CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Vor 75 Jahren: "Säuberung" des Staatsapparats durch Berufsverbote

Bald nach ihrer "Machtergreifung" am 30.Januar 1933 hatte die NSDAP damit begonnen, den Staatsapparat in ihrem Sinn nicht nur strukturell, sondern auch personell umzubauen. Mit dem am 7. April 1933 von Reichskanzler Adolf Hitler unterzeichneten Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde eine juristische Grundlage für den überall im Reich schon angeschobenen Prozess nachgereicht. Zum Artikel

Raul Hilberg (1926-2007) - Er pfiff auf den Mainstream

Raul Hilberg ist tot. Raul wer? Der am 4. August im Alter von 81 Jahren an Lungenkrebs gestorbene "absolute Pionier der Holocaust-Forschung" (Wolfgang Benz) gehörte nicht zu den Entertainern und Streitern, mit denen Talkshow-Moderatoren ihr grundlangweiliges "Format" aufpeppen. Raul Hilberg hat keine nach ihm benannte "Kontroverse" über irgendein Thema hinterlassen, er hat zwar ein Standardwerk, aber keinen Bestseller geschrieben. Er war der Beweis für das eherne Prinzip seiner Zunft, dass ein Geschichtswissenschaftler, der seinen Job ehrlich, solide und gründlich macht, keine große Medienkarriere machen wird. Zum Artikel

9. November 1938 - Ein Pogrom wird inszeniert

Als "Reichskristallnacht" ging das erste Pogrom des NS-Staates in den deutschen Sprachgebrauch ein. Es begann am späten Abend des 9. November und dauerte bis in den folgenden Vormittag an. Mindestens 91 Juden, vermutlich mehr als 100, wurden ermordet, Hunderte zusammengeschlagen und teilweise schwer verletzt, 7.500 Geschäfte und 270 Synagogen, ebenso wie ungezählte Wohnungen wurden verwüstet und zerstört. 30.000 jüdische Männer und männliche Jugendliche wurden festgenommen und in Konzentrationslager gebracht. Zum Artikel

1938: Deutschland schiebt ab - Der Konflikt um die Juden polnischer Herkunft

Am 28. und 29. Oktober 1938 transportierten die deutschen Behörden 17.000 Juden polnischer Herkunft an die Grenze zu Polen, um sie abzuschieben. Teilweise waren die polnischen Beamten im ersten Moment so überrumpelt, dass sie die Einreise zuließen. Später war das aber nicht mehr der Fall, und die Deutschen jagten Tausende von Deportierten bei spätherbstlichen Temperaturen und Witterungsverhältnissen einfach ins "Niemandsland", wo sie mit primitivsten Hilfsmitteln campieren mussten - bis schließlich die polnische Seite sich erbarmte und sie aufnahm. Die Massenabschiebung war das Vorspiel zur sogenannten Reichskristallnacht am 9. November. Zum Artikel

Hitlers Drohung - Die größte Geiselnahme der Geschichte

Am 30. Januar 1939, ein halbes Jahr vor dem deutschen Überfall auf Polen, aus dem sich der 2. Weltkrieg entwickelte, kündigte Hitler im Reichstag den Völkermord an den Juden Europas an: "Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa."

L. J. Hartog hat in einem 1994 auf niederländisch erschienenen, 1997 ins Deutsche übersetzten Buch den Versuch unternommen, Hitlers Drohung vom Januar 1939 als eine wesentliche Schlüsselstelle für das Verständnis der Entscheidung zum Ingangsetzen des Völkermords zu deuten. Seiner Ansicht nach wollte Hitler mit der Vernichtungsdrohung die USA erpressen, sich aus dem von Deutschland beabsichtigten europäischen Krieg herauszuhalten. Zum Artikel

"Komplizen der Mörder"? - Hätten mehr Juden vor dem Holocaust gerettet werden können?

Hat die ganze Welt die Juden angesichts des Völkermords durch die Deutschen in Stich gelassen? Wurden aus Gleichgültigkeit, aus politischem Opportunismus oder sogar aus antisemitischer Feindseligkeit gegen die Opfer realistische Möglichkeiten verpasst, Zehntausende oder Hunderttausende Menschen zu retten? Die Bejahung dieser Fragen hat eindeutig die politische Meinungsführerschaft gewonnen - nicht unumstritten unter den Historikern, aber absolut eindeutig im öffentlichen Bewusstsein. Es gibt aber Fakten, die diese These relativieren. Zum Artikel

Ökonomie und Politik der "Endlösung"

Mit ihrem Aufsatz "Die Ökonomie der 'Endlösung' - Menschenvernichtung und wirtschaftliche Neuordnung" stießen Susanne Heim und Götz Aly 1987 eine Diskussion an, die in Deutschland bis heute noch nicht richtig angekommen ist. Sie stellten den
Völkermord an den europäischen Juden in den Zusammenhang einer imperialistischen deutschen Bevölkerungspolitik, die die Vertreibung oder Ermordung von 50 Millionen Menschen aus den von der Wehrmacht besetzten osteuropäischen Ländern und Gebieten vorsah. Zum Artikel

Der Völkermord an den Juden als "nationales Projekt"?

Die Goldhagen-Debatte - war's das schon?

Daniel Goldhagens Buch "Hitler's Willing Executioners" (deutsch: "Hitlers willige Vollstrecker") rief 1996 heftige Diskussionen hervor. Die zentrale These des Autors ist, dass eine breite Mehrheit aller Deutschen den Holocaust bewusst gewollt habe. Wo immer es ihnen möglich war, hätten sich die "normalen Deutschen" bereitwillig und freudig an Massenmord und Folter beteiligt. Grundlage dafür sei ein tiefsitzender, in Jahrhunderten aufgebauten vernichterischer Hasses gegen die Juden gewesen.

Knut Mellenthin setzte sich in zwei Artikel kritisch mit dem Buch auseinander:

Zum Artikel: Der Völkermord an den Juden als "nationales Projekt"?

Zum Artikel: Die Goldhagen-Debatte - war's das schon?

Ungarns Juden und das "Eichmann-Angebot" - Zu Yehuda Bauers Buch "Freikauf von Juden"

Ende April 1944 ließ der Organisator der "Judenvernichtung", Eichmann, den USA und Großbritannien einen makabren Vorschlag übermitteln: Hunderttausende ungarische Juden sollten gegen Geldzahlung und Warenlieferungen freigegeben werden. Als Hauptforderung kristallisierte sich die Forderung nach 10.000 "winterfesten" Lastkraftwagen heraus, die an der Ostfront eingesetzt werden sollten. Der Vorschlag zielte darauf ab, Misstrauen zwischen den Kriegsgegnern zu schüren und eine Verhandlungslinie zu den Westmächten herzustellen. Zum Artikel

Berlin 1936 - Goebbels goes Olympia

Als Hitler am 1. August 1936 die Olympischen Spiele in Berlin eröffnete, war die Verfolgung der deutschen Juden schon weit vorangeschritten. Seit Januar 1933 hatten annähernd 100.000 Menschen das Land verlassen, in dem sich ihnen kaum noch eine Überlebensmöglichkeit bot und in dem sie auf Tausenden von Schildern als "unerwünscht" zurückgewiesen wurden. Seit 1935 waren die Juden auch ganz offiziell ohne staatsbürgerliche Rechte. Ehen zwischen Juden und "Ariern" waren verboten, "Rassenschande" war zum Verbrechen erklärt worden.
Aber für die Dauer der Olympischen Spiele versuchte Propagandaminister Goebbels, "heile Welt" zu inszenieren. Zum Artikel

Vor 50 Jahren - Völkermord an Ungarns Juden - Teil 1

Bis zum Frühjahr 1944 waren die Juden Ungarns von der deutschen Vernichtungsmaschinerie weitgehend verschont geblieben. Solange hatte Ungarn, obwohl mit Deutschland im Krieg verbündet und selbst eines der am meisten antisemitischen Länder Europas, dem seit 1942 ausgeübten deutschen Druck widerstanden, seine jüdische Bevölkerung in die Vernichtungslager auszuliefern. Nachdem jedoch die deutsche Wehrmacht am 19. März Ungarn besetzt hatte, rollten die Deportationszüge nach Auschwitz. Historiker schätzen, dass von den rund 825.000 Juden Ungarns 565.000 ermordet wurden. Zum Artikel

Vor 50 Jahren - Völkermord an Ungarns Juden - Teil 2

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