CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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August 1942

Generalgouvernement

Bei der Stadt Kielce wird, angrenzend an eine Munitionsfabrik, ein Zwangsarbeitslager für Juden, Skarzysko-Kamienna, errichtet.
Die Fabrik gehörte dem deutschen HASAG-Konzern. Das Lager bestand bis zum 1. August 1944. Die meisten Häftlinge kamen aus dem besetzten Polen, einige auch aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei, den Niederlanden und Frankreich. Die durchschnittliche Zahl der Insassen betrug 6.000. Zwischen dem 1. Oktober 1942 und dem 31. Januar 1943 starben in dem Lager 3.241 jüdische Gefangene. Die Gesamtzahl der dorthin Deportierten wird auf 25.-30.000 geschätzt, die Zahl der dort Umgekommenen auf 18.-23.000. (EdH, S. 1318)

Serbien

Der Chef der deutschen Zivilverwaltung in Serbien, Turner, meldet: "Serbien ist das einzige Land Europas, in dem das Judenproblem gelöst wurde." (EdH, S. 175)

Bulgarien

Bildung des Kommissariats für jüdische Angelegenheiten (KEV) im bulgarischen Innenministerium. Es hat die Aufgabe, das Gesetz zum Schutz der Nation vom 21. Januar 1941 und die zugehörigen Ausführungsbestimmungen anzuwenden. Die jüdischen Gemeindevorstände werden ihrer Befugnisse beraubt und dem KEV unterstellt. Zum Kommissar für jüdische Angelegenheiten wird der rechtsextrem orientierte Rechtsanwalt Belev ernannt. (EdH, S. 264)

01.08.1942

Slowakien/Auschwitz

Aus einem slowakischen Deportationszug werden in Auschwitz 75 jüdische Frauen und 165 Männer als "arbeitsfähig" ausgewählt; die anderen Insassen dieses Zuges werden in die Gaskammern geschickt.

Niederlande

Aus Westerbork kommt ein Transport mit 1.007 jüdischen Menschen - 540 Männer und Jungen, 467 Frauen und Mädchen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 317 Frauen und 490 Männer als Häftlinge übernommen; die anderen 200 Menschen, insbesondere die Kinder, werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 263)

Generalgouvernement

Rede Franks bei einer Großkundgebung in Llow/Lemberg.

"Wir können dem Führer gar nicht genug dafür danken, daß er mit seinem Entschluß dieses alte Judennest, diese verwahrloste Burg von Raubrittern der Straße und der Gasse, dieses Polackensiedlungsheim endlich deutschen Fäusten anvertraut hat, die mit der Schaufel in der Hand, mit Insektenpulver und sonstigen notwendigen Bedarfsartikeln dafür gesorgt haben, daß sich ein deutscher Mensch wieder hier aufhalten kann. (Stürmischer Beifall) (...)

Ich spreche hier nicht von den Juden, die wir hier noch haben; mit diesen Juden werden wir auch fertig. Übrigens habe ich heute gar nichts mehr davon gesehen. Was ist denn das? Es soll doch in dieser Stadt einmal Tausende und Abertausende von diesen Plattfußindianern gegeben haben - es war keiner mehr zu sehen. Ihr werdet doch am Ende mit denen nicht böse umgegangen sein? (Große Heiterkeit)

Immerhin, auch dieses Problem packen wir Nationalsozialisten nach unserem Parteiprogramm an. Es war gerade hier besonders deutlich. Mein Gott, wenn ich einmal meine Memoiren schreibe und darstellen werde, wie ich mit fünf Mann in Posen einzog, um dem Auftrag des Führers zur Gründung des Generalgouvernements zu entsprechen, - das war ja nicht zu beschreiben, was da für Juden umeinanderliefen, von einer Scheußlichkeit, daß man sich wundern muß, daß die Erde ihren Betrieb nicht eingestellt hat, (Große Heiterkeit) Juden von einer so erschütternden Grauenhaftigkeit, daß ich glaube, auch der erbittertste Gegner der nationalsozialistischen Bewegung wäre eines anderen belehrt worden, wenn er das hätte sehen können." (IMT, PS-2233; Präg, S. 532ff)

01.- 03.08.1942

Auschwitz

Annähernd 5.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder werden in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. (Czech, S. 265)

02.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem französischen Lager Pithiviers werden 359 jüdische Frauen und 693 Männer in das KL Auschwitz eingeliefert. (Czech, S. 264)

04.08.1942

Protektorat/RK Ostland

Transport aus Theresienstadt mit rund 1.000 Menschen nach Minsk oder dem nahegelegenen Lager Maly Trostinec - offenbar um sie dort zu ermorden.

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork kommt ein Deportationszug mit 1.013 jüdischen Menschen - 493 Frauen und Mädchen, 520 Männer und Jungen - in Auschwitz an. 429 Männer und 268 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen 316 Menschen, insbesondere die Kinder, werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 266)

Frankreich

Besprechung der beteiligten Dienststellen betr. "Richtlinien für die Behandlung von ausgesiedelten Elsässern".

"Die erste Ausweisungsaktion wurde im Elsaß in der Zeit vom Juli bis Dezember 1940 durchgeführt und von ihr 105.000 Personen ausgewiesen bzw. an der Rückkehr verhindert. Es waren dies hauptsächlich Juden, Zigeuner und andere Fremdrassige, Verbrecher, Asoziale und unheilbare Geisteskranke, ferner Franzosen und Frankophile. Die Patois-Bevölkerung wurde von dieser Aussiedlungswelle in der gleichen Weise wie die übrigen Elsässer durchgekämmt. (Anm. d. Red.: Patois: eigentlich ein abwertender Ausdruck für eine umgangssprachliche, sozial niedrigstehende französische Mundart. Meint hier anscheinend die französischsprachige Bevölkerung des Elsaß.)

Unter Berufung auf die vom Führer erteilte Genehmigung, das Elsaß von allem Fremden, Kranken und Unzuverlässigen zu säubern, hat Gauleiter Wagner vor kurzem auf die politische Notwendigkeit einer zweiten Aussiedlungsaktion hingewiesen, die möglichst bald vorbereitet werden soll. Von dieser Maßnahme sollen folgende Personenkreise ergriffen werden:

  • a) Die farbigen Personen und deren Abkömmlinge: Neger und deren Mischlinge, Zigeuner und deren Abkömmlinge, Juden vom Halbjuden aufwärts, jüdische Mischehen.
  • b) Die Fremdvölkischen und deren Abkömmlinge.
  • c) Die Patois-Bevölkerung.
  • d) Die Asozialen.
  • e) Die unheilbar Geisteskranken."

Die anwesenden Vertreter der SS-Hauptämter einigten sich auf folgende Stellungnahme: (...)

  1. Den Evakuierungsplänen des Gauleiters könne grundsätzlich zugestimmt werden, "da sie sich tatsächlich nur auf einen Personenkreis beschränken, der aus rassischen und politischen Gründen für das Reich untragbar ist.
  2. Die Absiedlung der Patois-Bevölkerung sollte grundsätzlich bis Kriegsende verschoben werden, soweit es sich nicht um Personen handelt, die infolge ihres politischen Auftretens im Elsaß untragbar sind.
  3. Der Absiedlung der unter a - c genannten Personen ist grundsätzlich zuzustimmen. Es ist darauf zu achten, daß der Personenkreis auf diejenigen Fälle beschränkt bleibt, deren Abschiebung unbedingt schon jetzt notwendig ist." (IMT, R-114)

05.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Deportationszug aus dem französischen Lager Pithiviers mit 982 jüdischen Frauen und 52 Männern kommt in  Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 542 Frauen und 22 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 470 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Belgien

Mit dem ersten belgischen Transport kommen 998 jüdische Menschen - 428 Frauen und Mädchen, 570 Männer und Jungen - aus dem Lager Malines in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 426 Männer und 318 Frauen als Häftlinge registriert, die anderen offenbar ermordet. (Czech, S. 267)

Generalgouvernement

Das sog. Kleine Ghetto in Radom wird von deutscher Polizei und ukrainischen Hilfstruppen abgeriegelt und "evakuiert". Unmittelbar an der Sammelstelle werden etwa 600 ältere Menschen und Kinder erschossen. 800 Männer und 20 Frauen werden zur Zwangsarbeit ausgesucht. Alle anderen, mehr als 6.000 Männer und Frauen, werden in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert, ebenso wie 2.000 Menschen aus dem sog. Großen Ghetto. (EdH, S. 1180)

07.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem französischen Lager Beaune-la-Rolande kommt ein Deportationszug mit 1.014 jüdischen Menschen - 426 Frauen und Mädchen, 588 Männer und Jungen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 96 Frauen und 214 Männer als Häftlinge übernommen; die anderen Insassen dieses Zuges werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 268)

Anordnung des RSHA

Es ist unerwünscht, daß Juden in Eingaben oder im sonstigen Schriftverkehr mit Behörden ihre früheren Titel oder Berufsbezeichnungen angeben. Im Nichtbeachtungsfalle haben die Betreffenden mit Weiterungen zu rechnen. - Die Anordnung trifft auch Juden in privilegierter Mischehe. (Walk, S. 383)

08.08.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork kommt ein Transport mit 987 jüdischen Menschen - 510 Männer und Jungen, 477 Frauen und Mädchen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 315 Männer und 149 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 269)

Schweiz/USA

Gerhard Riegner, Vertreter des World Jewish Congress (WJC) in der Schweiz, schickt aus Genf ein Telegramm an den WJC-Präsidenten Wise in New York und an den britischen Parlamentsabgeordneten Silverman in London: Er habe einen Bericht erhalten, daß im deutschen Führerhauptquartier geplant werde, alle Juden in den von Deutschland kontrollierten Gebieten (dreieinhalb bis vier Millionen Menschen) nach Osten zu deportieren und dort zu ermorden. Die Aktion sei für den Herbst geplant. Es sei über verschiedene Mordmethoden, u.a. durch Blausäure, gesprochen worden.
Er teile diese Information unter Vorbehalt mit, da die Richtigkeit nicht bestätigt sei. Sein Informant behaupte, Verbindungen zu höchsten deutschen Stellen zu haben; seine Berichte seien im allgemeinen zuverlässig.

Die dem Telegramm zugrunde liegenden Informationen stammten von Eduard Schulte, einem Breslauer Geschäftsmann. Silverman erhielt Riegners Botschaft erst am 17. August und leitete sie am 27. August an Wise weiter. Dieser wandte sich an das amerikanische Außenministerium und wurde darum gebeten, die Information bis zum Vorliegen einer Bestätigung nicht zu veröffentlichen. Wise erklärte sich einverstanden, unterrichtete aber Präsident Roosevelt, mehrere Regierungsmitglieder sowie christliche Geistliche. Nachdem die US-Regierung schließlich von der Richtigkeit der Nachricht überzeugt war, übergab Wise am 24. November 1942 die Informationen aus dem Telegramm der Presse.

RK Ostland

Die Deutschen ermorden 2.500 Menschen aus dem Ghetto von Nowogrudok (Weißrußland).

08. - 17.08.1942

Generalgouvernement

SS und ukrainische Hilfspolizei führen eine mehrtägige "Aktion" gegen die jüdische Bevölkerung von Drogobytsch (Ukraine) durch. Über 600 Menschen werden im Verlauf dieser "Razzien" in den Häusern und auf den Straßen ermordet. 2.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder werden an mehreren Sammelpunkten zusammengetrieben und in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Nur Arbeiter, die als unentbehrlich für die Ölindustrie gelten, bleiben ausgenommen. (EdH, S. 371)

09.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus den französischen Lagern Pithiviers und Beaune-la-Rolande werden 1.069 Juden - 860 Frauen und Mädchen, 209 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. 211 Frauen und 63 Männer werden in das Lager übernommen; die anderen 794 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 269-270)

10.08.1942

Auschwitz

Die Verlegung des Frauenlagers aus den Stammlager von Auschwitz nach Birkenau wird abgeschlossen. Im Häftlingskrankenbau wird eine "Selektion" durchgeführt. Die schwerer erkrankten weiblichen Häftlinge werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 270)

10.08. - 15.08.1942

RK Ukraine

Die Deutschen "liquidieren" das Ghetto von Kremenez. Zusammen mit Juden aus der Umgebung werden insgesamt mehr als 6.000 Menschen erschossen. Etwa 1.500 werden in ein Zwangsarbeitslager gebracht.

Vor dem Krieg hatten in Kremenez ungefähr 15.000 jüdische Menschen, einschließlich etwa 4.000 Flüchtlinge aus Polen, gelebt. (EdH, S. 812-813)

10.08. - 23.08.1942

Generalgouvernement

Die Deutschen beginnen eine etwa vier Wochen dauernde "Aktion" gegen die Bevölkerung des Ghettos von Llow/Lemberg. Insgesamt werden in diesem Zeitraum 50.000 Menschen in das Vernichtungslager Belzec deportiert. (EdH, S. 852)

11.08.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 559 jüdische Menschen - 288 Männer und Jungen, 271 Frauen und Mädchen - nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 164 Männer und 131 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen 264 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 270)

Ungarn

Die ungarische Regierung protestiert dagegen, daß in Frankreich lebende Juden ungarischer Staatsangehörigkeit den "Judenstern" tragen müssen, sowie gegen die Beschlagnahme des Vermögens ungarischer Juden in Belgien. (Braham, Destruction I, Nr. 28)

Besetzte sowjetische Gebiete

Nachdem die jüdische Bevölkerung von Rostow am Don drei Tage vorher aufgefordert worden war, sich am 11. August zur "Umsiedlung" an einem Sammelplatz einzufinden, werden 2.000 Menschen mit LKWs in eine Schlucht außerhalb der Stadt gefahren und dort erschossen. (EdH, S. 1143)

Frankreich

Die deutsche Botschaft in Paris teilt dem Auswärtigen Amt mit, daß die französische Regierung bereit sei, mit der Auslieferung staatenloser Juden aus dem unbesetzten Gebiet zu beginnen.

"Ein erster Zug von 3.000 Juden, die zur Zeit in Lagern im unbesetzten Gebiet zusammengefaßt sind, wird bereits anfangs August zur Verfügung gestellt werden. Die Vertreter der französischen Regierung haben versprochen, weitere staatenlose Juden zu internieren und laufend zum Zwecke des Abtransports nach Auschwitz zu überstellen. Die gesamte Zahl der noch im unbesetzten Gebiet zu erfassenden staatenlosen Juden ist nicht genau bekannt. Man spricht von etwa 30.000." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 178)

11.- 13.08.1942

Wartheland

"Liquidierung" des Ghettos von Belchatow (südwestlich von Lodz) durch SS-Einheiten, unter Mitwirkung der deutschen Zivilbevölkerung und maßgeblicher Beteiligung des Chefs der Ghetto-Verwaltung von Lodz, Hans Biebow. 5.000 Menschen werden in das Vernichtungslager Chelmno abtransportiert und dort ermordet; 850 Menschen werden in das Ghetto von Lodz gebracht. (EdH, S. 168)

12.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Deportationszug aus dem französischen Lager Drancy mit 1.006 jüdischen Menschen, überwiegend Flüchtlinge aus Deutschland, kommt in Auschwitz an. 140 Männer und 100 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen 766, darunter etwa 400 alte Menschen, werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 271)

12.- 18.08.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

5.000 Juden aus Bedzin/Bendsburg und 8.000 aus Sosnowiec/Sosnowitz werden nach Auschwitz deportiert.

Aus Sosnowiec waren schon im Mai und Juni 1942 insgesamt 3.500 jüdische Menschen nach Auschwitz geschickt worden. Am 12. August wurden alle in Sosnowiec und Umgebung übrig gebliebenen Juden aufgefordert, sich auf dem zentralen Platz der Stadt zu versammeln, angeblich zum Gültigmachen ihrer Papiere. Nach einer bis zum 18. August dauernden "Selektion" wurden 8.000 Menschen nach Auschwitz abtransportiert. Ähnlich war der Ablauf in Bedzin. (EdH, S. 163-164 und 1339)

13.08.1942

Belgien/Auschwitz

Aus dem belgischen Lager Malines werden 999 jüdische Menschen - 445 Frauen und 68 Mädchen, 407 Männer und 79 Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 228 Frauen und 290 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 481 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 272)

Aus Wien geht ein Transport mit rund 1.000 Menschen nach Theresienstadt ab.

Frankreich

Himmler teilt der Sipo- und SD-Stelle in Paris mit, "die in den Lagern Pithiviers und Beaune-la-Rolande untergebrachten jüdischen Kinder können nach und nach auf die vorgesehenen Transporte nach Auschwitz verteilt werden."

Am 14. August wurden erstmals auch Kinder aus Frankreich nach Auschwitz geschickt. Die Transporte am 17., 19., 21. und 24. August bestanden jeweils etwa zur Hälfte aus Kindern; weitere 400 Kinder wurden am 26. August abtransportiert. (Benz, Dimension, S. 121)

Niederlande

Der Vertreter des Auswärtigen Amtes in den Niederlanden an das AA.

Seit seinem letzten Bericht vom 31. Juli habe sich die Lage erheblich geändert. "Nachdem die Judenschaft dahinter gekommen ist und weiß, was bei dem Abtransport bzw. bei dem Arbeitseinsatz im Osten gespielt wird, treten sie zu den wöchentlichen Transporten nicht mehr an. Von 2.000 für diese Woche aufgerufenen erschienen nur ca. 400. In ihren Wohnungen sind die Aufgerufenen nicht mehr zu finden. Es macht also Schwierigkeiten, die beiden Züge zu füllen, und wie man in den nächsten Wochen die Züge füllen soll, weiß man noch nicht. Die Abwanderung über die belgische Grenze ist in vollem Gange. (...)

Bisher sind 8.500 Juden abtransportiert, 1.500 Juden gehen diese Woche ab, zusammen wurden 10.000 Juden also abgeschoben. Dazu kommen noch etwa 2.000 Juden, die nach Mauthausen und anderen Orten abgeschoben werden. Damit kommt die Gesamtzahl auf etwa 12.000 Juden oder 8%. - Jedenfalls wird man von jetzt ab zu strengen Maßnahmen greifen müssen, um den Abtransport durchführen zu können. (...)

Freigestellt von dem Abtransport sind: ca. 22.000 in Mischehe lebende Juden, ca. 3.500 Rüstungsarbeiter, ca. 1.200 Diamantarbeiter - zusammen 26.700 Juden." (ADAP, Serie E, Bd. II, Nr. 188)

Frankreich

Besprechung im Referat IV J (Dannecker) mit dem Generaldelegierten der französischen Polizei, Leguay, und seinem Sachbearbeiter Sauts "über die Zurverfügungstellung von Juden aus dem unbesetzten Gebiet".

Leguay kündigt an, daß im Laufe des Augusts aus dem unbesetzten Teil Frankreichs drei Züge mit je 1.000 Juden im KL Drancy eintreffen werden. Sie sollen dort mit jüdischen Kindern zu Deportationszügen zusammengestellt werden. Auf 700, mindestens jedoch 500 erwachsene Juden sollen jeweils 300 bis 500 Kinder zugeteilt werden, "da nach der Weisung des Reichssicherheitshauptamtes Züge nur mit Judenkindern nicht abgeschoben werden dürfen".

Die Deutschen beauftragen Leguay, im Monat September gleichfalls 13 Züge mit Juden ab Drancy fahren zu lassen, wobei auch wieder Menschen aus dem unbesetzten Gebiet sein sollen. - "Leguay ist ferner nahegelegt worden, im besetzten Gebiet Frankreichs, insbesondere aber in Paris, alle Juden festnehmen zu lassen und zu überstellen, die kriminell in Erscheinung getreten sind. Im unbesetzten Frankreich könnte auch jetzt schon mit der Internierung  und Auslieferung von Juden mit der belgischen oder holländischen Staatsangehörigkeit begonnen werden."

Die Deutschen betonen, daß in der Endphase auch die Juden französischer Staatsangehörigkeit deportiert werden müßten. (IMT, RF-1234)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"In Berlin werden in diesen Tagen wieder größere Judenevakuierungen vorgenommen. Der Minister (Goebbels, Anm. d. Red.) bittet, daß gerade in den bürgerlichen Zeitungen in den nächsten Tagen einige Berichte über die Hetze der Juden in den feindlichen Staaten gebracht werden."
Nach Goebbels vorgelegten Zahlen waren Ende August 1941 rund 76.000 Juden in Berlin gemeldet gewesen; Ende Oktober 1942 waren es nur noch 40.000. (Boelcke II, S. 271)

13. - 14.08.1942

Belgien

In Antwerpen werden zunächst Juden mit rumänischer Staatsbürgerschaft und am folgenden Tag eine weitere große Gruppe ausländischer Juden festgenommen. Sie werden ins belgische KL Malines gebracht, das als Durchgangslager für die Deportationen dient.

13.08. - 20.08.1942

Kroatien

Fünf Deportationszüge mit insgesamt 5.000 jüdischen Männern und Frauen gehen aus Zagreb nach Auschwitz ab. Die Deportierten kommen aus kroatischen Konzentrationslagern sowie aus Zagreb und Sarajevo.

14.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Deportationszug aus dem Lager Drancy mit 1.007 jüdischen Frauen und Männern, überwiegend ältere Menschen, kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 233 Männer und 62 Frauen als Häftlinge übernommen; 712 Menschen werden unmittelbar in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 272-273)

15.08.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

Aus Sosnowiec werden etwa 2.000 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nur 75 Frauen und 27 Männer werden als Häftlinge übernommen, während die anderen in die Gaskammern geschickt werden.

Niederlande

Aus dem Lager Westerbork werden 505 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 98 Männer und 79 Frauen als Häftlinge registriert; 328 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 274)

Belgien

Aus Antwerpen werden Juden zur Zwangsarbeit nach Nordfrankreich deportiert.

Runderlaß des Reichsfinanzministers

Das Vermögen abgeschobener, d.h. deportierter Juden ist mit ihrem Grenzübertritt dem Reich verfallen. Verfügungen über Vermögenswerte (z.B. Verkauf) sind nur rechtswirksam, wenn sie vorher vollzogen wurden und die Genehmigung der Devisenstelle vorlag. (Walk, S. 384)

Generalgouvernement

Ansprache Franks auf einer Arbeitstagung der Politischen Leiter der NSDAP im GG.

"Eine besondere Aufgabenstellung hatte die Partei weiter den Fremdvölkischen, den Polen und Ukrainern gegenüber. Die Situation hinsichtlich der Polen ist insofern eigenartig, als wir einerseits das Deutschtum - ich spreche ganz offen - hier so vorwärtstreiben müssen, daß das Gebiet des Generalgouvernements in irgendwie absehbaren Jahrzehnten rein deutsches Siedlungsland wird, - als wir andererseits in den jetzigen Kriegsläuften darauf angewiesen sind, die Fremdvölkischen hier im Raume die Arbeit vollführen zu lassen, die sie im Dienste Großdeutschlands vollführen müssen."

"Über die Juden brauche ich nichts Besonderes weiter zu sagen. Sie haben ihre gesamte Arbeitskraft uns zur Verfügung zu stellen. Für uns Parteigenossen ist das eine Genugtuung. Vor allem müssen wir uns darüber klar sein, daß hier ein Mitleid fehl am Platze wäre. Sie haben es auch nicht anders verdient, sind sie es doch, die den Krieg begonnen haben und die schuld sind an dem Tode Hunderttausender bester deutscher Männer. Im großen Umfange sind heute die Verwaltungen darauf angewiesen, einen Teil der Juden als Facharbeiter zusammengefaßt zu halten oder als Massenarbeiter zu verwenden." (IMT, PS-2233; Präg, S. 544)

16.08.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

Mit einem Transport aus Sosnowiec werden etwa 2.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert und alle in den Gaskammern ermordet.

Frankreich

Aus dem Lager Drancy werden 991 Juden nach Auschwitz eingeliefert. In dem Transport befinden sich überwiegend alte Menschen, sowie erstmals auch Kinder. 115 Männer werden als arbeitsfähig ausgewählt, die anderen 876 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 277)

16. - 18.08.1942

Generalgouvernement

"Liquidierung" des sog. Großen Ghettos in Radom. 1.000 bis 1.500 Menschen, die Widerstand leisten oder sich zu verstecken versuchen, werden auf der Stelle erschossen. Eine Gruppe Kinder wird in das Schlachthaus getrieben und dort mit Granaten umgebracht. Etwa 4.000 Menschen werden zur Zwangsarbeit am Ort bestimmt, die anderen etwa 18.000 werden ins Vernichtungslager Treblinka deportiert.

Auf dem Gelände der beiden aufgelösten Ghettos von Radom - das sog. Kleine Ghetto war schon am 5. August "liquidiert" worden - werden Arbeitslager errichtet. (EdH, S. 1180)

17.08.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

Mit einem Transport aus Sosnowiec werden etwa 2.000 jüdische Männer und Frauen nach Auschwitz eingeliefert und gleich nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet.

Belgien

Aus dem Lager Malines kommt ein Deportationszug mit 1.000 jüdischen Menschen - 486 Frauen, 342 Männer sowie 192 Kinder und Jugendliche - in Auschwitz an. 205 Frauen und 157 Männer werden als Häftlinge registriert; die anderen 638 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 278)

Abfahrt eines Deportationszugs mit rund 1.000 jüdischen Frauen und Männern aus Wien nach Minsk, wo sie vermutlich ermordet wurden.

Der Reichsinnenministers ordnet an, Gesuche von Juden und jüdischen Mischlingen auf Befreiung von den Vorschriften des Reichsbürgergesetzes grundsätzlich nicht mehr zu bearbeiten. (Walk, S. 384)

Rumänien

Vortragsnotiz des Unterstaatssekretärs Luther für Außenminister Ribbentrop.

Rumänien habe sich im November 1941 mündlich mit der "Aussiedlung" seiner im Reichsgebiet lebenden jüdischen Staatsangehörigen einverstanden erklärt. Seither habe es jedoch mehrfach Einsprüche rumänischer  Stellen gegeben, mit der Begründung, daß rumänische Juden nicht schlechter behandelt werden dürften als die jüdischen Bürger anderer Länder (Italien, Schweiz, Ungarn).

Aktueller Stand sei:

  1. Ein Vertreter des rumänischen Außenministeriums habe zugesagt, alle Dienststellen noch einmal darauf hinzuweisen, daß die rumänische Regierung Deutschland freie Hand für die Anwendung der antijüdischen Maßnahmen gegen ihre im deutschen Machtbereich lebenden jüdischen Staatsbürger gegeben hat.
    Er, Luther, habe daraufhin veranlaßt, daß das RSHA die unterbrochenene Maßnahmen gegen Juden rumänischer Nationalität fortführt.
  2. Es liege eine Bestätigung des stellvertretenden rumänischen Ministerpräsidenten Mihai Antonescu vor, wonach dieser, "übereinstimmend mt einem Wunsch des Marschalls Antonescu", einverstanden sei, "daß die deutschen Dienststellen die Aussiedlung der Juden aus Rumänien durchführen und sofort mit dem Abtransport aus den Bezirken Arad, Timisoara und Turda beginnen".
  3. Der Sachberater der rumänischen Regierung für Judenfragen, Lecca, möchte in den nächsten Tagen nach Berlin kommen, um mit dem Auswärtigen Amt und dem RSHA Einzelheiten der "Aussiedlungsmaßnahmen" zu besprechen "und darüber hinaus die weiteren Fragen der Entjudung Rumäniens zu erörtern". (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 199)

Elsaß

Besprechung des Reichsstatthalters und Gauleiters im Elsaß mit SS-Gruppenführer Kaul).

Der Gauleiter berichtet über einen Vortrag bei Hitler im Beisein Himmlers. Hitler habe erklärte, daß die "Asozialen und Verbrecher" aus dem Elsaß nach Frankreich abgeschoben werden müßten. (Der Gauleiter rechnet mit etwa 20.000 Personen.)

"Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, alles 'Minderwertige' und alles, was blutsmäßig nicht zu uns gehöre, nach Frankreich abzuschieben. Alles, was blutsmäßig zum Deutschen Volk gehöre und was nicht nach Frankreich kommen darf, solle - ohne Rücksicht auf politische und sonstige Einstellungen - in das Reich umgesiedelt werden, sofern diese Bevölkerungsbestandteile im Elsaß nicht tragbar seien. Für Umsiedlungen in großem Umfang sei allerdings kein Raum. (...)

Es solle der Umsiedlung nach der Auffassung des Reichsführers-SS keinerlei Strafcharakter beigelegt werden. Die Umsiedler sollen durchaus anständig behandelt werden. Es soll ihnen mitgeteilt werden, daß sie im Reich weit bessere Lebensverhältnisse wiedererlangen werden, als sie in ihrem bisherigen Lebenskreis hatten. Die Patoisbevölkerung soll übrigens nach wie vor umgesiedelt werden. Jedoch ist z.Zt. eine Umsiedlung im größeren Umfang nicht möglich. (...)

Der Gauleiter äußerte sich alsdann noch über die Fremdvölkischen im Elsaß. Sie sollen letztlich alle aus dem Elsaß entfernt werden, einschließlich der eindeutschungsfähigen polnischen Staatsangehörigen. Auch diese Aktion müsse im großen Ganzen zurückgestellt werden. (...)

Den Ausfall an Bevölkerungsbestandteilen wolle der Gauleiter möglichst durch Badener ersetzen, damit eine einheitliche Rassenmischung entstehe. Die Verpflanzung von Badenern nach dem Elsaß habe der Führer bereits früher genehmigt." (IMT, R-114)

18.08.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

Mit einem Transport aus Sosnowiec werden etwa 2.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert und alle in den Gaskammern getötet.

Niederlande

Aus dem Lager Westerbork werden 364 jüdische Männer und Jungen, sowie 142 Frauen und Mädchen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 319 Männer und 40 Frauen als Häftlinge übernommen; die anderen 147 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Kroatien

Aus einem Zug aus Zagreb nach Auschwitz werden 87 jüdische Männer und 69 Frauen als Häftlinge übernommen. (Czech, S. 280) - Wahrscheinlich befanden sich in diesem Zug insgesamt etwa 1.000 kroatische Juden (s. 13.-20.8.42), von denen die meisten gleich nach der Ankunft ermordet wurden.

Griechenland

Das RSHA teilt mit: Bei der Erfassung von 8.- 9.000 Juden zum Arbeitseinsatz für den Straßenbau im Bereich der Militärverwaltung Südgriechenland sollen italienische und spanische Staatsangehörige ausgenommen werden.

Italien/Jugoslawien

Die deutsche Botschaft in Rom übermittelt dem Kabinettschef von Außenminister Ciano, d'Ajeta, ein Telegramm Ribbentrops, in dem die italienische Regierung aufgefordert wird, ihre Militärstellen in Kroatien anzuweisen, sich an die zwischen Kroatien und Deutschland vereinbarten antijüdischen Maßnahmen zu halten und auch einem "Massentransfer" der in der italienischen Zone lebenden Juden zuzustimmen.

D'Ajeta weist in einem Memorandum für Ciano darauf hin, daß, abgesehen von allgemeinen Überlegungen, eine Auslieferung der Juden der bisherigen italienischen Politik zuwider laufen würde. Italien solle klar machen, daß eine der Grundlagen seiner konstanten Befriedungspolitik der Verzicht auf drastische Maßnahmen gegen irgendwelche ethnischen oder religiösen Gemeinschaften sei. Eventuell könne man hinzufügen, daß die höchstens 5.-6.000 Juden in der italienischen Besatzungszone künftig noch strenger kontrolliert würden. (Steinberg, S. 265 und S. 56-57)

19.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem Lager Drancy werden 997 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert, darunter rund zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Nur 65 Männer und 35 Frauen werden als arbeitsfähig ausgewählt und in das Lager eingewiesen; die anderen 897 Menschen werden bald nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 281)

20.08.1942

Belgien/Auschwitz

Ein Deportationszug aus dem belgischen Lager Malines mit 998 jüdischen Menschen, darunter 287 Kinder und Jugendliche, kommt in Auschwitz an. 71 Frauen und 104 Männer werden in das Lager eingewiesen; die anderen 823 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 283)

Ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen verläßt Theresienstadt mit unbekanntem Ziel; planmäßig war Riga als Ziel vorgesehen gewesen.

Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Theresienstadt.

RK Ostland

In Slonim (Weißrußland) ermordet die SS 400 jüdische Menschen.

Die letzten noch in der Stadt verbliebenen Juden wurden im Dezember 1942 ermordet. Vor dem deutschen Einmarsch hatten in Slonim 22.000 Juden gelebt, darunter viele Flüchtlinge aus Polen. (EdH, S. 1321)

20. - 24.08.1942

Generalgouvernement

Die Deutschen "liquidieren" das Ghetto von Kielce im südwestlichen Polen. Mit Ausnahme von 2.000 jungen und gesunden Menschen, die für Arbeitslager der Rüstungsindustrie vorgesehen sind, werden die Bewohner mit Güterzügen zum Vernichtungslager Treblinka abtransportiert. Kranke und die Kinder des Waisenhauses waren schon vorher getötet wurden. Etwa 500 Menschen konnten während der "Aktion" entkommen.

In Kielce hatten vor dem deutschen Einmarsch etwa 24.000 Juden gelebt. (EdH, S. 756-757)

21.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Deportationszug aus dem französischen Lager Drancy mit 1.000 jüdischen Menschen, darunter 373 Kinder, kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 138 Männer und 45 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen 817 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 284)

Die Meldepflicht für Juden bei Aufenthaltsänderungen wird verschärft. Personen, die nicht ordnungsgemäß angemeldete Juden beherbergen, werden staatspolizeiliche Maßnahmen angedroht. (Walk, S. 384)

USA

Veröffentlichung einer Erklärung von Präsident Roosevelt gegen Verbrechen an der Zivilbevölkerung der besetzten Länder. Die Bestrafung dieser Taten sei eines der Hauptkriegsziele der Alliierten. Diese Verbrechen hätten Ausmaße und Formen angenommen, die Anlaß zu der Befürchtung geben, daß sich, je näher die Niederlage der Feindstaaten rückt, der barbarische Charakter ihres Besatzungsregimes noch mehr ausprägen werde und sogar zur Auslöschung ganzer Volksteile führen könnte. Es werde aber die Zeit kommen, wo die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. (FRUS, vol. V, S.176-177)

Aufzeichnung von Rintelens, Auswärtiges Amt, für Außenminister Ribbentrop

Der Verfasser gibt zunächst einen knappen Abriß der deutschen "Judenpolitik" bis zum Sommer 1941 und faßt dann die Ergebnisse der Bemühungen zusammen, die verbündeten Staaten in den Völkermord an den Juden einzubeziehen.

In den Hauptstädten Slowakiens, Kroatiens und Rumäniens sei angefragt worden, ob diese Länder ihre im deutschen Machtbereich lebenden jüdischen Staatsangehörigen "in angemessener Frist" zurückholen oder ihrer "Abschiebung in die Ghettos im Osten" zustimmen wollten.

Die rumänische Regierung habe erklärt, sie überlasse es der deutschen Regierung, "ihre Juden gemeinsam mit den deutschen in die Ghettos nach dem Osten abzuschieben"; an einer Rückkehr dieser Juden nach Rumänien habe sie kein Interesse. Die kroatische Regierung habe erklärt, "sie wäre für Abschiebung der Juden nach dem Osten dankbar". Auch die slowakische Regierung sei "grundsätzlich einverstanden", habe aber Ansprüche auf das Vermögen dieser Juden angemeldet.

Die slowakische Regierung habe dann auch Deportationen aus ihrem eigenen Gebiet zugestimmt. "Inzwischen sind 52.000 Juden aus der Slowakei fortgeschafft. Bedingt durch kirchliche Einflüsse und Korruptionen einzelner Beamter haben 35.000 Juden Sonderlegitimation erhalten. Ministerpräsident Tuka wünscht jedoch, die Judenaussiedlung fortzusetzen, und hat deshalb um Unterstützung durch diplomatischen Druck des Reichs gebeten."

"Die kroatische Regierung ist ebenfalls mit der Aussiedlung der Juden grundsätzlich einverstanden. Im besonderen hält sie den Abtransport der 4.-5.000 Juden aus der von den Italienern besetzten zweiten Zone (Zentren Dubrovnik und Mostar) für wichtig, die eine politische Belastung darstellen und deren Beseitigung zur allgemeinen Beruhigung dienen würde."
Dagegen  gebe es aber von italienischer Seite Widerstand.

"Die Frage der italienischen Juden taucht in gleicher Weise bei der Evakuierung der Juden in Frankreich auf. Botschafter Abetz (Paris) weist im Hinblick auf den in Vorbereitung befindlichen Abtransport aus dem besetzten französischen Gebiet darauf hin, daß ein dringendes politisches Interesse bestünde, durch die Evakuierungsmaßnahmen zunächst die fremdländischen Juden zu erfassen. Nachdem diese als Fremdkörper empfundenen Juden an sich schon besonders verhaßt seien, würde ihre Übergehung und damit quasi Privilegierung Mißstimmung erzeugen, um so mehr, als unter ihnen verantwortliche Urheber von jüdischen Terror- und Sabotageakten zu suchen waren. Es sei bedauerlich, daß gerade die Achse in diesem Punkt keine einheitliche Politik zu verfolgen scheine."
Zumindest sollte die italienische Regierung aber veranlaßt werden, ihre jüdischen Staatsangehörigen aus Frankreich zurückzuholen.

Die bulgarische Regierung sei "in der Frage der Evakuierung grundsätzlich bereit (...), eine Absprache mit uns zu treffen. Damit ist die Grundlage gegeben, die bulgarischen Juden mit in die Judenmaßnahmen einzubeziehen."

"An die ungarische Regierung ist wegen Judenaussiedlung noch nicht herangetreten worden, weil der Stand der ungarischen Judengesetzgebung bisher einen ausreichenden Erfolg nicht verspricht."

Aufgrund der Zustimmung der rumänischen Regierung sei mit der Deportation rumänischer Juden aus Deutschland und den besetzten Gebieten begonnen worden; daraufhin hätten mehrere rumänische Konsulate und der Gesandte in Berlin interveniert. Rumänien habe seine Zustimmung erneuert; darüber hinaus habe Marschall Antonescu seinen "Wunsch" mitteilen lassen, "die deutschen Dienststellen möchten auch die Aussiedlung aus Rumänien selbst durchführen und sofort mit dem Abtransport der Juden aus den Bezirken Arad, Timisoara und Turda beginnen." (Möglicherweise eine Falschmeldung. Jedenfalls kam es aufgrund der veränderten Haltung der rumänischen Regierung nicht zu diesen Deportationen.)

Auf Wunsch der betreffenden Regierungen seien den deutschen Gesandschaften in Bratislawa, Zagreb und Bukarest Judenberater des RSHA zugeteilt worden. (Wisliceny, Abromeit, Richter). (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 209)

Italien/Kroatien

Das italienische Außenministerium an Mussolini zur Entscheidung.

Der deutsche Botschafter in Rom, von Bismarck, habe den deutschen Wunsch übermittelt, Italien möge seine Militärveantwortlichen in der italienischen Zone Kroatiens anweisen, damit auch dort die von deutscher und kroatischer Seite vorgesehenen Maßnahmen zur Deportation der Juden "nach Osten" umgesetzt werden könnten. Von Bismarck habe dabei zu verstehen gegeben, daß es praktisch um die Vernichtung dieser Juden gehe. Dies entspreche den Informationen aus Zagreb.

Mussolini schrieb auf diesen Bericht "Nulla Osta" (Keine Einwände) und stimmte damit der Deportation der Juden aus der italienischen Besatzungszone zu. Tatsächlich wurde die Durchführung aber von den italienischen Verantwortlichen vor Ort verhindert. (Steinberg, S. 265 und S. 56-57)

22.08.1942

Kroatien/Auschwitz

Aus einem kroatischen Deportationszug  werden in Auschwitz 86 Frauen und 110 Männer in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 285)

Vermutlich kamen mit diesem Zug insgesamt 1.000 Menschen an, von denen die meisten unmittelbar in die Gaskammern geschickt wurden.

Niederlande

Aus dem Lager Westerbork werden 1.008 jüdische Menschen - 515 Frauen und Mädchen, 493 Männer und Jungen - nach Auschwitz eingeliefert. 411 Männer und 217 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen 380 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 285)

23.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem Lager Drancy werden 1.000 Juden, darunter 544 Kinder, nach Auschwitz eingeliefert. Nur 90 Männer und 18 Frauen bleiben als arbeitsfähig vorläufig am Leben, alle anderen werden unmittelbar in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 286)

24.08.1942

Generalgouvernement

Regierungssitzung in Krakau.

Frank berichtet, daß vor wenigen Tagen bei Göring eine Sitzung stattgefunden habe, in der über die "geradezu katastrophale Entwicklung der Ernährungslage" im Deutschen Reich gesprochen worden sei. Die Lage sehe so aus, "daß wir binnen kurzem, wenn nicht eine wesentliche Aufbesserung der Lebensmittellage (...) stattfinden kann, vor schwersten gesundheitlichen Schädigungen, vor allem des deutschen arbeitenden Menschen stehen. (...) Unter diesen Umständen wird es Sie nicht verwundern, daß nunmehr das Wort wahr zu werden beginnt: bevor das deutsche Volk in eine Hungerkatastrophe kommt, sind die besetzten Gebiete und ihre Bevölkerung dem Hunger auszuliefern."

Das GG habe sich daher zu zusätzlichen Lebensmittellieferungen in großem Umfang verpflichtet. "Die Folgerungen werden ausschließlich auf Kosten der fremdvölkischen Bevölkerung gezogen. Sie müssen eiskalt und ohne Mitleid gezogen werden."

Der Präsident der Hauptabteilung Ernährung und Landwirtschaft, Naumann, referiert zu einzelnen Gebieten der Ernährung und führt in diesem Zusammenhang aus: "Die Versorgung der bisher mit 1,5 Millionen Juden angenommenen Bevölkerungsmenge fällt weg, und zwar bis zu einer angenommenen Menge von 300.000 Juden, die noch im deutschen Interesse als Handwerker oder sonstwie arbeiten. Für diese sollen die jüdischen Rationssätze zuzüglich gewisser Sonderzuteilungen, die sich für die Aufrechterhaltung der Arbeitskraft als notwendig herausgestellt haben, beibehalten bleiben. Die anderen Juden, insbesamt 1,2 Millionen, werden nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt."

Frank faßt am Schluß zusammen: "Bei allen Schwierigkeiten (...) müssen Sie immer daran denken, daß es noch viel besser ist, wenn ein Pole zusammenbricht, als daß der Deutsche unterliegt. Daß wir 1,2 Millionen Juden zum Hungertod verurteilen, sei nur am Rande festgestellt. Es ist selbstverständlich, daß ein Nichtverhungern der Juden hoffentlich eine Beschleunigung der antijüdischen Massnahmen zur Folge haben wird." (IMT, PS-2233; Präg, S. 547ff)

Dänemark

Aufzeichnung des deutschen Gesandten und Reichsbevollmächtigten von Renthe-Fink mit dem dänischen Außenminister Scavenius.

Renthe-Fink versucht, Scavenius die Entlassung zweier hoher dänischer Regierungsbeamter "nahezulegen", weil sie Juden sind. Vorausgegangen war ein Besuch von SS-Brigadeführer Ohlendorf, zuvor Führer einer "Einsatzgruppe" in der UdSSR. Ohlendorf hatte sich für eine Radikalisierung der deutschen Besatzungspolitik in Dänemark, besonders auch in der "Judenfrage", ausgesprochen.

Scavenius warnt Renthe-Fink, daß eine solche deutsche Einmischung bei den Dänen große Empörung und Unruhe verursachen würde. Maßnahmen gegen die Juden seien in Dänemark zur Zeit nicht durchzusetzen, weil die Dänen darin eine Verneinung ihrer Ideale sehen würden. "Auch Brigadeführer Ohlendorf habe ihm zugegeben, daß ein Volk nicht von heute auf morgen umgestellt werden könne, und daß es richtig sei, die Lösung des Judenproblems bis an das Ende des Krieges zu verschieben." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 229)

25.08.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Deportationszug mit 519 Menschen aus dem niederländischen Lager Westerbork - 168 Frauen und Mädchen, 351 Männer und Jungen - kommt in  Auschwitz an. 231 Männer und 38 Frauen werden in das Lager eingewiesen, die anderen 250 in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 286)

Ein Transport mit rund 1.000 Menschen geht aus Theresienstadt nach Minsk ab.

Von Rintelen an Unterstaatssekretär Luther.

Aufgrund seines Papier zur "Judenfrage" vom 21. August habe Außenminister Ribbentrop entschieden:

  1. Vor der Aufnahme von Verhandlungen mit anderen Regierungen möge man ihn künftig informieren und seine Genehmigung abwarten.
  2. Bez. Rumänien könnten die bereits vereinbarten Maßnahmen durchgeführt werden.
  3. Bez. Ungarn solle vorläufig jede deutsche Initiative unterlassen werden.
  4. Bez. Bulgarien solle über die Anfang Juli erzielte Vereinbarung zunächst nicht hinausgegangen werden.
  5. Bez. Kroatien sei es Sache der kroatischen Regierung, sich mit den Italienern zu verständigen. "Unterstützende Schritte der deutschen Botschaft in Rom in dieser Angelegenheit sollen vorerst zurückgestellt werden."
  6. "Wegen der Juden italienischer Staatsangehörigkeit im besetzten Frankreich kann an die italienische Regierung herangetreten werden, um sie zu veranlassen, im Einvernehmen mit unseren Maßnahmen ihre Juden aus dem besetzten Frankreich zurückzuziehen oder deren Evakuierung nach dem Osten zuzustimmen. Eine einheitliche Handhabung sei aus militärischen und sonstigen Gründen unbedingt notwendig." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 232)

26.08.1942

Kroatien/Auschwitz

Aus einem Zug mit kroatischen Juden werden in Auschwitz nach der "Selektion" 71 Männer und 88 Frauen als Häftlinge registriert. (Czech, S. 287)
Auch mit diesem Transport kamen vermutlich insgesamt 1.000 Menschen an, von denen die meisten unmittelbar in die Gaskammern geschickt wurden.

Frankreich

Aus dem französischen Lager Drancy werden 1.000 jüdische Menschen, darunter 518 Kinder, viele ohne ihre schon früher deportierten Eltern, nach Auschwitz eingeliefert. Nur 92 Männer werden als arbeitsfähig ausgewählt, die anderen in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 287)

Bulgarien

Die Regierung erweitert die antijüdischen Maßnahmen. Die Bestimmung, wer Jude ist, wird auf die Abstammung ("Rasse") ausgedehnt. Juden müssen ein Kennzeichen (Stern) tragen, sind in der Wahl der Wohnung nicht mehr frei, ihre beruflichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten werden stark eingeschränkt, und die Liquidierung oder Enteignung jüdischer Unternehmen wird vorangetrieben.

Verlangt wird außerdem die "Aussiedlung" der Juden Sofias in andere Landesteile oder ganz aus Bulgarien heraus. Als erste müssen alle arbeitslosen Juden die Hauptstadt bis zum 1. November 1942 verlassen.

Das Parlament billigte das Dekret im September 1942.
Die Juden wurden danach in bestimmten Wohngebieten, praktisch Ghettos, zusammengefaßt. Bis Ende März 1943 mußten 680 Familien (1.904 Menschen) Sofia verlassen und in der Provinz in anderen jüdischen Haushalten unterkommen.

Nach offizieller Zählung lebten im Sommer 1942 in Bulgarien 63.400 Juden, davon 51.500 in Alt-Bulgarien, 500 in der Süddobrudscha, 4.000 in Westthrakien, 7.200 in Makedonien und 200 in Pirot. (Benz, Dimension, S. 283-284)

27.08.1942

Auschwitz

Ein Deportationszug - vermutlich mit 723 Juden aus Luxemburg - kommt in Auschwitz an. Nur 82 Männer werden als arbeitsfähig ausgewählt, die anderen Menschen vermutlich ermordet. (Czech, S. 287)

Belgien

Aus dem Lager Malines werden 995 jüdische Menschen, darunter 232 Kinder, nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 114 Frauen und 101 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 780 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 288)

Ein Deportationszug aus Wien mit rund 1.000 Menschen geht nach Theresienstadt ab.

27. - 30.08.1942

Generalgouvernement

Aus dem Ghetto von Tarnopol (Galizien/Ukraine) werden über 3.000 Menschen, überwiegend Alte und Kranke, in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert. Anfang September verkleinern die Deutschen das Ghettogebiet. (EdH, S. 1402)

28.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem französischen Lager Drancy kommt ein Transport mit 1.000 jüdischen Menschen, darunter 320 Kinder, in Auschwitz an. Nur 27 Männer und 36 Frauen werden als arbeitsfähig ausgewählt, die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 288)

Frankreich

Der deutsche Botschafter in Paris, Abetz, an das Auswärtige Amt.

Es habe eine diplomatische Intervention des päpstlichen Nuntius in Vichy gegen die deutschen "Judenmaßnahmen" gegeben. Laval sei darauf nicht eingegangen. Außerdem habe der Erzbischof von Toulouse die Geistlichen seiner Diözese angewiesen, in schärfster Form von den Kanzeln gegen die Deportation der Juden zu protestieren. Laval habe dem Papst mitteilen lassen, er verbitte sich eine derartige Einmischung in Angelegenheiten des französischen Staates. Falls die Kirche Juden Unterschlupf bieten würde, würde er sie von der Polizei herausholen lassen. (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 242)

Rumänien

Der deutsche Gesandte in Bukarest, Killinger, an das Auswärtige Amt.

Killinger widerspricht der vom AA und vom RSHA verbreiteten Darstellung, die rumänische Regierung habe der Deportation der Juden aus ihrem Land durch die Deutschen bereits zugestimmt. Wenn das AA Lecca zu einem Gespräch empfangen hätte (s. 17.8.42), hätte man sich davon in Berlin selbst überzeugen können. (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 244)

29.08.1942

Auschwitz

"Zur Bekämpfung der Flecktyphusepidemie" werden 746 kranke Häftlinge in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 289)

30.08.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork werden 608 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Keiner von ihnen wird als Häftling registriert; möglicherweise wurde ein Teil der Männer von der Organisation Schmelt für den Arbeitseinsatz übernommen. (Czech, S. 290)

Kroatien

Aus einem Deportationszug mit kroatischen Juden werden in Auschwitz nur 45 Männer und 31 Frauen als Häftlinge registriert. Vermutlich befanden sich auch in diesem Transport insgesamt 1.000 Menschen, von denen die meisten ermordet wurden. (Czech, S. 290)

31.08.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus Drancy kommt ein Deportationszug mit  1.000 Menschen, darunter 280 Kinder, in Auschwitz an. Lediglich 71 Frauen werden als Häftlinge übernommen; die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Belgien

Aus Malines kommt ein Zug mit 1.000 jüdischen Menschen - 489 Frauen, 89 Mädchen, 332 Männer und 90 Jungen - in Auschwitz an. Niemand von ihnen wird als Häftling registriert, also wurden vermutlich alle Insassen des Zuges unmittelbar in die Gaskammern geschickt. Ebenso wie bei dem Transport aus Drancy wurden wahrscheinlich schon während der Fahrt jeweils etwa 200 Männer für den Einsatz in oberschlesischen Arbeitslagern aus dem Zug geholt. (Czech, S. 291)

Ein Transport mit rund 1.000 jüdischen Menschen geht aus Wien nach Minsk ab.

Frankreich

Der deutsche Botschafter Abetz an das Auswärtige Amt.

"Laval teilt mit, daß amerikanischer Geschäftsträger Tuck am 25. August vorgesprochen habe, um im Auftrag Roosevelts die Nichtanwendung der französischen Gesetze gegenüber den im unbesetzten Frankreich ansässigen Handelsfirmen amerikanischer Juden zu fordern. Er habe dieses Ansinnen als Einmischung in innerfranzösische Angelegenheiten zurückgewiesen."

Zugleich habe Tuck im eigenen Namen gegen die Deportation von Juden aus dem unbesetzten Teil Frankreichs protestiert, was Laval gleichermaßen zurückgewiesen habe. (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 247)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

19.08.42

Hitler gibt der 6. Armee Befehl zum Angriff auf Stalingrad.

31.08.1942

Beginn einer neuen deutsch-italienischen Offensive in Nordafrika mit Richtung auf den Suez-Kanal. Sie wird wegen zu großen britischen Widerstands bei El Alamein nach wenigen Tagen abgebrochen.


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