CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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24.05.1944

Rede Himmlers vor Wehrmachtsgeneralen in Sonthofen

Die Judenfrage sei kompromißlos gelöst worden. "Zur Zeit allerdings (...) führen wir zunächst 100.000, später noch einmal 100.000 männlicher Juden aus Ungarn in Konzentrationslager ein, mit denen wir unterirdische Fabriken bauen. Von denen aber kommt nicht einer irgendwie in das Gesichtsfeld des deutschen Volkes.

Eine Überzeugung aber habe ich, ich würde für die im Osten des Generalgouvernements aufgebaute Front schwarz sehen, wenn wir dort die Judenfrage nicht gelöst hätten, wenn also das Ghetto in Lublin noch bestünde und das Riesenghetto mit 500.000 Menschen in Warschau, dessen Bereinigung, meine Herren, uns im vorigen Jahr fünf Wochen Straßenkampf gekostet hat mit Panzerwagen und mit allen Waffen." (Geheimreden, S. 203)

Auschwitz

Aus dem KL Auschwitz werden 82 Zigeuner in das KL Flossenbürg und 144 Zigeunerinnen in das KL Ravensbrück überstellt. Alle sind zwischen 17 und 25 Jahren.

RK Ostland

490 Gefangene (vermutlich während der Anti-Partisanen-Aktionen von den Deutschen festgenommene Zivilisten) werden aus Minsk nach Auschwitz überstellt. (Czech, S. 782-783)

Palästina

Die Abgesandten der palästinensischen Zionisten kehren nach ihren Gesprächen mit Brand und Grosz in Istanbul (s. 17.5.44) nach Palästina zurück und erstatten Bericht. Moshe Shertok, der Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, und Ben Gurion setzen sich im Führungsgremium der Jewish Agency dafür ein, die britische Mandatsverwaltung offiziell von allem zu unterrichten, da Verhandlungen - wenn überhaupt - ohnehin von der britischen und amerikanischen Regierung geführt werden müßten. (Bauer, Freikauf, S. 272-274)

25.05.1944

Ungarn

Von Thadden, Auswärtiges Amts (Abt. II Inland), aus Budapest an Wagner, ebenfalls AA.

Bis zum 24. Mai wurden 116.000 Juden abtransportiert. Weitere rund 200.000 sind schon "konzentriert" worden und sollen demnächst gleichfalls deportiert werden.

"Insgesamt glaubt man rund 1.000.000 Juden (evtl. sogar etwas mehr) zu erfassen, von denen etwa 1/3 arbeitsfähig sein dürfte und von Sauckel, der OT (Organisation Todt) usw. in Oberschlesien in Empfang genommen wird. Lediglich etwa 80.000 arbeitsfähige Juden sollen unter Bewachung der Honved (der ungarischen Armee) in Ungarn zurückbleiben, um in der ungarischen Rüstungsindustrie beschäftigt zu werden. Die gesamte Aktion soll etwa Ende Juli abgeschlossen sein (einschließlich Abtransport)." (Braham, Destruction I, Nr. 164)

26.05.1944

Ungarn

Bericht von Thaddens, Auswärtiges Amt, über seinen Besuch in Budapest.

Im ganzen Land mit Ausnahme von Budapest sei mit der Ghettoisierung der Juden begonnen worden; im wesentlichen seien diese Maßnahmen bereits abgeschlossen. Budapest sei durch einen Polizeikordon gesichert, um illegale Ausreisen zu verhindern.

Die Deportationen hätten unter den Juden im übrigen Ungarn, vor allem in Budapest. "erhebliche Erregung ausgelöst". Man rechne mit "gewissen Schwierigkeiten", sobald die Maßnahmen auch in den anderen Provinzen anlaufen.    

Für Budapest sei, voraussichtlich Mitte bis Ende Juli, eine eintägige Großaktion vorgesehen. Dafür sollen starke ungarische Gendarmeriekräfte zusammengezogen werden. "Der gesamte Autobus- und Straßenbahnverkehr wird für diesen Tag eingestellt werden, um alle Verkehrsmittel für den Abtransport der Juden einsetzen zu können."

Die Aussortierung der ausländischen Juden sei "an sich durch Weisungen der Zentralstelle hinreichend sichergestellt. Doch zeigen die örtlichen ungarischen Gendarmerieführer einen so extremen Eifer, daß sie ihre Ehre darein setzen, möglichst keine Ausländer melden zu müssen."
Daher sei zur Vermeidung außenpolitischer Schwierigkeiten eine Beteiligung des Auswärtigen Amts weiter erforderlich. (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 39)

Palästina

Ben Gurion und Shertok berichten dem britischen Hochkommissar für Palästina, Sir Harold MacMichael, über den von Brand und Grosz mitgeteilten "Eichmann-Vorschlag". MacMichael leitet einen genauen Bericht nach London weiter. Gleichfalls am 26. Mai nehmen die türkischen Behörden Brand in Abschiebehaft; die Abschiebung soll am 29. Mai erfolgen.

27.05.1944

Ungarn

Memorandum Schmidts, Leiter der Informations- und Presseabteilung des Auswärtigen Amtes.

Die geplante Großaktion gegen die Budapester Juden werde im Ausland starke Beachtung finden und heftige Reaktionen hervorrufen. "Ich möchte deshalb anregen, ob man diesen Dingen nicht vorbeugen sollte dadurch, daß man äußere Anlässe und Begründungen für die Aktion schafft, z.B. Sprengstofffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen, Sabotageorganisationen, Umsturzpläne, Überfälle auf Polizisten, Devisenschiebungen großen Stils mit dem Ziele der Untergrabung des ungarischen Währungsgefüges. Der Schlußstein unter eine solche Aktion müßte ein besonders krasser Fall sein, an dem man dann die Großrazzia aufhängt."

Schmidts Vorschlag wurde an Veesenmayer zur Stellungnahme weitergeleitet. Dieser antwortete am 8. Juni, er glaube nicht, daß die Weltmeinung über die geplanten antijüdischen Maßnahmen in Budapest sehr geschockt sein werde, da auch die bisherigen Deportationen wenig Aufmerksamkeit außerhalb Ungarns gefunden hätten. Außerdem würden die von Schmidt vorgeschlagenen Vorwände angesichts der scharfen Überwachungsmaßnahmen gegen die Juden unglaubwürdig klingen. (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 42)

30.05.1944

Ungarn

Juden wird der Besuch von Hotels, Restaurants und Vergnügungsstätten verboten. Sie werden aus der Druckbranche verbannt. Jüdische Geschäfts- und Handelsunternehmen werden geschlossen.

Großbritannien

Sitzung im Flüchtlingsausschuß des britischen Kriegskabinetts. Man ist sich einig, daß der von Brand und Grosz übermittelte "Eichmann-Vorschlag" als politische Kriegführung und Erpressungsversuch zu werten sei. Wenn die Deutschen tatsächlich etwas Ernsthaftes anzubieten hätten, könnten sie dies durch Vermittlung der Schweiz tun können, die die diplomatischen Interessen Großbritanniens den Deutschen gegenüber vertrat. Am 1. Mai lehnt auch das britische Kriegskabinett Verhandlungen über den "Eichmann-Vorschlag" ab, da er nur dazu gedacht sei, die Kriegsanstrengungen der Alliierten zu stören.

31.05.1944

Großbritannien/Palästina

In einer scheinbaren Kehrtwendung erklären die britischen Behörden sich bereit, Brand und Grosz die Einreise auf britisch kontrolliertes Gebiet zu gestatten. Grosz reist am 1. Juni von Istanbul nach Syrien und wird dort sofort von den britischen Stellen verhaftet. Das gleiche geschieht mit Brand, der am 6. Juni über Syrien nach Palästina zu reisen versucht.