CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Anfang November 1939

Verfügung des Reichsarbeitsministers

Bei der ärztlichen Untersuchung der körperlichen Eignung von Juden für den Arbeitseinsatz ist in einigen Bezirken anscheinend ein zu strenger Maßstab angelegt worden (Ergebnis: ein erheblicher Prozentsatz körperlich ungeeigneter Juden). Die Juden sollen deshalb erneut auf ihre Einsatzfähigkeit für körperliche Arbeiten überprüft werden. (Walk, S. 309)

02.11.1939

Goebbels Tagebuch (nach einem Besuch in Lodz)

"Fahrt durch das Ghetto. Wir steigen aus und besichtigen alles eingehend. Es ist unbeschreiblich. Das sind keine Menschen mehr, das sind Tiere. Das ist deshalb auch keine humanitäre, sondern eine chirurgische Aufgabe. Man muß hier Schnitte tun, und zwar ganz radikale. Sonst geht Europa einmal an der jüdischen Krankheit zugrunde. Fahrt über polnische Straßen. Das ist schon Asien. Wir werden viel zu tuen haben, um dieses Gebiet zu germanisieren." (Fröhlich I, Bd. 3, S. 628)

03.11.1939

Goebbels Tagebuch

"Das englische Weißbuch über unsere K.Z. erregt einiges Aufsehen. Ich werde dagegen 2 Weißbücher vorbereiten: eins über englische Kolonialgreuel und eins über englische Presselügen. Damit neutralisiere ich das zum großen Teil. (...)

Beim Führer. Ich gebe ihm Bericht über meine Polenreise, die ihn sehr interessiert. Vor allem meine Darlegung des Judenproblems findet seine volle Zustimmung. Der Jude ist ein Abfallprodukt. Mehr eine klinische als eine soziale Angelegenheit. Englands Schützlinge! Das müssen wir in unserer Propaganda viel mehr herauskehren." (Fröhlich I, Bd.3, S. 630)

07.11.1939

Generalgouvernement

Im Gespräch mit dem Gouverneur des Distrikts Warschau, Fischer, billigt Frank dessen Absicht, in Warschau ein Ghetto zu errichten. (Präg, S. 59)

08.11.1939

Generalgouvernement: Sitzung der Distriktchefs und Amtsleiter

Bericht von Polizeichef Krüger: Bis zum Frühjahr müßten vom Generalgouvernement eine Million Menschen - 600.000 Juden und 400.000 Polen - aus den annektierten Gebieten aufgenommen werden. Außerdem sollen demnächst auch alle Juden und Zigeuner aus Deutschland ins GG geschafft werden. Besonders vordringlich sei die Einführung des Arbeitszwangs für die Juden. Die jüdische Bevölkerung müsse möglichst aus den Städten herausgezogen und zu Straßenarbeiten herangezogen werden. Die schwierigen Fragen der Unterbringung und Verpflegung - für die die Reichsregierung nicht aufkommen will - müßten noch geklärt werden. (Präg, S. 60-61; IMT, PS-2233)

Zwischen dem 1. und 17. Dezember 1939 wurden in 80 Transporten annähernd 88.000 Polen und Juden aus dem Reichsgau Wartheland in das GG abgeschoben. Am 8. November wurde in einer Polizeibesprechung in Krakau festgelegt, daß bis Ende Februar 1940 sämtliche Juden und Polen aus den neu annektierten ehem. polnischen Westgebieten "evakuiert" werden sollten. Dieses Planziel wurde jedoch bei weitem nicht erreicht. (Präg, S. 60 Fußnote)

Bombenattentat auf Hitler

Bombenattentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräu-Keller. Hitler, der die Versammlung vorzeitig verlassen hatte, bleibt unverletzt und arbeitet an seinem Mythos, er stehe im Schutz der "Vorsehung".

Ministerkonferenz im Propagandaministerium

"Herr Gutterer soll Material über die Verjudung der britischen Presse, der Bankenwelt und der Regierungskreise zusammentragen lassen. Die Presse soll bereits jetzt ihre Kritik an den englischen Verhältnissen auf dem Gebiet 'jüdische Kriegshetzer' ansetzen und sich weniger mit den Mängeln auf organisatorischem Gebiet befassen. In diesem Zusammenhang sollen Aussprüche berühmter Engländer über die Judenfrage gesammelt werden und Verwendung finden." - Entsprechende Anweisung erging am gleichen Tag an die Presse. (Boelcke I, S. 221)

Goebbels Tagebuch (nach einem Treffen bei Hitler)

"Frick (Reichsinnenminister) berichtet über die Judenfrage in Polen. Er ist für etwas sanftere Methoden. Ich protestiere dagegen. Ley (Arbeitsfront) ebenfalls. Allerdings bin ich auch nicht sehr dafür zu haben, daß Lodz eine deutsche Stadt werden soll. Das ist ja nur ein Dreckshaufen, in dem fast ausschließlich Ausschuß aus Polen und Juden wohnt." (Fröhlich I, Bd. 3, S. 635)

09.11.1939

Wartheland

Die Region und Stadt Lodz wird dem Warthegau zugeschlagen, u.a. um zusätzlich Platz für die Ansiedlung der Baltendeutschen zu gewinnen. Damit vervierfacht sich die Zahl der Juden, die aus dem Warthegau in das nunmehr verkleinerte Generalgouvernement abgeschoben werden sollen, auf etwa 400.000 Menschen. (Aly, Endlösung, S. 68 und 127)

10.11.1939

Generalgouvernement

In einer Dienstbesprechung führt Frank aus, daß durch eine allgemeine Verordnung jüdische Ältestenräte eingesetzt werden müßten. Ihre Aufgabe soll darin bestehen, "die Befehle der deutschen Behörden an die Juden zu übermitteln und die Durchführung dieser Befehle sicherzustellen. Weisungen der Ältestenräte hätten die Juden auszuführen. Bei Nichtausführung solcher Weisungen durch die Juden müßten schärfste Strafen für die Ältestenräte vorgesehen werden." (Präg, S. 64-65)

12.11.1939

Wartheland

Geheimes Rundschreiben des SS- und Polizeiführers für das Wartheland, Koppe, an die Oberbürgermeister, Landräte, Polizeistellen und Dienststellen der Wirtschaft im Wartheland.

"Betr. Abschiebung  von Juden und Polen aus dem Reichsgau Warthe-Land

1) Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei (Himmler) hat in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums angeordnet, daß aus den ehemals polnischen Gebieten, die nunmehr zum Reich gehören, a) alle Juden und b) alle diejenigen Polen abgeschoben werden, die entweder zur Intelligenz gehören oder aber auf Grund ihrer nationalpolitischen Einstellung eine Gefahr für die Durchsetzung und Festigung des Deutschtums darstellen können. Kriminelle Elemente sind diesen gleichzustellen.

Ziel der Abschiebung ist: a) die Säuberung und Sicherung der neuen deutschen Gebiete, b) die Schaffung von Wohnungen und Erwerbsmöglichkeiten für die einwandernden Volksdeutschen. (...)

2) Auf Grund einer Besprechung beim Generalgouverneur in Krakau erstreckt sich der Abtransport aus dem Warthe-Gau für die Zeit vom 15.11.1939 bis 28.2.1940 auf zunächst 200.000 Polen und 100.000 Juden.

3) Als Unterbringungsraum für die von hier aus Abgeschobenen sind die Bereiche südlich Warschau und Lublin bestimmt.

4) Es sind im Rahmen dieser Erstaktion abzuschieben aus den Landkreisen alle Juden, außerdem aus den kleinsten Kreisen mindestens 2.000 Polen, aus den größeren eine entsprechend höhere Zahl. (...)

Mit den vorbereitenden Maßnahmen ist umgehend zu beginnen. Es muß dabei berücksichtigt werden, daß die Zahl der Abgeschobenen vorläufig größer ist als die Zahl der umzusiedelnden Volksdeutschen aus dem Baltikum, Generalgouvernement und Wolhynien.

Die Säuberung und Sicherung des Bereiches ist mit allen Konsequenzen erst dann erreicht, wenn die geistig führende Schicht, die gesamte Intelligenz sowie alle politischen und kriminellen Elemente entfernt sind. Alle bewußt polnisch fühlenden Personen sind gleichfalls abzuschieben. Bei der Intelligenz braucht der Tatbestand der politischen oder deutschfeindlichen Betätigung nicht gegeben zu sein. (...)

5) Für die berufliche Unterbringung der Volksdeutschen ist es dringend erforderlich, daß eine ausreichende Zahl von handwerklichen Betrieben und von Geschäften frei gemacht wird. Arbeiter der Faust, kleine Angestellte und Beamte, die nicht als bewußte Nationalpolen anzusehen oder kriminell vorbestraft sind, bleiben von der Evakuierung ausgeschlossen, da sie als Arbeitskräfte dringend benötigt werden. (...)

Der Abtransport wird nach Möglichkeit so vor sich gehen, daß kreisweise die vollständige Abschiebung durchgeführt wird. Die Beförderung findet ausschließlich durch Reichsbahn statt. Die bereitgestellten Züge fassen 900 bis 1.000 Personen. (..)

Jede Evakuierung von Polen ist individuell vorzubereiten; wahllose Massenräumungen von Stadtvierteln oder Straßenzügen haben zu unterbleiben, da dadurch auch ungefährliche Polen betroffen werden, die als Arbeitskräfte nicht zu entbehren sind." (Adler, S. 111-112)

Wartheland

Der "Judenälteste" von Lodz, Rumkowski, erhält von den Deutschen Befehl, eine Liste mit 50.000 Namen zur "Aussiedlung" bereitzustellen. Zwischen 15.11.39 und 28.2.40 werden mehrere tausend Juden aus Lodz ins Generalgouvernement deportiert.

15.11.1939

Wartheland

Die Deutschen zerstören in der Stadt Lodz alle Synagogen.

16.11.1939

Wartheland

Die "Lodzer Zeitung" teilt die Einführung eines Kennzeichens für die jüdische Bevölkerung, bestehend in einer 10 cm breiten gelben Armbinde, mit. Ebenfalls im November 1939 wird in Sosnowiec/Sosnowitz und im Januar 1940 in Bedzin/Bensburg, Königshütte und Krenau ein Juden-Kennzeichen eingeführt. (Adler, S. 47-48)

Goebbels Tagebuch

"Spieler kommt aus Lodz und Warschau zurück und berichtet. Er hat all meine Eindrücke bestätigt gefunden. In Lodz herrschen noch tolle Zustände. Die Judenplage wird allmählich unerträglich. Dazu regieren so ziemlich alle Stellen gegeneinander. Warum nur muß dieser Dreckhaufen eine deutsche Stadt werden! Es ist ja eine Sisiphusarbeit, Lodz germanisieren zu wollen. Und wir hätten diese Stadt so gut als Abladeplatz benützen können." (Fröhlich I, Bd.3, S. 645)

20.11.1939

Angeblich um zu verhindern, daß Juden, deren Rundfunkapparate beschlagnahmt wurden, sich neue Geräte anschaffen, hat der Wirtschaftsminister die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel angewiesen, ihre Mitglieder aufzufordern, Namen und Adressen aller Käufer von Rundfunkapparaten festzustellen und zu registrieren. (Walk, S. 310)

23.11.1939

Generalgouvernement

Frank ordnet Kennzeichnungspflicht für alle Juden ab dem 10. Lebensjahr an: Am rechten Ärmel der Kleidung und Überkleidung muß ein "mindestens 10 cm breiter weißer Streifen mit dem Zionsstern" getragen werden. "Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bestraft." (VBl GG 1939, S. 61)

Wartheland

Bericht des Wehrkreiskommandos XXI (Posen) an den Befehlshaber des Ersatzheeres.

Es wird Klage über unkontrollierte Einsätze von SS-Formationen geführt. In fast allen größeren Städten habe es öffentliche Erschießungen gegeben, deren Opfer oft nach unverständlichen Kriterien ausgewählt wurden. In den Städten würden nächtliche Abtransporte in Konzentrationslager durchgeführt, wobei Plünderungen eine ständige Begleiterscheinung seien. "In mehreren Städten wurden Aktionen gegen Juden durchgeführt, die zu schwersten Übergriffen ausarteten."

"In Lodz ist vertraulich bekannt geworden, daß der SS-Oberführer Mehlhorn folgende Anordnungen getroffen hat:
1.) An Polen und Juden werden ab 9.11. keine Arbeitslosenunterstützungen mehr ausgezahlt, lediglich die Pflichtarbeit wird entschädigt. (Maßnahme bereits bestätigt)
2.) Juden und Polen werden ab 9.11. von der Zuteilung der rationierten Lebensmittel und der Kohlen ausgeschlossen.
3.) Durch Provokationen sollen Unruhe und Zwischenfälle hervorgerufen werden, um die Durchführung der volkspolitischen Arbeit zu erleichtern.
4.) Die Feuerwehr ist sofort zu verstärken, um bei zufälligen Bränden in jüdischen und polnischen Wohnvierteln und Fabriken ein unerwünschtes Übergreifen auf andere Objekte zu verhindern.
(Die Maßnahmen zu 2. und 4. sind noch nicht bestätigt.)"
(IMT, D-419)

25.11.1939

Zwei Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes, Wetzel und Hecht, legen ein Memorandum "Die Frage der Behandlung der ehemaligen polnischen Gebiete nach rassenpolitischen Gesichtspunkten" vor.

"Juden sind, gleichgültig ob Glaubensjuden oder getaufte, rücksichtslos und schnellstens unter Aufhebung ihrer sämtlichen Verbindlichkeiten nach Restpolen abzuschieben."
Ebenso sei mit allen polnisch-jüdischen und deutsch-jüdischen Mischlingen ersten Grades zu verfahren. Deutsch-jüdische Mischlinge zweiten Grades ("Vierteljuden") sollten verschont bleiben, wenn ihr "bisheriges politisches und völkisches Verhalten" nicht zu beanstanden war. (Adler, S. 109)

28.11.1939

Generalgouvernement

Verordnung Franks über die Einsetzung von Judenräten in allen Gemeinden. Die Gremien sollen von den Juden selbst gewählt werden, doch entscheidet über die endgültige Zusammensetzung der deutsche Kreis- bzw. Stadthauptmann. Aufgabe der Judenräte ist es, Befehle deutscher Dienststellen auszuführen. U.a. sollen sie bei der Registrierung der Arbeitspflichtigen mitwirken.

29.11.1939

Erlaß Himmlers

"Juden und Polen, die aus einem Gebiet des Deutschen Reiches in das Generalgouvernement umgesiedelt wurden, sich aber entgegen dem Umsiedlungsbefehl auf dem Gebiet des Deutschen Reiches, wenn auch in einer anderen Provinz aufhalten, sind sofort standrechtlich zu erschießen." (Adler, S. 114)

30.11.1939

Die UdSSR beginnt einen Krieg gegen Finnland.


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