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August 1940

Slowakien

Dieter Wisliceny wird zum "Judenberater" der deutschen Botschaft in Bratislava ernannt.

Generalgouvernement

Beginn von Deportationen aus Radom.

Etwa 2.000 junge jüdische Männer und Frauen wurden in Arbeitslager im Distrikt Lublin gebracht, wo fast alle ermordet wurden oder ums Leben kamen. Hunderte anderer wurden zu einer Reihe kleiner, in der Nähe von Radom errichteter Arbeitslager verschleppt.

In Czestochowa (Tschenstochau) in Südwestpolen werden 1.000 junge Juden festgenommen und in Zwangsarbeitslager abtransportiert; nur sehr wenige überlebten.

08.08.1940

Der Hauptschriftleiter des SS-Organs "Das Schwarze Korps" schreibt in einem Leitartikel: "So wie für Deutschland selbst die Judenfrage erst gelöst ist, sobald der letzte Jude ausgetrieben wurde, so mag auch das übrige Europa wissen, daß der deutsche Friede, der seiner harrt, ein Friede ohne Juden sein muß." (IMT, PS-2668)

09.08.1940

Rumänien

Das "Juden-Statut" wird verabschiedet. Die  Staatsbürgerschaft der meisten rumänischen Juden wird dadurch entzogen. Juden werden vom Militärdienst, von freien Berufen und Bereichen der Öffentlichkeit ausgeschlossen; "Mischehen" werden verboten. Schon am 9. Juli 1940 hatte ein Dekret den Ausschluß der Juden aus den öffentlichen Ämtern bestimmt. Ausnahmen sind u.a. vorgesehen für Personen, die schon vor dem 30.12.18 eingebürgert wurden, sowie für Teilnehmer des 1. Weltkriegs, deren Ehefrauen und Kinder.

15.08.1940

Memorandum Theo Danneckers (RSHA) zum "Madagaskar Projekt"

Mit der Errichtung des Generalgouvernements und der Eingliederung der "neuen deutschen Ostgaue" seien große Massen von Juden direkt in den deutschen Machtbereich gekommen. Somit sei "eine Bereinigung des Judenproblems durch Auswanderung unmöglich geworden".

Im deutschen Machtbereich gebe es etwa vier Millionen Juden. Es wird empfohlen, diese vier Millionen in Madagaskar "anzusetzen". "Zur Vermeidung dauernder Berührung anderer Völker mit Juden ist eine Überseelösung insularen Charakters jeder anderen vorzuziehen."

"Ein großzügiges Arbeitsprogramm (in Madagaskar) zum Ausbau der Verkehrswege würde auf Jahre hinaus Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Die örtliche Leitung des Territoriums müßte bemüht sein, die Wirtschaft dieses Landes autark zu gestalten, damit Verbindungen zwischen den Juden und der übrigen Welt im Rahmen des internationalen Handels ausgeschlossen werden. Wo dies im Anfang nicht erreicht werden kann, sind deutsche Treuhandgesellschaften zur Lösung dieser Probleme anzusetzen."

"Jeder Versuch jüdischer Eigenstaatlichkeit muß (...) von vornherein ausgeschaltet werden. Gleichzeitig ist es notwendig, allen etwaigen Einspruchsversuchen, besonders seiten der USA vorzubeugen. Als staatsrechtliche Form erscheint aus diesen Gründen die Errichtung einer jüdischen Wohnstätte unter deutscher Oberhoheit gegeben. Tatsächlich müßte aber dieses Mandat im Innern als Polizeistaat aufgezogen werden."

Unter Zugrundelegung von durchschnittlich 1.500 Personen pro Schiff und einer Hin- und Rückfahrt von etwa 60 Tagen seien bei 120 Schiffen täglich zwei Transporte mit 3.000 Juden durchzuführen. Das wären in einem Jahr rund eine Million Menschen, so daß das gesamte Projekt in etwa vier Jahren durchführbar wäre. Da die deutsche Handelsflotte nach dem Krieg anderweitig stark beansprucht sein werde, müsse in einen Friedensvertrag aufgenommen werden, daß Frankreich und Großbritannien den notwendigen Schiffsraum für das Projekt zur Verfügung stellen. Die Finanzierung der Transporte müßte den Juden der USA und Großbritanniens aufgebürdet werden. (Adler, S. 74-79)

20.08.1940

Frankreich

Telegramm des Vertreters des Auswärtigen Amts in Paris, Abetz, zur Vorlage bei Außenminister Ribbentrop.

"Erbitte Einverständnis antisemitischer Sofortmaßnahmen, die späterer Entfernung Juden gleichfalls aus nichtbesetztem Frankreich als Grundlage dienen können.

  1. Verbot jüdischer Rückwanderung über Demarkationslinie nach besetztem Frankreich.
  2. Meldepflicht im besetzten Gebiet ansässiger Juden.
  3. Kenntlichmachung jüdischer Geschäfte im besetzten Frankreich.
  4. Einsetzung von Treuhändern für jüdische Geschäfte, Wirtschaftsbetriebe, Lagerbestände und Warenhäuser, deren Besitzer geflohen sind.

Die genannten Maßnahmen lassen sich mit dem Interesse Sicherheit der deutschen Besatzungsmacht begründen und durch französische Behörden durchführen." (ADAP, Serie D, Bd. X, Nr. 368)

28.08.1940

Himmler ordnet folgende Einstufung der Konzentrationslager an:

  1. Stufe I: KL Dachau und KL Sachsenhausen für wenig belastete und unbedingt besserungsfähige Schutzhäftlinge sowie für Sonderfälle und Einzelhaft;
  2. Stufe Ia: KL Dachau für alle alten und noch arbeitsfähigen Häftlinge, die in der Gärtnerei und beim Anbau von Heilkräutern gebraucht werden können;
  3. Stufe II: KL Auschwitz, KL Buchenwald, KL Natzweiler, KL Flossenbürg, KL Stutthof, KL Neuengamme, KL Lublin für schwerbelastete, jedoch noch erziehungs- und besserungsfähige Schutzhäftlinge;
  4. Stufe III: KL Mauthausen-Gusen und KL Groß-Rosen für schwerbelastete Schutzhäftlinge, für Vorbestrafe und Asoziale und daher zur Erziehung nicht fähige Häftlinge. (Czech, S. 52)

29.08.1940

Auschwitz

Aus dem KL Sachsenhausen werden nach Auschwitz 100 deutsche politische, kriminelle und asoziale Häftlinge überstellt, die die Lagerfunktionen, d.h. die Posten der Blockältesten und Kapos, übernehmen sollen. (Czech, S. 52)

30.08.1940

Aktennotiz Rademachers vom Auswärtigen Amt zum "Madagaskar-Plan"

Folgende "praktische Arbeitsteilung" sei vorgesehen:

  1. "Führen der Verhandlungen mit den Feindmächten auf Grund des Friedensvertrages und mit den übrigen europäischen Staaten auf Grund von Sonderverträgen - Auswärtiges Amt.
  2. Erfassen der Juden in Europa, ihr Transport nach Madagaskar, ihre Ansiedlung dort und die zukünftige Verwaltung des Inselghettos - Reichssicherheitshauptamt.
  3. Erfassen des jüdischen Vermögens in Europa, Gründen einer intereuropäischen Bank, die dieses Vermögen treuhänderisch zu verwalten und zu verwerten, sowie die Finanzierung des Ansiedlungsunternehmens durchzuführen hat - Dienststelle Vierjahresplan, Staatsrat Wohltat.
  4. Das propagandistische Vorbereiten und Sichern dieses Planes gegen eine eventuelle Hetzwelle aus den USA:
    a) für den Bereich des Inlandes das Propagandaministerium, Oberregierungsrat Dr. Taubert mit seiner 'Antisemitischen Aktion',
    b) für den Bereich des Auslandes die Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes." (Aly/Heim, Vordenker, S. 260-261)

Anordnung des Reichsinnenministers an die Länder und an die preußischen Provinzen

Alle in Heil- und Pflegeanstalten lebenden Juden - jedoch nicht "Mischlinge" - sollen jeweils länderweise in einer einzigen Anstalt zusammengezogen werden. Von dort aus sollten sie dann Anfang Oktober 1940 in eine Sammelanstalt im Generalgouvernement gebracht werden - möglicherweise Chelm im Distrikt Lublin. Dort war eine Anstalt im Januar 1940 zwangsweise geräumt worden, wobei die 440 Patienten von der Gestapo erschossen wurden.

Rumänien/Ungarn

Zweiter "Wiener Schiedspruch" durch Deutschland und Italien im ungarisch-rumänischen Grenzstreit. Rumänien muß Nord-Transsylvanien (Nordwest-Siebenbürgen) an Ungarn abtreten. Im Zusammenhang damit bringt sich General Antonescu in Bukarest durch einen Staatsstreich an die Macht. Nach dem Thronverzicht des Königs Anfang September 1940 werden die faschistischen "Legionäre" an Antonescus  Militärregierung beteiligt, aus der sie aber Ende Januar 1941 wieder entfernt werden.

31.08.1940

Generalgouvernement

Die Verantwortung für die Organisierung und Finanzierung des jüdischen Schulwesens (Volks-, Fach- und Berufsschulen) wird vollständig auf die Judenräte übertragen.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

05.08.1940

Erste Aufmarschstudie Ost für einen Feldzug gegen die UdSSR.

13.08.1940

Beginn des verschärften deutschen Luftkriegs gegen Großbritannien mit dem Ziel, die Luftherrschaft als Voraussetzung für die "Operation Seelöwe", d.h. ein Landeunternehmen an der englischen Küste,  zu erkämpfen.

25. - 26.08.1940

Erster britischer Luftangriff auf Berlin.

26.08.1940

Hitler ordnet an, Vorbereitungen zur Besetzung des rumänischen Erdölgebiets zu treffen. Zehn Wehrmachtsdivisionen sollen zur Vorbereitung eines Aufmarsches gegen die UdSSR ins Generalgouvernement verlegt werden.