CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Januar 1943

Generalgouvernement

Das Ghetto von Llow/Lemberg wird offiziell in ein Arbeitslager umgewandelt. Zu Beginn des Monats werden 10.000 Juden ermordet, die als "Illegale" keinen Arbeitsausweis vorweisen können. Am 30. Januar wird der Judenrat aufgelöst und fast alle Mitglieder ermordet.

Januar-Februar 1943

Generalgouvernement

Die letzten jüdischen Zwangsarbeiter, die nach der "Liquidierung" des Ghettos (9.11.42) noch in Chelm (östlich von Lublin) lebten, werden in das Vernichtungslager Sobibor abtransportiert.

01.01.1943

Nach Angaben der Reichsvereinigung der Juden leben im "Altreich" 51.257 Juden. Anfang 1933 waren es mehr als 500.000 gewesen.

Niederlande

Juden dürfen keine privaten Konten mehr haben.

05.01.1943

Aus Wien werden 100 jüdische Menschen nach Theresienstadt abtransportiert.

06.01.1943

Niederlande

Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amts in den Niederlanden, Bene, an das AA.

"Der Abtransport der Juden ist (...) reibungslos weitergelaufen, so daß jetzt die Hälfte der abzutransportierenden Juden abgeschoben ist. Die Pelz- und Diamantenarbeiter sollen in Polen geschlossen untergebracht werden, damit sie dort ihre Handfertigkeit weiter ausüben können." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 16)

Befehl Himmlers betr. Kriegführung in den besetzten Ostgebieten.

"Bei den Aktionen gegen die Banden sind bandenverdächtige Männer, Frauen und Kinder zu sammeln und in Sammeltransporten in die Lager Lublin oder Auschwitz zu verbringen."

Kinder und Jugendliche sollen in Sammellager in Lublin gebracht werden, wo eine "rassische und politische Musterung" stattfinden soll. "Die rassisch wertlosen Halbwüchsigen, männlichen und weiblichen Geschlechts, sind den Wirtschaftsbetrieben der Konzentrationslager als Lehrlinge zuzuweisen. Die Kinder müssen großgezogen werden. Ihre Erziehung hat in Unterricht zu Gehorsam, Fleiß, bedingungsloser Unterordnung und zu Ehrlichkeit gegenüber den deutschen Herren zu erfolgen. Sie müssen bis 100 rechnen, die Verkehrszeichen erkennen lernen und auf ihre Fachberufe als Landarbeiter, Schlosser, Steinmetze, Schreiner usw. vorbereitet werden. Die Mädchen sind als Landarbeiterinnen, Weberinnen, Spinnerinnen, Strickerinnen und für ähnliche Arbeiten anzulernen." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 179-180)

07.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Augustów werden etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 215 Frauen und 296 Männer als Häftlinge registriert; die anderen Menschen aus diesem Zug, etwa 1.490, werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 379)

08.01.1943

Etwa 100 Wiener Jüdinnen und Juden werden nach Theresienstadt abtransportiert.

09.01.1943

Rumänien

Unterstaatssekretär Luther an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Die rumänische Absicht, mehrere zehntausend Juden nach Palästina ausreisen zu lassen (s.12.12.42), "stellt innerhalb der von der deutschen Regierung verfolgten Grundlinien einer europäischen Lösung der Judenfrage eine untragbare Teillösung dar, deren Durchführung mit allen Mitteln verhindert werden sollte."

Den Rumänen sollen die "allerschwersten Bedenken" mitgeteilt werden. "Neben den dort bereits vorgebrachten Argumenten, daß eine solche Auswanderung eine schwere Belastung des Vertrauensverhältnisses zu unseren politischen Freunden im Vorderen Orient darstellen müßte, würde die Maßnahme bedeuten, daß wir 80.000 innerlich auf der Seite unserer Kriegsgegner stehende Juden diesen unmittelbar in die Hände spielen würden. (...)

Im übrigen müßte man sich über die grundsätzliche Tragweite einer solchen Maßnahme im klaren sein. Sie könne nicht ohne Rückwirkungen in Europa bleiben, nachdem es längst bekannt ist, daß man auf unserer Seite zum mindesten seit Beginn und während der Dauer des Krieges eine solche Lösung entschieden ablehnt. Auf der anderen Seite wäre es unausbleiblich, daß der Gegner versuchen würde, aus dieser Maßnahme einen Gegensatz zwischen den Achsenmächten zu konstruieren, ohne daß Rumänien deswegen in der Feindpropaganda mit einer milderen Beurteilung seiner Judenpolitik rechnen könne." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 28)

11.01.1943

Etwa 100 jüdische Menschen aus Wien werden nach Theresienstadt abtransportiert.

12.01.1943

Italien/Griechenland

Gesandter Altenburg informiert seinen italienischen Kollegen, daß Deutschland die Abschiebung der Juden aus Griechenland ins Generalgouvernement plant. Juden italienischer und neutraler Staatsangehörigkeit würden davon aber nicht betroffen. (Benz, Dimension, S. 252)

13.01.1943

Auschwitz

Aus Berlin werden 1.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Lediglich 127 Männer werden in das KL eingewiesen; die anderen 873 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Niederlande

750 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem niederländischen Lager Westerbork werden nach Auschwitz eingeliefert. 101 Frauen und 88 Männer werden als Häftlinge registriert; 561 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Bezirk Bialystok

Aus dem Ghetto in Zambrów kommt ein Deportationszug mit etwa 2.000 Menschen in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 148 Männer und 50 Frauen als Häftlinge registriert, während die anderen 1.802 Menschen direkt in die Gaskammern geschickt werden. (Czech, S. 382-383)

Generalgouvernement

Aus dem Szwarlikowska-Lager in Radom werden 1.500 jüdische Zwangsarbeiter nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

Dänemark

Memorandum des Reichsbevollmächtigten Best.

In den vom RSHA "empfohlenen" antijüdischen Maßnahmen würden die Dänen den Auftakt zu Maßnahmen gegen sich selbst sehen. Deshalb würden sich alle Sektoren der dänischen Gesellschaft Sondermaßnahmen gegen die Juden nach deutschem Vorbild widersetzen. Die dänische Regierung habe für diesen Fall ihren Rücktritt angekündigt. Eine neue verfassungsmäßige Regierung könnte dann nicht wieder gebildet werden, da König und Reichstag die Zustimmung verweigern würden.

Deutschland müßte dann Dänemark direkt als Besatzungsmacht verwalten. Eine solche Entwicklung würde "alle Hemmungen der dänischen Bevölkerung beseitigen und ihren allgemeinen passiven und z.T. aktiven Widerstand gegen die Besatzung auslösen". Das würde den Einsatz starker deutscher Polizeikräfte und wahrscheinlich auch militärischer Kräfte erforderlich machen. "Die leichteste und sparsamste Art, Dänemark im deutschen Sinne zu lenken", bestehe in der Fortsetzung der bisherigen Methoden.

Ohne politischen Schaden seien hingegen schon folgende Maßnahmen möglich, "die geeignet sind, für eine spätere totale Lösung der Judenfrage in Dänemark den Boden vorzubereiten":

  1. "Systematische Entfernung aller Juden aus dem öffentlichen Leben (...) - indem sie einzeln der dänischen Regierung als für eine Zusammenarbeit untragbar bezeichnet werden;
  2. systematische Entfernung aller Juden aus dem deutsch-dänischen Wirtschaftsverkehr, indem bei deutschen Aufträgen zur Auflage gemacht wird, daß an der dänischen Firma keine Juden beteiligt sein dürfen;
  3. einzelne Zugriffe gegen Juden durch die deutsche Exekutive mit der Begründung politischer oder krimineller Vergehen."

In diese drei Richtungen habe er schon Maßnahmen eingeleitet. Außerdem werde von seiner Behörde "zur Vorbereitung einer späteren totalen Lösung der Judenfrage in Dänemark" eine Übersicht über die dortigen Juden erstellt. Deren Gesamtzahl liege bei etwa 6.000 Menschen. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 39)

Luther (AA) empfiehlt Ribbentrop, Bests Vorschläge als "ersten Schritt zur Lösung der Judenfrage" zu akzeptieren. Der Außenminister entscheidet daraufhin, den Erfolg von Bests "vorbereitenden Maßnahmen" abzuwarten.

Italien/besetzte Gebiete

Außenminister Ribbentrop an die deutsche Botschaft in Rom.

Die italienische Einstellung zur Behandlung der "Judenfrage" weiche von der deutschen erheblich ab.

"Während wir das Judentum als eine Krankheit erkannt haben, die einen Volkskörper zu zersetzen droht und die den Neuaufbau Europas zu verhindern sucht, glaubt die italienische Regierung, die Juden individuell behandeln zu können, indem sie einzelne Juden oder Gruppen von Juden vor anderen bevorzugt. (...)

Bei dieser Unterschiedlichkeit zwischen der deutschen und der italienischen Auffassung erscheint es uns notwendig, eine reinliche Lösung des Problems auch für die von Deutschland besetzten Gebiete zu finden."

Die Botschaft soll Außenminister Ciano mitteilen, daß Deutschland sich nach dem 31. März 1943 "freie Hand" gegenüber allen Juden in seinem Machtbereich, auch den italienischen Staatsbürgern,  vorbehalte.

"Ich bitte Sie, in diesem Zusammenhange auf die ungeheure Gefahr hinzuweisen, die die Anwesenheit von Juden überall dort, wo sie leben, bedeutet; diese Gefahr ist in politisch wichtigen Gebieten und allen militärischen Interessengebieten besonders groß. Gerade die wirtschaftlich einflußreichen Juden sind die gefährlichsten." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 32)

15.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Zambrów werden etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 217 Männer und 21 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen etwa 1.762 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 384)

Niederlande

Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amts beim Reichskommissar, Bene, an das AA.

"Bisher sind ca. 60.000 Juden abtransportiert, und der Rest von ca. 70.000 soll bis April/Mai abtransportiert werden. Die Juden hatten zunächst das Mitleid auf ihrer Seite, und der Klerus meinte auch hier hetzen zu müssen. Inzwischen hat das Volk sich aber an den Abtransport der Juden gewöhnt, und im Grunde genommen ist man auch froh, die Juden los zu werden. Die Juden waren zwar in den Niederlanden nie so stark in Erscheinung getreten wie in Deutschland und deshalb kann man auch nicht das gleiche Verständnis erwarten. Durch die Einführung des Judensternes wurde den Niederländern aber deutlich, wieviele Juden unter ihnen lebten und wer überraschenderweise auf einmal Jude war." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 50)

Frankreich

Bericht des deutschen Gesandten in Paris, Schleier, an das Auswärtige Amt.

  1. Der SD beabsichtige zunächst, alle Grenz- und Küstendepartements im neubesetzten Gebiet durch Aussiedlung der Juden ins Landesinnere "judenfrei zu machen".
    Diese Maßnahme bedürfe noch der Absprache mit dem italienischen Oberkommando,  um Flucht der Juden in die italienische Besatzungszone zu verhindern.
  2. Die französische Polizei habe bisher ca. 10.000 Juden aus dem unbesetzten Gebiet an die deutschen Behörden überstellt. Der SD schätze die Zahl der verbliebenen "staatenlosen" Juden im neubesetzten Gebiet auf 15.-20.000, "deren Übersiedlung bis zu einem möglichst nahen Termin durchgeführt werden soll, wobei allerdings ihre restlose Erfassung erhebliche Schwierigkeiten machen wird."
  3. "Maßnahmen gegen französische Juden und Juden dritter Staaten werden von der französischen Regierung in neubesetzter Zone nur schrittweise durchgeführt werden können. Vorerst ist nur Verbot des Umherreisens im neubesetzten Gebiet ergangen, sowie Abstempelung der Identitätskarten und Lebensmittelkarten angeordnet."
    Interventionen anderer Staaten zugunsten ihrer Staatsangehörigen seien zu erwarten; daher solle die französische Regierung zunächst veranlaßt werden, die betroffenen Regierungen aufzufordern, ihre jüdischen Staatsangehörigen zurückzuholen.
  4. In Tunesien sei der jüdische Arbeitsdienst angelaufen. Italien habe gegen die Einbeziehung seiner jüdischen Staatsangehörigen Einspruch erhoben; das werde berücksichtigt. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 48)

16.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Deportationszug mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Zambrów kommt in Auschwitz an. 211 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen etwa 1.790 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Wartheland

Aus dem Gefängnis Sieradz/Schieratz bei Lodz werden 636 Häftlinge - Polen, Bjelorussen, Ukrainer und Juden - nach Auschwitz eingeliefert.

Bezirk Bialystok

Aus dem Durchgangslager Lomza werden etwa 2.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 170 Männer werden als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 1.830 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 384-385)

17.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ankunft eines Zuges mit etwa 2.000 jüdischen Menschen aus dem Durchgangslager Lomza in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 255 Männer ins Lager eingewiesen und die anderen etwa 1.745 Menschen in den Gaskammern ermordet.

Unter den Häftlingen der Quarantäneblöcken 2 und 8 des Stammlagers wird eine "Selektion" durchgeführt. Etwa 500 Menschen werden ausgesondert und am selben Tag in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 385-386)

18.01.1943

Belgien/Auschwitz

Aus dem Lager Malines werden mit zwei Deportationszügen 1.555 Menschen nach Auschwitz eingeliefert: 680 Frauen, 125 Mädchen, 588 Männer und 162 Jungen. 387 Männer und 81 Frauen werden als Häftlinge registriert; die übrigen 1.087 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Bezirk Bialystok

Transport aus dem Ghetto in Zambrów mit etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 130 Männer ins Lager eingewiesen, während die anderen etwa 1.870 Menschen in die Gaskammern geschickt werden. (Czech, S. 386)

Frankreich

Himmler an SS-Brif. Oberg. (Nachdem in Marseille am 4. Januar bei einem Bombenanschlag mehrere deutsche Soldaten getötet oder verletzt worden waren.)

"Ich wünsche für die Bereinigung der Verhältnisse in Marseille eine radikale und vollkommene Lösung. Wir haben heute nicht mehr die Menschen, für längere Dauer an solchen Brennpunkten eine große Anzahl von Angehörigen der Ordnungs- und Sicherheitspolizei zu versammeln.

Sie wollen mir raschestens Ihren Plan für die Bereinigung von Marseille vorlegen. Bei diesem Plan wollen Sie berücksichtigen, daß ich folgende Dinge verlange:

  1. Verhaftung von großen Verbrechermassen von Marseille und deren Abfuhr in KL., am besten nach Deutschland. Ich stelle mir hier eine Zahl von rund 100.000 vor.
  2. Radikale Sprengung des Verbrecherviertels. Ich wünsche nicht, daß deutsche Menschenleben im Kampf in den unterirdischen Gängen und Höhlen aufs Spiel gesetzt werden. Diese Unterstadt von Marseille ist durch Fachleute zu sprengen, und zwar in der Form, daß allein schon durch den Explosionsdruck die darin Wohnenden zugrunde gehen." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 178)

18.-22.01.1943

Generalgouvernement

Die Deutschen treiben im Warschauer Ghetto 5. - 6.000 Menschen zur Deportation zusammen. Von jüdischer Seite gibt es bewaffnete Gegenwehr. Die seit Juli 1942 aufgebauten jüdischen Kampfgruppen bereiten sich auf die Verteidigung des Ghettos vor.

19.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Transport mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Zambrów nach Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 164 Männer und 134 Frauen als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 1.700 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Generalgouvernement

Aus Krakau werden 1.372 Menschen - 400 Juden, 972 Strafgefangene - nach Auschwitz eingeliefert. 619 Männer, darunter 50 Juden, und 403 Frauen werden als Häftlinge registriert. 350 jüdische Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 387)

Kroatien

Eine Vereinbarung zwischen deutschen und kroatischen Polizeistellen sieht vor:   

  1. Eine "Sonderaktion" zur Entfernung sämtlicher verbliebener Juden - ausgenommen "Ehrenarier" und "Mischlinge".
  2. Die in kroatischen Lagern inhaftierten Juden sollen, soweit sie nicht als Arbeitskräfte eingesetzt sind, zur "Aussiedlung nach Deutschland" (d.h. nach Auschwitz) freigegeben werden.
  3. Illegal in Kroatien lebende Juden sollen verhaftet und ins Lager Jasenovac gebracht werden.
  4. Sämtliche für die "Aussiedlung" vorgesehenen Juden sollen im Lager Stara Gradiska konzentriert werden.

Auf deutscher Seite wurde angenommen, daß von dieser "Aktion" etwa 2.000 Menschen erfaßt würden. (Benz, Dimension, S. 325/326)

20.01.1943

Niederlande/Auschwitz

Aus dem niederländischen Lager Westerbork werden 748 jüdische Menschen  nach Auschwitz eingeliefert. Nur 25 Frauen und 10 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 713 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Bezirk Bialystok

Transport mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Grodno nach Auschwitz. 155 Männer und 101 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen etwa 1.744 Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 387)

Generalgouvernement

Die Überlebenden der jüdischen Gemeinschaft von Kolomyja (Ukraine), etwa 2.000 Menschen, werden in wenigen Häusern des Ghettos zusammengedrängt.

Schreiben Himmlers an den Staatssekretär des Reichsverkehrsministeriums, Dr. Ganzenmüller.

"Eine Voraussetzung für die Befriedung des Generalgouvernements, von Bialystok und von den russischen Gebieten ist der Abtransport der ganzen Bandenhelfer und Bandenverdächtigen. Dazu gehört auch in erster Linie der Abtransport der Juden. Ebenso gehört der Abtransport der Juden aus dem Westen dazu, da wir sonst in diesen Gebieten ebenfalls mit einer Erhöhung der Anschläge zu rechnen haben.
    Hier brauche ich Ihre Hilfe und Ihre Unterstützung. Ich muß, wenn ich die Dinge rasch erledigen will, mehr Transportzüge bekommen. Ich weiß sehr wohl, wie angespannt die Lage für die Bahn ist und welche Forderungen an Sie immer gestellt werden. Trotzdem muß ich an Sie die Bitte richten: Helfen Sie mir und verschaffen Sie mir mehr Züge." (IMT, NO-2405)

Rumänien

Schreiben Himmlers an Heinrich Müller, Chef Amt IV/RSHA.

"Ihren Bericht vom 14.1.1943 über die Gefährdung der Judenendlösung in Rumänien habe ich gelesen. In Rumänien ist im Augenblick meines Erachtens garnichts zu machen. Ich selbst neige zu der Ansicht, daß es besser wäre, wenn wir unseren Juden-Bearbeiter von dort zurückzögen. Teilen Sie mir darüber Ihre Meinung mit. In den nächsten Monaten wird auf dem Judengebiet dort bestimmt nichts geschehen. Wenn wir einen Bearbeiter dort haben, kann es nur sein, daß wir mit irgendetwas beschuldigt werden." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 184)

Bericht von Unterstaatssekretär Luther, Auswärtiges Amt.

Im Laufe des Jahres 1942 wurden alle Juden aus dem Protektorat sowie die Juden slowakischer, kroatischer, serbischer und griechischer Staatsangehörigkeit "den allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen einschließlich Kennzeichnung und Abschiebung unterworfen". Mit den Regierungen Rumäniens und Bulgariens wurden analoge Vereinbarungen erreicht.

Der italienischen Regierung wurde mitgeteilt, daß ihre jüdischen Staatsangehörigen gleichfalls "unseren Maßnahmen unterworfen werden sollen", falls sie nicht bis zum 31. März zurückgeholt worden sind.

Die ungarische Regierung habe Einwendungen "besonders im Hinblick auf Sicherung der Vermögenswerte" erhoben. Es wurde ein letzter Termin für die Rückholung ihrer Staatsbürger bis zum 31.12.42 gestellt. Dieser Termin wurde auf Bitten der ungarischen Regierung zur Regelung vermögensrechtlicher Fragen um einen Monat verlängert.

Die türkische Regierung hat angekündigt, ihre jüdischen Staatsangehörigen - soweit sie an diesen interessiert ist - bis zum 31.12.42 zurückzuholen.

Der Schweiz sei Frist bis zum 31. Januar gesetzt worden.
"Keine Schritte sind bisher erfolgt bezüglich der Juden spanischer, portugiesischer, dänischer und schwedischer Staatsangehörigkeit. Im Falle Spanien und Portugal sollte der Schritt erleichtert werden unter Hinweis darauf, daß es sich um die einzigen noch verbleibenden ausländischen Juden handelt, bei denen aber auch keine Ausnahme gemacht werden könne. Dieser Schritt kann nun erfolgen.
    Der bereits geplante Schritt in den skandinavischen Ländern war zurückgestellt worden, damit der neue Bevollmächtigte in Kopenhagen von sich aus Gelegenheit hat, die Initiative zur Bereinigung der dänischen Judenfrage zu ergreifen. Auch dieser Schritt kann nunmehr erfolgen."
(ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 64)

Befehl von KL-Inspekteur Glücks an alle KL-Kommandanten.

Anknüpfend an ein Schreiben des Gestapochefs Müller vom 31.12.42 hinsichtlich der hohen Sterblichkeit unter den Häftlingen macht er sie "für die Erschöpfung jeder Möglichkeit zur Erhaltung der Arbeitskraft der Häftlinge persönlich verantwortlich." (IMT, NO-1523)

21.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno. 112 Frauen und 175 Männer werden in das Lager eingewiesen; die übrigen etwa 1.713 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Protektorat

Aus Theresienstadt werden etwa 2.000 Juden - 1.144 Frauen und Mädchen, 856 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. 254 Männer und 164 Frauen werden als Häftlinge übernommen; 1.582 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 388)

22.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto von Grodno werden etwa 3.650 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 229 Frauen und 365 Männer werden als Häftlinge registriert; die übrigen etwa 3.056 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 389)

RK Ostland

Meldungen aus den besetzten Ostgebieten Nr. 38.

Beim "Unternehmen Hamburg" im Raum von Slonim (Weißrußland) wurden 1.676 "Banditen" getötet und 1.510 "bandenverdächtige Personen" erschossen. "In den Gemeinden, die in dem Aktionsbereich lagen, wurden außerdem 2.658 Juden sowie 30 Zigeuner gestellt."

Beim "Unternehmen Altona" im Raum Kossow-Bythen (Weißrußland) wurden bei Kämpfen 97 Mitglieder einer "größeren Bandengruppe" getötet. "Ferner wurden in diesem Raum 785 bandenverdächtige Personen erschossen und 126 Juden und 24 Zigeuner gestellt." (IMT, PS-3943)

23.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Transport aus dem Ghetto von Grodno mit etwa 2.000 Menschen kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 191 Frauen und 235 Männer als Häftlinge registriert; die anderen Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 390)

Rumänien

Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Die Gesandtschaft soll die rumänische Regierung darauf hinweisen, "daß Juden Elemente der Zersetzung darstellen, Sabotage treiben und im feindlichen Spionagedienst stehen". Ihre "Evakuierung" sei deshalb ein zwingendes Gebot der inneren Sicherheit Europas. Die von Rumänien tolerierte Auswanderung von Juden nach Palästina bedeute "eine nicht zu verantwortende Minderung des der Achse zur Verfügung stehenden Schiffsraumes zu Gunsten der Feindmächte".
Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß Deutschland auch gegenüber Ungarn und Italien eine analoge Haltung einnimmt. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 70)

Frankreich

Der deutsche Gesandte in Paris, Schleier, an das Auswärtige Amt. Betr. "Stand der Judenfrage im neubesetzten Gebiet".

"Durch den SD wurde schon im Laufe des Dezember vorigen Jahres folgender Plan der französischen Regierung unterbreitet: französische Behörden sollten alle Juden aus den Küstendepartements entfernen und die den bisherigen Judenmaßnahmen unterworfenen Juden ausländischer Staatsangehörigkeit zum Zwecke späterer Abschiebung nach dem Osten internieren. Die Juden französischer Staatsangehörigkeit sowie die von den Judenmaßnahmen ausgenommenen Juden sollten in vier Departements mit der Auflage konzentriert werden, sich nicht über den Bereich der Gemeinde hinauszubewegen, in der sich der zugewiesene Wohnsitz befindet."

Bei einer Erörterung zwischen SD und Generalsekretär Bousquet habe dieser darauf hingewiesen, daß die italienische Waffenstillstandskommission die Juden italienischer Staatsangehörigkeit gegen die französichen antijüdischen Maßnahmen in Schutz nehme. Lt. Bousquet hätten sich außerdem die Regierungen Spaniens und Rumäniens an die französische Regierung gewandt, um sich für ihre jüdischen Staatsangehörigen einzusetzen.

Zwischen deutscher Botschaft und SD bestehe Übereinstimmung, "daß eine grundlegende Bereinigung der Judenfrage im neubesetzten Gebiet nur durchgeführt werden kann, wenn es gelingt, die Italiener auf die Linie unserer Judenmaßnahmen zu bringen." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 69)

Goebbels Tagebuch

"Der Führer ist mit mir der Meinung, daß man die Judenfrage in Berlin schnellstmöglich lösen muß. Solange sich in Berlin noch Juden befinden, können wir von einer inneren Sicherheit nicht sprechen. Auch aus Wien müssen die Juden so schnell wie möglich heraus." (Fröhlich II, Bd. 7, S. 177)

24.01.1943

Niederlande/Auschwitz

921 jüdische Patienten, unter ihnen auch Kinder, und medizinisches Personal aus dem Psychiatrischen Krankenhaus Apeldoornse Bosch werden nach Auschwitz eingeliefert. Nur 36 Frauen und 16 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 869 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Bezirk Bialystok

Ankunft eines Zuges mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno in Auschwitz. 166 Männer und 60 Frauen werden ins Lager eingewiesen, während die anderen unmittelbar in den Gaskammern ermordet werden.

Protektorat

Aus Theresienstadt kommen 2.029 Menschen - 1.258 Frauen und Mädchen, 771 Männer und Jungen - in Auschwitz an. Aus diesem Transport werden 147 Männer und 80 Frauen ins Lager eingewiesen, die anderen 1.802 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Niederlande

Aus Westerbork werden 516 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 18 Männer und 2 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen 496 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 390-391)

25.01.1943

Ungarn

Ungarische Note an die deutsche Regierung.

Die Rückkehr namentlich genannter ungarischer Juden aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden wird verlangt. Ein Teil der Genannten, die in Belgien gelebt hatten, war bereits von den Deutschen festgenommen und deportiert worden. (Braham, Destruction I, S. XLVII)

26.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Sokólka werden etwa 2.300 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 161 Männer und 32 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen etwa 2.107 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 393)

27.01.1943

Protektorat/Auschwitz

Aus dem Ghetto Theresienstadt werden 993 Juden - 584 Frauen und Mädchen, 409 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. 212 Männer und 72 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen 709 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 394-395)

Italien/besetzte Westgebiete

Der deutsche Gesandte in Rom, von Bismarck, an das Auswärtige Amt.

Die italienische Regierung hat mitgeteilt, sie wolle die in Frankreich, Belgien und den Niederlanden lebenden Juden italienischer Staatsangehörigkeit nach Italien zurückholen. Sobald die inneritalienischen Besprechungen über das Vorgehen abgeschlossen sind, wolle sich die italienische Regierung mit den deutschen Stellen in Verbindung setzen, "um Vorschläge wegen des Hertransports der Juden, ihrer finanziellen Verhältnisse usw. zu besprechen." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 78)

28.01.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Volkovysk werden etwa 2.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 280 Männer und 79 Frauen werden in das Lager übernommen; etwa 1.640 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Generalgouvernement

Ein Transport mit rund 2.000 Häftlingen aus Gefängnissen in Tarnów und Krakau, darunter 515 Frauen, kommt in Auschwitz an. (Czech, S. 395-396)

28.- 31.01.1943

Bezirk Bialystok

"Liquidierung" des Ghettos Pruzhany, 100 km südöstlich von Bialystok. Drei Deportationszüge fahren nach Auschwitz. Mehr als 2.000 Menschen versuchen während der "Aktion" zu flüchten, doch werden die meisten aufgespürt und ermordet. Ende 1942 hatten noch annähernd 10.000 Menschen im Ghetto gelebt. (EdH, S. 1171-1172)

29.01.1943

Das RSHA ordnet an, alle im Reichsgebiet und in den besetzten Gebieten lebenden Zigeuner festzunehmen und in die Konzentrationslager einzuweisen. (Czech, S. 398)

Finnland

Der deutsche Gesandte in Helsinki, Blücher, an das Auswärtige Amt.

Am 22. Januar hatte das AA die Gesandtschaft angewiesen, die finnische Regierung über geplante Maßnahmen gegen die Juden im deutschen Machtbereich zu unterrichten und ihr freizustellen, ihre jüdischen Staatsbürger bis zum 31. März zurück zu holen.    

Blücher teilt mit, er habe die Anweisung ausgeführt. Der Vetreter des finnischen Außenministeriums habe die Mitteilung kommentarlos entgegen genommen. Das Schweigen der amtlichen Kreise Finnlands wie auch der finnischen Presse dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, daß die deutsche Judenpolitik vom finnischen Volk negativ aufgenommen werde. In der derzeitigen schwierigen Phase des deutsch-finnischen Verhältnisses (nach der deutschen Niederlage in Stalingrad und den allgemeinen Anzeichen für eine Kriegswende) könnten zusätzliche Belastungen sich gefährlich auswirken. (ADAP, Serie D, Bd. V, Nr. 82)

30.01.1943

Auschwitz

Ein Deportationszug aus Berlin mit 1.000 jüdischen Menschen kommt in Auschwitz an. Je 140 Frauen und Männer werden in das Lager eingewiesen, während die anderen 720 Menschen unmittelbar in die Gaskammern geschickt werden.

Bezirk Bialystok

Aus den Ghettos in Volkovysk und Pruzany werden 2.612 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 275 Frauen und 327 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 2.010 Menschen, darunter 518 Kinder, werden in den Gaskammern ermordet.

Protektorat

Aus dem Ghetto Theresienstadt kommt ein Transport mit 1.000 Menschen in Auschwitz an. 122 Männer und 95 Frauen werden als Häftlinge registriert; 783 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 399)

31.01.1943

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork werden 659 jüdische Menschen - 419 Frauen und Mädchen, 240 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. Nur 50 Männer und 19 Frauen bleiben zunächst als Häftlinge am Leben; die anderen 590 Menschen werden unmittelbar in den Gaskammern ermordet.

Bezirk Bialystok

Aus Oranczyce werden 2.450 Juden nach Auschwitz eingeliefert; in dem Transport befinden sich 145 Kinder unter vier Jahren und 312 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren. Nach der "Selektion" werden 249 Männer und 32 Frauen in das Lager eingewiesen; die anderen 2.169 Menschen werden in die Gaskammern geschickt.

Mit einem weiteren Transport aus Oranczyce kommen 2.834 jüdische Menschen aus dem Ghetto in Pruzany, darunter 750 Kinder, in Auschwitz an. 180 Frauen und 313 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 2.341 Menschen werden in den Gaskammern  ermordet. (Czech, S. 399-400)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

14.01.- 25.01.1943

Casablanca-Konferenz der USA und Großbritanniens

Roosevelt und Churchill vereinbaren die Formel "Unconditional surrender": es solle Deutschland nicht gestattet werden, den Krieg anders als durch seine bedingungslose Kapitulation zu beenden.

20.01.1943

Die eingeschlossenen deutschen Truppen in Stalingrad werden durch eine sowjetische Offensive in zwei Kessel getrennt.

31.01.1943

General Paulus unterzeichnet in Stalingrad die Kapitulation seiner Truppen.


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