CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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September 1943

Niederlande

Die letzten Amsterdamer Juden, einschließlich der Leiter des Judenrats, werden in das Lager Westerbork zur späteren Deportation geschickt. (IMT, PS-1726)

02.09.1943

Generalgouvernement/Auschwitz

Ankunft eines Transports aus dem Ghetto und Arbeitslager von Bochnia mit ungefähr 3.000 Menschen in  Auschwitz. 788 Männer und 42 Frauen werden in das Lager eingewiesen; etwa 2.170 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Niederlande

Aus Westerbork werden 1.004 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert; darunter befinden sich 160 Kinder und 195 alte Menschen. 259 Männer und 247 Frauen werden als Häftlinge übernommen; die anderen annähernd 500 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 593)

Generalgouvernement

Die Deutschen "liquidieren" das Ghetto von Tarnow (Südpolen). 7.000 Menschen werden nach Auschwitz deportiert, 3.000 in das Arbeitslager Plaszów. 300 Menschen werden für die Aufräumarbeiten zurückgehalten und Ende des Jahres ebenfalls nach Auschwitz gebracht.

In Tarnow hatten vor dem Krieg etwa 25.000 Juden gelebt. (EdH, S. 1397-1398)

Erlaß Hitler über die Konzentration der Kriegswirtschaft

Die Kompetenzen des Reichswirtschaftsministeriums auf dem Gebiet der Rohstoffe und der Produktion gehen auf den Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Speer, über, der sich nun Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion nennt.

02.- 03.09.1942

Generalgouvernement

Die Deutschen beginnen mit der "Liquidierung" der Sektion B des Ghettos von Przemysl (Südostpolen), wo die nicht arbeitsfähigen oder nicht zur Arbeit benötigten Menschen untergebracht sind. Ungefähr 3.500 Frauen, Männer und Kinder werden zusammengetrieben und nach Auschwitz abtransportiert. Aus dem Arbeitslager (Sektion A) werden 600 Menschen "selektiert" und einige Wochen später (nach Aufenthalt in einem Zwischenlager) ebenfalls nach Auschwitz gebracht. Weitere 1.000 Menschen, die von den Deutschen in Verstecken aufgespürt worden waren, werden am 11. September erschossen. (EdH, S. 1174)

04.09.1943

Frankreich/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit 1.000 jüdischen Menschen aus dem Lager Drancy in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 232 Männer und 106 Frauen als Häftlinge registriert. 662 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 596)

08.09.1943

Auschwitz

Zwei Transporte aus Theresienstadt mit insgesamt 5.006 Menschen kommen in Auschwitz an. Sie werden in einem besonderen Lagerkomplex zusammengelegt, es finden keine "Selektionen" statt; die Gefangenen werden (offenbar zu Tarnungs- und Propagandazwecken) angehalten, an Bekannte und Verwandte in Theresienstadt und an ihren früheren Wohnorten zu schreiben.

Trotz der relativ etwas besseren Behandlung war die Sterblichkeit auch in diesem Lager sehr hoch. Bis zum März 1944 waren ungefähr 1.140 Menschen ums Leben gekommen. Am 8./9. März 1944 wurden 3.791 Menschen aus diesem Lagerkomplex in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 600, 603 und S. 734-737)

Dänemark

Der deutsche Vertreter in Kopenhagen, Best, schlägt in einem Telegramm an das Auswärtige Amt vor, das "Juden- und Freimaurerproblem" zum augenblicklichen Zeitpunkt zu lösen, da dänischen Gegenreaktionen während des Ausnahmezustands leichter zu begegnen wäre. (ADAP, Serie E, Bd. VI, Nr. 287)

09.09.1943

Niederlande/Auschwitz

Ein Transport mit 987 Juden aus dem Lager Westerbork, darunter 170 Kinder und 215 alte Menschen, kommt in Auschwitz an. 187 Männer und 105 Frauen werden in das Lager eingewiesen, die anderen 695 Menschen werden ermordet. (Czech, S. 602)

RK Ostland

Nach Auschwitz werden über 1.200 Gefangene - 753 Frauen und 459 Männer - eingeliefert, die im Gebiet von Witebsk (Weißrußland) festgenommen worden waren. Ihnen wird pauschal vorgeworfen, mit Partisanen zusammengearbeitet oder ihnen geholfen zu haben. (Czech, S. 602)

10.09.1943

RK Ostland

2.000 Menschen aus dem Ghetto von Minsk (Weißrußland) werden in das Arbeitslager Budzyn in der Nähe von Lublin gebracht.

14.09.1943

Niederlande

Aus Westerbork geht ein Transport mit 305 jüdischen Menschen nach Theresienstadt ab.

15.09.1943 (und folgende Tage)

Italien

Menschenjagd der deutschen Polizei auf Juden im Gebiet des Lago Maggiore, Norditalien.

16.09.1943

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 1.005 Juden nach Auschwitz eingeliefert. In dem Transport befinden sich 119 Kinder und 245 alte Menschen. Nach der "Selektion" werden 194 Frauen und 233 Männer in das Lager eingewiesen. 578 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 608)

Italien

In Merano (Südtirol) werden 25-35 Juden festgenommen und nach Auschwitz deportiert.

17.09.1943

Dänemark

Das Auswärtige Amt teilt seinem Vertreter in Kopenhagen, Best, mit, daß die Deportation der Juden aus Dänemark "im Prinzip" beschlossen sei. Er soll Vorschläge für die Durchführung machen.

Best fordert Verstärkung der Polizeitruppen und Schiffsraum für den Abtransport von etwa 5.000 Menschen aus dem Raum Kopenhagen sowie Züge für die 2.000 Juden in Jütland und auf Fünen an. (Benz, Dimension, S. 175; ADAP, Serie E, Bd. VI, Nr. 344)

18.09.1943

RK Ostland

Die letzten Überlebenden aus dem Ghetto von Lida (Weißrußland) werden von der deutschen Polizei zusammengetrieben und in das Vernichtungslager Majdanek abtransportiert.

19.09.1943

Generalgouvernement/Auschwitz

Aus dem Ghetto von Dabrowa Tarnowska (Südpolen) werden etwa 1.300 Juden nach Auschwitz eingeliefert und am selben Tag in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 610)

20.09.1943

Griechenland

Eichmanns Mitarbeiter Wisliceny trifft in Athen ein. Er läßt am folgenden Tag den dortigen Chefrabbiner Barzilai kommen und fordert von ihm ultimativ die Bildung eines Ältestenrates als ausführendes Organ der deutschen Dienststellen, Namenslisten der ansässigen Juden sowie der Flüchtlinge aus anderen Gebieten. Barzilai entschließt sich, mit seiner Familie Zuflucht bei den Partisanen der ELAS zu suchen. (Benz, Dimension, S. 260)

22.09.1943

Belgien/Auschwitz

Mit zwei Transporten aus dem Lager Malines werden ungefähr 1.423 Juden - darunter 241 Kinder - nach Auschwitz eingeliefert. 371 Männer und 179 Frauen werden als Häftlinge übernommen; die anderen 873 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 612)

Der eine der beiden Transporte besteht aus 639 nicht-belgischen Juden, der andere aus 794 belgischen Staatsangehörigen, die in der Nacht vom 3. auf den 4. September in Brüssel und Antwerpen festgenommen worden waren. (Benz, Dimension, S. 130)

23.09.1943

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 979 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 288 Frauen und 303 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 388 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 612)

Dänemark

Notiz Außenminister Ribbentrops für Hitler.

Der deutsche Vertreter in Kopenhagen, Best, hat "darauf hingewiesen, daß die Durchführung der Judenaktion die politische Lage in Dänemark wesentlich verschärfen werde. Man dürfe dann nicht mehr damit rechnen, eine verfassungsmäßige Regierung in nächster Zeit bilden zu können. Es könnte zu Unruhen und gegebenenfalls zum Generalstreik kommen. Möglicherweise würde der König und der Reichstag ihre weitere Mitwirkung an der Regierung des Landes einstellen, vielleicht danke der König auch ganz ab.

Im Hinblick auf die Bedenken des Reichsvertreters in Dänemark bitte ich um Weisung, ob der Führer die Judenaktion jetzt durchgeführt zu sehen wünscht. Bejahendenfalls wäre es dann richtig, die Aktion noch während des Ausnahmezustandes vorzunehmen."

Aus den handschriftlichen Anmerkungen geht hervor, daß die Notiz Hitler vorgelegt wurde, daß er an die erwähnten negativen Folgen nicht glaube und daß die Aktion "wie befohlen" durchgeführt werden soll (ADAP, Serie E, Bd. VI, Nr. 344)

23. - 24.09.1943

RK Ostland

"Liquidierung" des Ghettos von Wilna (Litauen). 3.700 Männer und Frauen werden zur Zwangsarbeit in Konzentrationslager in Estland und Lettland abtransportiert. Mehr als 4.000 Kinder, Frauen und alte Leute werden in das Vernichtungslager Sobibor geschickt, wo sie ermordet werden. Mehrere hundert alte Leute und Kinder werden nach Ponary gebracht und dort getötet.

Ungefähr 2.500 Juden lebten nach dieser Mordaktion noch "offiziell" in Wilna, da sie von den Deutschen als Arbeitskräfte benötigt wurden. Etwa 1.000 Menschen hielten sich im Ghetto versteckt; die meisten wurden in den nächsten Monaten gefaßt. Einige hundert Mitglieder einer bewaffneten jüdischen Widerstandsgruppe konnten aus dem Ghetto entkommen. Sie  bildeten zwei Partisanengruppen in nahegelegenen Wäldern. (EdH, S. 1602-1603)

26.09.1943

Italien

Die Deutschen fordern die jüdische Gemeinde Roms auf, 50 Kilogramm Gold zu sammeln und innerhalb von 36 Stunden dem SS-Kommandanten Kappler zu übergeben; anderenfalls würden 200 Juden deportiert.

Trotz Aufbringung des Goldes plündert die SS am 29. September die alte, wertvolle Bibliothek und das Archiv der Gemeinde, schleppt auch weitere Wertsachen weg.

28.09.1943

Runderlaß des Reichsinnenministers

"Es ist mit der Achtung und dem Vertrauen, die dem Beamten entgegengebracht werden sollen, nicht vereinbar, daß er die Ehe mit einer Frau schließt, die mit einem Juden verheiratet war."
Beamte sind auf diese besondere Pflicht aufmerksam zu machen. (Walk, S. 401)

Dänemark

Best meldet nach Berlin, daß er bereit sei, die Deportation der Juden aus Dänemark in einer einzigen Nacht, am 1. Oktober, durchzuführen. Der Plan wird durch den deutschen Schiffahrtsexperten Duckwitz, der Kontakte zu dänischen Sozialdemokraten unterhält, bekannt. Weniger als 500 Juden werden von den Deutschen gefangen genommen und deportiert. Über 7.000 Menschen können mit Hilfe und Unterstützung zahlreicher Dänen nach Schweden entkommen: 5.919 Juden; 1.301 "Halbjuden" und 686 Ehepartner von Juden.
Die schwedische Regierung hatte, als sie am 29. September Einzelheiten der geplanten Aktion gegen die Juden erfuhr, der deutschen Regierung ihre Bereitschaft mitgeteilt, alle Juden aus Dänemark aufzunehmen.

29.09.1943

Niederlande

In einer generalstabsmäßig vorbereiteten Razzia nimmt die deutsche Polizei die noch verbliebenen Juden fest, unter ihnen auch die führenden Mitglieder des Judenrates.

Auch die etwa 660 in dem kleinen Ort Barneveld internierten Juden, die bis dahin von einigen niederländischen Politikern geschützt worden waren, wurden Ende September in das Lager Westerbork geschafft.

Insgesamt lebten in den Niederlanden im Herbst 1943 noch etwa 15.500 Juden mit vorläufiger offizieller Zustimmung außerhalb der "Durchgangs"- und Konzentrationslager, darunter 10.500 aus "Mischehen", 1.000 Christen und 3.000 durch ein "Rassegutachten" der deutschen Besatzungsbehörden relativ geschützte. Im Lager Westerbork befanden sich am 1. Oktober 1943 rund 9.300 und in Vught 1.800 jüdische Gefangene.  Ungefähr 20.000 jüdische Menschen hielten sich, meist mit Hilfe von Niederländern, versteckt.

Etwa 86.000 Juden waren bis zu diesem Zeitpunkt nach Auschwitz und Sobibór deportiert worden, weitere 2.000 nach Mauthausen, Buchenwald und Ravensbrück. (Benz, Dimension, S. 155-156)

30.09.1943

Auschwitz

Mit einen Transport aus Berlin kommen 81 Juden in Auschwitz an. 13 werden als Häftlinge übernommen, 68 in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 617)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

03.09.1943

Landung der Alliierten in Kalabrien, Süditalien.

04.09.1943

Hitler ordnet die Räumung des Kuban-Brückenkopfes und den Rückzug auf die Krim an.

07.09.1943

UdSSR

Befehl Görings (auf Weisung Hitlers), betr. die Räumung der Erntevorräte und die Zerstörung der Produktionsmöglichkeiten in den besetzten Gebieten der UdSSR:
landwirtschaftliche Erzeugnisse und  industrielle Betriebsmittel sind beim Rückzug der Wehrmacht abzutransportieren; ernährungswirtschaftliche Betriebe und landwirtschaftliche Einrichtungen sind zu zerstören; landwirtschaftliche Arbeiter sind nach Westen abzuführen. (IMT, EC-317)

08.09.1943

Die italienische Regierung Badoglio unterzeichnet den Waffenstillstand mit den Alliierten.

Die deutsche Wehrmacht besetzt die noch nicht von den Alliierten befreiten Teile Italiens (einschließlich Rom) und die italienischen Besatzungsgebiete in Südfrankreich, Kroatien/Dalmatien, Albanien, Südgriechenland, Kreta, Korfu, Rhodos und Kos. Die italienischen Truppen werden von der Wehrmacht entwaffnet und in Konzentrationslager gesperrt, an manchen Orten auch in großer Zahl erschossen.

09.09.1943

Landung amerikanischer Truppen bei Salerno in Süditalien. Sie bilden einen Brückenkopf, der aber zunächst von der deutschen Wehrmacht abgeriegelt werden kann.

12.09.1943

Italien

Eine deutsche Kommandotruppe befreit Mussolini aus seinem Internierungsort auf dem Gran Sasso. Er bildet am 22. September in Norditalien eine neue, vollständig von den Deutschen abhängige faschistische Regierung der "Sozialen Republik" mit Sitz in Salò am Lago di Garda.

25.09.1943

Die sowjetische Armee befreit Smolensk (Rußland).


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