, Warschau, Kauen, Groß-Rosen, Mauthausen.

Die Konzentrationslager seien im Laufe der letzten zwei Jahre zu einem Faktor von kriegsentscheidender Bedeutung geworden. Nunmehr müsse mit aller Kraft dafür gesorgt werden, daß die bisherigen Leistungen nicht nur beibehalten, sondern weiterhin dauernd gesteigert würden. Die Maßnahmen (...) sollten sich vor allem auf die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Gefangenen richten. Erstes Ziel sei die Verringerung der Zahl der aus Krankheitsgründen arbeitsunfähigen Häftlinge auf ein Zehntel. Hierfür seien unabdingbar:

  1. angemessene und zweckentsprechende Ernährung,
  2. angemessene und zweckentsprechende Kleidung,
  3. die Ausnutzung aller natürlichen gesundheitsfördernden Mittel,
  4. die Vermeidung aller überflüssigen, für die Arbeitsleistung unnötigen Anstrengungen,
  5. die Anwendung von Leistungsprämien. (Czech, S. 639-640)

28.10.1943

Wartheland/Auschwitz

Aus dem Arbeitslager in Pabianice (südlich von Lodz) werden 348 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 72 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 276 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 641)

Italien

Telegramm des Botschafters beim Vatikan, von Weizsäcker, an das Auswärtige Amt.

"Der Papst hat sich, obwohl dem Vernehmen nach von verschiedenen Seiten bestürmt, zu keiner demonstrativen Äußerung gegen den Abtransport der Juden aus Rom hinreißen lassen. Obgleich er damit rechnen muß, daß ihm diese Haltung von Seiten unserer Gegner nachgetragen und von den protestantischen Kreisen in den angelsächsischen Ländern zu propagandistischen Zwecken gegen den Katholizismus ausgewertet wird, hat er auch in dieser heiklen Frage alles getan, um das Verhältnis zu der deutschen Regierung und den in Rom befindlichen deutschen Stellen nicht zu belasten.

Da hier in Rom weitere deutsche Aktionen in der Judenfrage nicht mehr durchzuführen sein dürften, kann also damit gerechnet werden, daß diese für das deutsch-vatikanische Verhältnis unangenehme Frage liquidiert ist." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 66)

30.10.1943

Frankreich/Auschwitz

Ankunft eines Zuges mit 1.000 Juden aus dem Lager Drancy in Auschwitz. 284 Männer und 103 Frauen werden als Häftlinge übernommen, die anderen 613 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 642)

Ende Oktober 1943

RK Ukraine

Die wenigen noch in Berditschew (Ukraine) lebenden Juden werden von den Deutschen ermordet. Vor dem Krieg hatten dort etwa 30.000 Juden gelebt, fast die Hälfte der Stadtbevölkerung. (EdH, S. 185)

RK Ostland

Die letzten überlebenden Juden von Daugavpils/Dwinsk (Lettland), einige hundert Menschen, werden in das Konzentrationslager Kaiserwald abtransportiert.

Bei der Befreiung der Stadt durch die sowjetische Armee im Juli 1944 fanden sich in Dwinsk nur noch 20 Juden. Vor dem Krieg hatten dort mehr als 11.000 jüdische Menschen gelebt. (EdH, S. 376)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

25.10.1943

UdSSR

Sowjetische Truppen befreien Dnjepropetrowsk. Vor dem Krieg hatten in dieser Stadt 20.000 Juden gelebt; jetzt befinden sich dort nur noch 15 Überlebende.