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März-April 1944

Griechenland

Über 6.000 griechische Juden aus Athen und anderen Teilen des Festlands werden nach Auschwitz deportiert. Anschließend nehmen die Deutschen die Juden auf allen größeren Inseln fest und transportieren sie ab. 1.500 Menschen können mit Booten und Schiffen in die Türkei flüchten.

April 1944

Frankreich

In die Deportationen werden nun auch jüdische Menschen einbezogen, die nach dem Juli 1940 eine "Mischehe" geschlossen hatten.

02.04.1944

Griechenland/Auschwitz

Ein Transport nach Auschwitz geht aus Athen ab. Er besteht zunächst aus 1.300 in Athen Festgenommenen sowie weiteren jüdischen Menschen aus Orten in Süd- und Mittelgriechenland. Unterwegs werden weitere Gruppen angeschlossen, so in Larissa über 2.000 Menschen aus thessalischen Städten und in Saloniki mehrere hundert Menschen. Insgesamt umfaßt der Deportationszug schließlich 80 Waggons, in denen mehr als 5.000 Menschen zusammengepfercht sind.

In Wien wurden mehrere Waggons abgetrennt. Über 150 Juden mit spanischer Staatsbürgerschaft wurden ins Lager Bergen-Belsen gebracht, wo sie am 14. April ankamen und als potentielle "Austauschjuden" den Krieg überlebten. (Benz, Dimension, S. 264)

03.04.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an Ribbentrop.

Nach den Luftangriffen auf Budapest seien Flugblätter verteilt worden, in denen für jeden getöteten Ungarn das Leben von 100 Juden gefordert wird. Das sei zwar praktisch nicht durchführbar, da man dann mindestens 30.-40.000 Juden erschießen müßte, doch liege in dem Grundsatz der Vergeltung eine wirksame Propagandamöglichkeit und vielleicht auch eine abschreckende Wirkung. Er hätte keine Bedenken, "bei nächstem Angriff für jeden getöteten Ungarn zehn passende Juden erschießen zu lassen."
Er glaube, daß die ungarische Regierung bereit wäre, eine solche Maßnahme auszuführen.

"Andererseits muß eine einmal eingeleitete derartige Aktion dann auch konsequent durchgeführt werden. In Berücksichtigung der von Herrn Reichsaußenminister dem Führer nahegebrachten Vorschläge bezüglich eines Angebots aller Juden als Geschenk an Roosevelt und Churchill (darüber ist nichts genaueres bekannt) bitte ich um Unterrichtung, ob diese Idee weiter verfolgt wird, oder ob ich mit derartigen Vergeltungsmaßnahmen nach dem nächsten Angriff beginnen kann." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 316)

Griechenland

Der Sonderbevollmächtigte des Auswärtigen Amtes für den Südosten, von Graevenitz, an das AA.

In der Nacht vom 24. auf den 25. März seien von der deutschen Polizei und dem SD alle Juden - mit Ausnahme der Partner aus "Mischehen" -schlagartig , ohne vorherige Abstimmung mit seiner Dienststelle, festgenommen worden. Die Notwendigkeit der überraschenden Aktion sei mit der Erfahrung in Saloniki begründet worden, wo sich mehrere Juden der "Konzentrierung" durch Flucht entzogen hätten.

Etwas mehr als 500 nicht-griechische Juden, davon 132 spanische und  40 türkische, wurden im Konzentrationslager Haidari getrennt von den anderen Gefangenen untergebracht. Die Vertreter Spaniens, der Türkei und Ungarns seien bei ihm mehrmals zugunsten ihrer jüdischen Staatsangehörigen vorstellig geworden. Er habe alles unternommen, "um wenigstens die größten Härten auszugleichen". - Er hoffe, "daß die ohne das energische Eingreifen der Dienststelle sicher zu erwartenden Beschwerden der betroffenen Fremdstaaten ausbleiben werden." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 317)

03.- 04.04.1944

Arbeitstagung der Judenreferenten der deutschen Auslandsvertretungen in Europa.

Der Gesandte Schleier teilt in seiner Eröffnungsansprache mit, daß Hitler angeordnet habe, "in verstärktem Maße den Kampf gegen das Judentum und für die Aufklärung über dessen Rolle im gegenwärtigen Krieg aufzunehmen", besonders mit dem Ziel, antijüdische Tendenzen in Großbritannien und den USA zu fördern. Die Auslandsvertretungen sollen in großem Umfang Presse- und Rundfunkmaterial sammeln, das sich auf "das Verhalten des Judentums in dem betreffenden Lande" oder auf "antijüdische Regungen" bezieht. Es ist geplant, ein umfassendes zentrales Archiv "über alle Probleme der Judenfrage" anzulegen.

Gesandter Six spricht über die "politische Struktur des Weltjudentums". "Der eigentliche Kraftquell des Judentums in Europa und Amerika sei das Ostjudentum. (...) Die physische Beseitigung des Ostjudentums entziehe dem Judentum die biologischen Reserven. Seine heutige Struktur sei durch seine Vereinigung mit den drei Großmächten gekennzeichnet. (...) Nicht nur in Deutschland, sondern auch international müsse die Judenfrage zu einer Lösung gebracht werden."

Der "Judenreferent" des Auswärtigen Amtes, von Thadden, spricht über "die judenpolitische Lage in Europa und den Stand der antijüdischen Exekutiv-Maßnahmen". Er gibt einen so konkreten und detaillierten Überblick, daß diese Ausführungen nicht in das schriftliche Tagungsprotokoll aufgenommen werden.

Den deutschen Auslandsvertretungen stellt von Thadden folgende Aufgaben:

1. "Unterdrückung jeder, auch antijüdisch getarnten Propaganda, die geeignet ist, die deutschen Exekutiv-Maßnahmen zu hemmen oder zu behindern."

2. "Vorbereitung des Verständnisses in allen Völkern für Exekutiv-Maßnahmen gegen das Judentum."

3. "Laufende Berichterstattung über die Möglichkeit, auf diplomatischen Wegen verschärfte Maßnahmen gegen das Judentum in den einzelnen Ländern zur Durchführung zu bringen."

4. "Laufende Berichterstattung über Anzeichen für Gegenaktionen des Weltjudentums, damit rechtzeitig Gegenminen gelegt werden können." (IMT, PS-3319)

04.04.1944

Italien/Auschwitz

Aus Triest werden 132 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert, von denen 29 als Häftlinge übernommen werden. Die anderen 103 Menschen werden in den Gaskammern getötet. Aus einem weiteren Transport aus Triest und Istrien werden 53 jüdische Frauen ins Lager eingewiesen. (Czech, S. 748)

Ungarn

Konferenz im ungarischen Innenministerium über die geplante "Konzentration" der Juden (zum Zweck der Deportation). Der Innenminister ordnet als vorbereitende Maßnahme die Registrierung aller Juden an.

05.04.1944

Niederlande

Transporte aus dem Lager Westerbork mit 101 jüdischen Menschen nach Bergen-Belsen, mit 289 Menschen nach Theresienstadt und mit 240 Menschen nach Auschwitz.

Auschwitz

Der Chef des SS-Wirtschaftsamts (WVHA), Pohl, legt Himmler in Beantwortung einer Anfrage über die Sicherungsmaßnahmen für das KL Auschwitz einen Bericht vor. Darin gibt er die Zahl der Gefangenen mit 46.000 Männern und 21.000 Frauen, insgesamt 67.000, an.

Was die Frage der Gefährdung Oberschlesiens durch einen etwaigen Aufstand oder einen Ausbruch angehe, so müsse man praktisch - da sich 15.000 Häftlinge in den räumlich weit voneinander entfernt liegenden Nebenlagern befänden und 18.000 Häftlinge krank oder invalide seien - mit einer Zahl von 34.000 Häftlingen rechnen. Diese könnten für Auschwitz im Falle eines Aufstandes dann eine Gefährdung bedeuten, wenn die Sicherungsmaßnahmen ungenügend seien.

Zur Bewachung seien 2.300 SS-Angehörige vorhanden, außerdem 650 Mann Wachmannschaften für die Außenlager. Zusätzlich werde ab Mitte des Monats eine 130 Mann starke Polizeikompanie eingesetzt.

Im Fall eines Aufstandes würde als weitere Sicherung von der Wehrmacht ein äußerer Ring gebildet. In diesen Ring wären auch das Nebenlager Monowitz und das gesamte Werksgelände der IG Farbenwerke einbezogen. Außerdem stünden die in Auschwitz liegenden Luftwaffeneinheiten in Stärke von 1.000 Mann zur Verfügung. (Czech, S. 750)

06.04.1944

Rumänien

Aufzeichnung von Thaddens, Auswärtiges Amt (Gruppe Inland II).

"Die rumänische Regierung hat sich vor einiger Zeit bereit erklärt, einer Gruppe von 7.000 rumänischen Juden, überwiegend Kindern, die Ausreise zu gestatten. Die von deutscher Seite hiergegen erhobenen Vorstellungen hatten keine Wirkung."

Das Internationale Rote Kreuz habe sich in letzter Zeit stark mit der Angelegenheit befaßt. Kürzlich habe das IRK freies Geleit für zwei unter bulgarischer und türkischer Flagge fahrenden Dampfer beantragt.

"Gruppe Inland II ist der Ansicht, daß im Falle einer Genehmigung der Transporte durch Zusagen von Freigeleit das gesamte Problem der Auswanderung rumänischer und bulgarischer Juden nach Palästina in Fluß gebracht würde, denn die bulgarische Regierung hat der Ausreise bulgarischer Juden an sich bereits zugestimmt, diese aber aus transporttechnischen Gründen bisher immer wieder zu verhindern gewußt. In Rumänien würde sich eine Begrenzung auf die ursprünglich vorgesehenen 7.000 Juden bei geeigneter Transportlage keinesfalls aufrechterhalten lassen."

Gruppe Inland II schlägt daher vor, gegenüber dem IRK und der türkischen Regierung zu argumentieren, daß Palästina als arabisches Land angesehen werde und daher eine Unterstützung jüdischer Einwanderung dorthin nicht in Frage komme. (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 320)

07.04.1944

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 240 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 67 Frauen und 52 Männer werden als Häftlinge registriert, die anderen 111 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Belgien

Ankunft eines Transport mit 625 jüdischen Menschen aus Malines in Auschwitz. 146 Frauen und 206 Männer werden in das Lager übernommen; 273 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 751)

Auschwitz

Die slowakischen Juden Alfred Wetzler und Walter Rosenberg (Rudolf Vrba) können aus dem KL Auschwitz fliehen. Es gelingt ihnen, sich zu Fuß in die Slowakei durchzuschlagen. Am 25. April 1944 können sie Verbindung zu dortigen jüdischen Vertretern aufnehmen. Sie bringen den ersten umfassenden Zeugenbericht über die Vorgänge und Zustände in Auschwitz mit. Ihr Bericht wird etwas später von den Ende Mai aus Auschwitz  geflüchteten Häftlingen Mordowicz und Rosin bestätigt. Der vollständige Text des Berichts wird im November 1944 vom War Refugee Board in Washington veröffentlicht.

Ungarn

Innenminister Baky ordnet die "Konzentration" der Juden in einzelnen Städten und Zentren an. Die Aktion beginnt am 16. April in Karpatho-Ruthenien, dem von Ungarn besetzten Ostteil der früheren Tschechoslowakei, beginnen.

09.04.1944

Generalgouvernement/Auschwitz

Der erste von drei Zügen aus dem KL Majdanek bei Lublin, das vor der anrückenden sowjetischen Armee evakuiert wird, kommt in Auschwitz an.

Dieser Transport bestand bei der Abfahrt aus 2.000 Kranken, von  denen 99 während der Fahrt starben und 20 von SS-Männern erschossen wurden. Er wurde zunächst zum KL Sachsenhausen gelenkt, dort aber wegen Überfüllung nicht aufgenommen. In Auschwitz wurden die Menschen im Quarantänelager B II a untergebracht. Da der Platz nicht ausreichte, mußten viele auf der Erde liegen. 86 von ihnen starben am folgenden Tag. (Czech, S. 752 und 754)

10.04.1944

Italien/Auschwitz

935 in Mantova und Verona verhaftete italienische Juden werden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 154 Männer und 80 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen 692 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Aus einem weiteren Transport (nicht eindeutig ermittelter Herkunft) werden 151 Männer als Häftlinge in das Lager übernommen, die anderen in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 753-754)

11.04.1944

Griechenland/Auschwitz

Aus Athen werden etwa 2.500 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 328 Frauen und 320 Männer als Häftlinge registriert. Etwa 1.850 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Aus einem weiteren Transport (nicht genau festgestellter Herkunft) werden 308 Männer als Häftlinge registriert, die Anderen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 754)

14.04.1944

Generalgouvernement/Auschwitz

Aus dem KL Majdanek bei Lublin werden 1.239 Häftlinge nach Auschwitz überstellt. (Czech, S. 756)

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an Ribbentrop.

Ministerpräsident Sztójay habe versprochen, daß dem Reich bis Ende April mindestens 50.000 arbeitsfähige Juden zur Verfügung gestellt würden; weitere 50.000 im Mai. Außerdem habe Sztójay zugesagt, die Personalstärke der in Ungarn eingesetzten jüdischen Arbeitsbataillone auf 100.000 - 150.000 zu erhöhen. (Braham, Destruction I, Nr. 134)

15.04.1944

Auschwitz

884 männliche und 473 weibliche Zigeuner aus dem KL Auschwitz werden in die Konzentrationslager Buchenwald und Ravensbrück verlegt.

Nach einer "Selektion" in Birkenau werden 184 Häftlinge in den Gaskammern getötet.

Generalgouvernement

Aus dem KL Majdanek kommt ein Transport mit 988 Frauen und Kindern in Auschwitz an, die in Birkenau untergebracht werden. (Czech, S. 756-757)

16.04.1944

Generalgouvernement/Auschwitz

Aus dem KL Majdanek werden 299 jüdische Frauen und zwei Säuglinge nach Auschwitz eingeliefert. Zwei Tage später werden sie in den Gaskammern ermordet.

Frankreich

Ankunft eines Deportationszugs mit 1.500 jüdischen Menschen aus Drancy in Auschwitz. 223 Frauen und 165 Männer werden in das Lager übernommen; über 1.100 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

RK Ukraine

Aus Brest-Litowsk werden 852 bereits früher aus Preußen und Masuren deportierte Zigeuner - 445 Frauen und Mädchen, 407 Männer und Jungen - nach Auschwitz überstellt und als Häftlinge registriert. (Czech, S. 757-758)

Albanien

Der Militärbefehlhaber in Serbien meldet, daß die SS-Division "Skanderbeg" 300 Juden in Pristina (im an Albanien angegliederten Kosovo) verhaftet hat.

18.04.1944

Kroatien

Bericht des deutschen Polizeiattachés in Zagreb, Helms. Er bezieht sich auf eine Anweisung des RSHA, daß "die Judenfrage in Kroatien in schnellster Zeit bereinigt werden soll".

"Bekanntlich wurde die Judenaussiedlung aus Kroatien im Spätherbst 1942 durch die zuständigen kroatischen Behörden unter Einschaltung einer beratenden Tätigkeit des Polizeiattachés durchgeführt. Die Durchführung als solche war zufriedenstellend, so daß bis auf einige besetzte Gebiete Kroatien als jenes Land angesehen werden konnte, in welchem die Judenfrage im großen und ganzen als gelöst anzusehen war."

Dennoch gebe es in öffentlichen Stellungen, besonders in der Wirtschaft und im Gesundheitswesen, noch einige Juden. Deutsche Versuche, gegen sie vorzugehen, wurden von kroatischer Seite abgeblockt, da es an ausreichend ausgebildeten Ersatzkräften fehle. Auch gebe es in wichtigen Stellen noch Juden, die über gute Beziehungen zu kroatischen Persönlichkeiten oder Organisationen verfügen und daher schwer angreifbar sind. "Schwierigkeiten bei der endgültigen Bereinigung der Judenfrage in Kroatien bereitet auch der Umstand, daß die kroatische Führung im starken Maße jüdisch versippt ist. Um den Einfluß des Judentums auf das kroatische öffentliche politische und wirtschaftliche Leben auszuschalten, wäre es notwendig, die kroatische Regierung - unter Hinweis auf die Gefahren - zu bewegen, von sich aus die noch in öffentlichen Stellungen befindlichen Juden auszuschalten."
Außerdem könnte man die kroatische Regierung drängen, strengere Maßstäbe bei der Verleihung des Ehrenarierrechts anzulegen. (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 352)

22.04.1944

Kroatien

Der deutsche Gesandte in Zagreb, Kasche, an das Auswärtige Amt.

Die "Judenfrage" sei in Kroatien "in weitem Maße bereinigt worden". Es handele sich jetzt nur noch um Einzelfälle und um die (früher von Italien besetzten) Küstengebiete. Bisher sei hinsichtlich der Ausnahmefälle so verfahren worden:

  1. Die vom kroatischen Staat anerkannten "Ehrenarier" bleiben von Maßnahmen ausgenommen.
  2. "Juden in Mischehen werden nur dann befaßt, wenn die Kroaten dies von sich aus betreiben oder wenn politische Gründe ein Vorgehen notwendig machen."
  3. "Halbjuden werden im allgemeinen nicht mehr als Juden gerechnet, wenn sie nicht in einer Ehe mit Volljuden leben. Wenn politisch notwendig, werden aber auch hier im Einzelfalle Maßnahmen getroffen."

Die kroatischen Behörden hätten im allgemeinen gut kooperiert. "Bei der Durchführung ist die kroatische Polizei besonders radikal und schnell vorgegangen." (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 352)

23.04.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an das Auswärtige Amt.

Er meldet den Beginn der "Konzentration" der jüdischen Bevölkerung  von Karpatho-Ruthenien und die Sicherung der Kapazitäten für den Abtransport von 3.000 Menschen pro Tag, der am 15. Mai beginnen soll. Um diese Aktionen nicht zu gefährden, schlägt Veesenmayer vor, die mit den ungarischen Streitkräften vereinbarte Auslieferung von 50.000 Juden zur Zwangsarbeit im deutschen Machtbereich zu verschieben. (Braham, Destruction I, Nr. 145)

25.04.1944

Ungarn

Eichmann bestellt Joel Brand, einen führenden Vertreter der Budapester Juden, in sein Hauptquartier. Er teilt ihm mit, daß Deutschland  bereit wäre, gegen entsprechende Gegenleistungen einer Million Juden die Ausreise aus dem deutschen Machtbereich zu gestatten. Hinsichtlich der Gegenleistungen erwarte er Vorschläge. Als Beispiele nennen Eichmann und seine Mitarbeiter Güter wie Tee, Kaffee, Seife, Werkzeugmaschinen, Leder usw.
In weiteren Gesprächen wird deutlich, daß die Deutschen vor allem die Lieferung von 10.000 Lastkraftwagen fordern, die winterfest sein müßten und die garantiert nur an der Ostfront eingesetzt werden würden. Damit ist ein Hauptzweck des "Angebots", nämlich das Lager der Alliierten aufzuspalten, offensichtlich.

Brand wird beauftragt, Eichmanns Vorschlag den "Führern des Weltjudentums" in einer von ihm selbst zu wählenden Weise zu übermitteln. Brand entscheidet sich dafür, über Istanbul Kontakt zu den zionistischen Politikern in Palästina zu suchen. Aus nicht restlos geklärten Gründen vergehen bis zur Abreise von Brand nach Istanbul (s. 17.5.44) noch mehrere Wochen.
Offenbar war die Idee dieses "Tauschgeschäfts" von Himmler entwickelt worden, während Eichmann, für den die Durchführung des Völkermords an den Juden absolute Priorität hätte, den Vorschlag zu sabotieren versuchte.

Auschwitz

Im sog. Zigeuner-Familienlagers im KL Auschwitz-Birkenau sind  2.921 männliche und ungefähr 3.000 weibliche Gefangene untergebracht. (Czech, S. 760)

26.04.1944

Ungarn

Die Regierung Sztójay erläßt weitere antijüdische Dekrete, u.a. über die Zwangsghettoisierung. Sie stellt den Deutschen 50.000 jüdische Arbeitsdienstler zur sofortigen Verfügung.
Konferenz unter Vorsitz des Staatssekretärs im Innenministerium, Endre, zur Vorbereitung der Ghettoisierung in Nord-Siebenbürgen (1940 von Rumänien zwangsweise an Ungarn abgetreten).

Ungarn

Lt. einem SD-Bericht wurden seit dem deutschen Einmarsch bei gezielten "Einzelaktionen" 8.046 Juden festgenommen. 140.000 jüdische Menschen wurden in Karpatho-Ruthenien in Ghettos konzentriert. Die Juden in anderen Landesteilen sind wegen dieser Vorgänge beunruhigt. (Braham, Destruction II, Nr. 256)

27.04.1944

Ungarn/Vatikan

Der päpstliche Nuntius, Angelo Roatta, protestiert bei der ungarischen Regierung gegen die anti-jüdischen Maßnahmen, die er als "unchristlich" bezeichnet.

Goebbels Tagebuch

"Der Judenhaß ist beim Führer eher noch gestiegen, als daß er abgenommen hätte. Die Juden müssen für ihre Untaten an den europäischen Völkern und überhaupt an der ganzen Kulturwelt bestraft werden. Wo auch immer wir sie zu fassen bekommen, da sollen sie der Vergeltung nicht entgehen. (...) Im großen und ganzen kann man schon sagen, daß eine Politik auf weite Sicht in diesem Kriege nur möglich ist, wenn man von der Judenfrage ausgeht." (Fröhlich, Bd. 12, S. 202)

28.04.1944

Ungarn

Die Beschäftigung von Juden im privaten Wirtschaftssektor wird verboten.

Das Auswärtige Amt an die deutschen Vertretungen in Europa

Außenminister Ribbentrop hat die Bildung einer Stelle für "Antijüdische Auslandsaktion", Inf. XIV,  unter Leitung des Gesandten Schleier angeordnet. Aufgabe der Stelle soll sein, durch Zusammenfassung aller interessierten und beteiligten Sachbearbeiter und Arbeitseinheiten des AA, in enger Zusammenarbeit mit den Dienststellen außerhalb des AA und den deutschen Auslandsvertretungen "die antijüdische Auslandsinformation zu vertiefen und zu verstärken".

Die deutschen Vertretungen werden aufgefordert, der Inf. XIV "alles ihnen zugängliche Material über jüdische oder antijüdische Vorgänge" auf schnellstem Wege zu übermitteln. "Es kommt dabei nicht nur auf Material aus dem betreffenden Lande an, sondern es muß besonderer Wert auch auf die Beschaffung von Unterlagen gelegt werden, die dritte Länder betreffen, mit denen Deutschland im Kriege steht."

Inf. XIV wird ihrerseits den Auslandsvertretungen laufend Meldungen, Material und fertige Kommentare zur Verwendung in der Propaganda zukommen lassen. "Über die praktische Verwertung des Materials im Auslande ist laufend und - so weit möglich - unter Einsendung von Belegunterlagen zu berichten." (IMT, PS-3319)

29.04.1944

Auschwitz

Aus Zwangsarbeitslagern in Schlesien werden rund 550 jüdische Häftlinge nach Auschwitz eingeliefert. Die Kranken und "Arbeitsunfähigen" werden in den Gaskammern getötet, die anderen wahrscheinlich in das Nebenlager Gleiwitz I geschickt. (Czech, S. 761-762)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

02. - 04.04.1944

Ungarn

Erste amerikanisch-britische Luftangriffe auf Budapest.

Eichmann verlangt vom Judenrat, innerhalb von 24 Stunden 500 Wohnungen für Bombenopfer zur Verfügung zu stellen. Am 5. April werden als "Vergeltung" für die Angriffe am Nachmittag des Vortags weitere 1.000 Wohnungen gefordert.

10.04.1944

Befreiung Odessas am Schwarzen Meer durch die sowjetische Armee. Vor dem deutschen Überfall hatten in Odessa etwa 180.000 jüdische Menschen gelebt, mehr als in irgendeiner anderen Stadt der UdSSR. Etwa 100.000 von ihnen wurden von den Deutschen ermordet; mehrere zehntausend hatten rechtzeitig die Stadt verlassen können. Nur einige tausend jüdische Menschen überlebten den Krieg in Odessa und seiner Umgebung. (EdH, S. 1058-1059)

12.04.1944

Die sowjetische Botschaft in Kairo übergibt den rumänischen Unterhändlern die sowjetischen Minimalbedingungen für einen Waffenstillstand. Es beginnen Geheimverhandlungen.

13.04.1944

Simferopol auf der Krim wird von der sowjetischen Armee befreit.