CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Mai 1942

Rumänien/Bessarabien

Aus der Gebietshauptstadt Kischinjow werden die letzten 200 Juden deportiert. Vor dem Krieg hatten dort etwa 60.000 jüdische Menschen gelebt. (EdH, S. 769-770)

Generalgouvernement

In Trawniki - südöstlich von Lublin - wird bei einem Ausbildungslager der SS ein Zwangsarbeitslager errichtet, in dem überwiegend sowjetische Kriegsgefangene und polnische Juden interniert werden.

In Trawniki wurden "fremdvölkische" Einheiten aus den baltischen Ländern, der Ukraine und anderen Gebieten als Hilfstruppen der SS und der deutschen Polizei ausgebildet, um dann u.a. als Wachpersonal in den Vernichtungslagern eingesetzt zu werden.

Generalgouvernement

Etwa Mitte Mai werden (nach einer Unterbrechung seit Mitte April) die Transporte in das Vernichtungslager Belzec und die Massenmorde in den Gaskammern wieder aufgenommen. Züge mit Deportierten kommen u.a. aus dem Ghetto Krakau und dem umliegenden Distrikt. Um den Bau größerer Gaskammern durchzuführen, werden Mitte Juni 1942 die Transporte nochmals für einen Monat unterbrochen. (EdH, S. 179)

Richtlinien des Gestapochefs Müller für die Deportationen aus dem Reichsgebiet

"Im Zuge der Evakuierungsaktion Lublin/Izbica konnten, abgesehen von einigen Ausnahmen, sämtliche Evakuierungsdienststellen im Altreich die nach den Richtlinien für eine Evakuierung in Betracht kommenden Juden erfassen. Um die im Osten noch vorhandenen Aufnahmemöglichkeiten für eine weitere Evakuierung restlos ausnützen zu können, bitte ich, die Zahl jener im dortigen Dienststellenbereich bisher verbliebenen Juden anzugeben, die unter genauester Beachtung der Richtlinien evakuiert werden können."

Nicht zu deportieren seien u.a. jüdische Ehegatten aus nicht mehr bestehenden Mischehen, sofern sie gemäß Polizeiverordnung vom 1. September 1941 vom Kennzeichnungszwang befreit sind; sogen. Geltungsjuden ("Mischlinge" jüdischer Konfession), sofern sie nicht mit einem Juden verheiratet sind; Schwerkriegsbeschädigte und Träger hoher Tapferkeitsauszeichnungen; Juden "im kriegswichtigen Arbeitseinsatz". Mit Ausnahme der letzten Gruppe sollten die Genannten "zu gegebener Zeit" nach Theresienstadt deportiert werden. (Adler, S. 197)

01.05.1942

Wartheland

Schreiben des Reichsstatthalters und Gauleiters Greiser an Himmler.

"Die von Ihnen im Einvernehmen mit der Chef des RSHA, SS-Obergruppenführer Heydrich, genehmigte Aktion der Sonderbehandlung von rund 100.000 Juden in meinem Gaugebiet wird in den nächsten 2-3 Monaten abgeschlossen werden können. Ich bitte Sie um die Genehmigung, mit dem vorhandenen und eingearbeiteten Sonderkommando im Anschluß an die Judenaktion den Gau von einer Gefahr befreien zu dürfen, die mit jeder Woche katastrophalere Formen annimmt.

Es befinden sich im Gau ca. 230.000 bisher erkannte Tbc-Kranke polnischer Volkszugehörigkeit. Von diesen wird die Zahl der mit offener Tuberkulose behafteten Polen auf ca. 35.000 geschätzt. Diese Tatsache hat in immer erschreckenderem Maße dazu geführt, daß Deutsche, welche vollkommen gesund in den Warthegau gekommen sind, sich angesteckt haben. (...)

Wenngleich auch im Altreich mit entsprechend drakonischen Maßnahmen gegenüber dieser Volkspest nicht durchgegriffen werden kann, glaube ich es doch verantworten zu können, Ihnen vorzuschlagen, hier im Warthegau die Fälle der offenen Tbc innerhalb des polnischen Volkstums ausmerzen zu lassen. Selbstverständlich dürfte nur derjenige Pole einer solchen Aktion überstellt werden, bei dem amtsärztlich nicht nur die offene Tbc, sondern auch deren Unheilbarkeit festgestellt und bescheinigt worden ist.

Bei der Dringlichkeit dieses Vorhabens bitte ich möglichst schnell um Ihre grundsätzliche Genehmigung, damit jetzt während der ablaufenden Aktion gegen die Juden bereits die Vorbereitungen zum anschließenden Anlaufen der Aktion gegenüber den offen mit Tbc behafteten Polen mit allen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können." (Poliakov/Wulf, S. 197-198)

(Antwort Himmlers s. 27.7.42)

RK Ostland

Die Deutschen lösen das Ghetto von Dwinsk/Daugavpils in Lettland auf; die meisten der noch lebenden knapp tausend Bewohner werden ermordet.

05.- 11.05.1942

Auschwitz

In den Gaskammern von Auschwitz werden etwa 5.200 polnische Juden aus Ghettos in Ostoberschlesien ermordet. (Czech, S. 209)

06.05.1942

Aus Wien geht ein Deportationszug mit 1.000 Menschen nach Minsk ab. Dort werden sie am 11. Mai an Massengräbern erschossen.

08.05.1942

RK Ostland

Die Deutschen ermorden annähernd 5.700 Menschen aus dem Ghetto von Lida (Weißrußland). Anschließend werden 3.500 Juden aus den kleineren Orten der Umgebung zwangsweise in das Ghetto von Lida umgesiedelt. (EdH, S. 864)

Himmler ordnet an, daß Erlaubnisscheine zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Juden grundsätzlich nur für Berufsfahrten und von Schulkindern zum Schulbesuch benutzt werden dürfen. (Walk, S. 372)

10.05.1942

Hitlers "Tischgespräche"

"(...) er bedauere die vielen Ausnahmen, die die Wehrmacht bei der Einstellung fünfzigprozentiger Juden-Mischlinge mache. Denn die Erfahrung beweise, daß aus diesen Judennachkommen doch vier, fünf, sechs Generationen lang immer wieder reine Juden ausmendelten. Diese ausgemendelten Juden bedeuteten eine große Gefahr! Er werde jetzt grundsätzlich nur noch in ganz besonderen Fällen Ausnahmen zulassen." (Picker, S. 324)

10.05.-11.05.1942

USA

Konferenz der jüdischen Organisationen der USA im New Yorker Biltmore Hotel. Chaim Weizmann erklärt, es sei zu befürchten, daß ein Viertel der mitteleuropäischen Juden in nächster Zeit ermordet würden bzw. bereits ermordet worden seien.

10.- 12.05.1942

Ostoberschlesien/Auschwitz

Aus Sosnowiec kommt ein Zug mit 1.500 jüdischen Männern, Frauen und Kindern in Auschwitz an. Alle werden unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 211)

11.05.1942

Generalgouvernement

Arbeitsbesprechung in Krakau.

"Wie Staatssekretär Bühler mitteilt, soll neuen Nachrichten zufolge geplant sein, die Judenghettos aufzulösen, die arbeitsfähigen Juden zu behalten und die übrigen weiter nach dem Osten abzuschieben. Die arbeitsfähigen Juden sollten in mehreren großen Konzentrationslagern untergebracht werden, die sich im Mittelpunkt der Produktion befänden. Diese Planung sähe zwar zunächst sehr bestechend aus, bei näherer Kenntnis der Verhältnisse könne man aber nur der Auffasssung sein, daß mit einer Verwirklichung dieses Planes der Schaden, der durch die Zerstörung bisheriger Organisationsformen entstehen werde, ein Mehrfaches des Nutzen betragen werde, den man sich von einer solchen Maßnahme verspreche. (...) Die Hoffnung, mit einer solchen Maßnahme etwa polnische Arbeitskräfte in größerer Zahl für das Reich freizumachen, werde sich kaum erfüllen." (Präg, S. 494-495)

Aufzeichnung Rademachers, Auswärtiges Amt

"Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete legt Entwurf einer Verordnung, betreffend Bestimmung des Begriffes 'Jude' in den besetzten Ostgebieten vor. Die nunmehr auf Grund einer Ressortbesprechung (am 29. Januar im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete) gewählte Fassung der Verordnung berücksichtigt die von dem Vertreter des Auswärtigen Amtes (Referat D III) vorgetragenen Bedenken gegen die Einbeziehung von Juden ausländischer Staatsangehörigkeit in die erwähnte Verordnung. In einem geheimen Runderlaß sind die zuständigen Stellen angewiesen worden, die geplanten Judenmaßnahmen nur auf Juden (...) anzuwenden, die die rumänische, slowakische oder kroatische Staatsangehörigkeit besitzen."
Hierfür liege das Einverständnis dieser Regierungen vor. (ADAP, Serie E, Bd. II, Nr. 197)

Goebbels Tagebuch

"Trotz der harten Schläge, die die Juden in Berlin erhalten, sind sie immer noch frech und aufsässig. Es befinden sich augenblicklich noch 40.000 Juden in Berlin. Es ist außerordentlich schwer, sie nach dem Osten abzuschieben, weil ein großer Teil von ihnen in der Rüstungsindustrie beschäftigt ist und Juden immer nur familienweise abgeschoben werden sollen. Der Rest besteht aus alten Leuten, gegen die man im Augenblick schlecht etwas unternehmen kann." (Fröhlich, II.4, S. 273)

12.05.1942

Aus Wien geht ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen ins Durchgangslager Izbica bei Lublin ab.

Juden dürfen nicht mehr von nichtjüdischen Friseuren bedient werden. (Walk, S. 372)

Luxemburg

Wohnungen von Juden müssen gekennzeichnet werden.

13.05.1942

Anordnung des OB Berlin

Die Zigeuner sind kürzlich den Juden arbeitsrechtlich gleichgestellt worden. Diese Gleichstellung soll auch auf dem Ernährungsgebiet angewendet werden. Ich bitte daher, für Zigeuner mit sofortiger Wirkung weder Zusatzkarten für Schwer- und Schwerstarbeiter, noch Zulagekarten für Land- und Nachtarbeiter auszugeben. (Walk, S. 373)

15.05.1942

Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Izbica bei Lublin.

Italien/Jugoslawien

Bericht des italienischen Gouverneurs in Dalmatien, Bastiniani, an die Regierung in Rom.

Die Zahl der aus Kroatien in die von Italien annektierten und besetzten Gebiete strömenden Juden sei so groß geworden, daß er angeordnet habe, sie trotz der dramatischen Szenen an den Grenzübergängen zurückzuweisen. Viele schafften es trotzdem, in das von Italienern kontrollierte Gebiet zu kommen. (Steinberg, S. 53)

Hitlers "Tischgespräche"

"Um eben denselben Juden (...) lamentiere heute unser sogenanntes Bürgertum, wenn er nach dem Osten abgeschoben werde. (...) Daß der Jude als Parasit der klimafesteste Mensch der Erde sei und sich im Gegensatz zum Deutschen in Lappland genauso wie in den Tropen einlebe, das bedenke natürlich kein einziger, der seine Krokodilstränen hinter einem nach dem Osten abtransportierten Juden herweine. Dabei handle es sich bei diesem Spießer aber in der Regel um einen Menschen, der sich auf seine Bibelfestigkeit etwas einbilde, trotzdem aber nicht wisse, daß nach den Berichten des Alten Testaments dem Juden weder ein Aufenthalt in der Wüste noch ein Marsch durchs Rote Meer etwas anhaben könne.

Wie so oft in der Geschichte, wenn der Jude übermütig geworden und die Völker, bei denen er sich eingenistet habe, zu sehr von ihm ausgepowert worden seien, erkenne auch jetzt langsam ein Volk nach dem anderen, wieviel Schaden ihm der Jude zugefügt habe. Jeder versuche dann auf seine Weise mit ihm fertig zu werden." (Picker, S. 348)

17.05.1942

Die Vorschriften des an diesem Tag verkündeten Mutterschutzgesetzes finden auf jüdische Frauen keine Anwendung, außer in beschränktem Umfang für werdende Mütter, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. (RGBl I, S. 324-328)

Goebbels Tagebuch

"Wir versuchen die noch in Berlin verbliebenen Juden jetzt in grösserem Umfange nach dem Osten zu evakuieren. Ein Drittel aller in Deutschland noch wohnenden Juden befindet sich in der Reichshauptstadt. Das ist natürlich ein auf die Dauer unerträglicher Zustand. Hauptsächlich ist er darauf zurückzuführen, daß in Berlin verhältnismäßig viele Juden in der Rüstungsindustrie beschäftigt sind und nach einer Verordnung auch ihre Familienmitglieder nicht evakuiert werden dürfen. Ich strebe eine Aufhebung dieser Verordnung an und werde alle Juden, die nicht unmittelbar in kriegswichtigen Betrieben beschäftigt sind, aus Berlin herauszubringen versuchen." (Fröhlich, II.4, S. 305)

18.05.1942

Brandanschlag der Widerstandsgruppe um Herbert Baum auf die Berliner Ausstellung "Das Sowjetparadies". Durch Verrat wird die Gruppe kurz darauf festgenommen, Baum zu Tode gefoltert, die anderen sechs am 18. August 1942 in Plötzensee hingerichtet.

Die Gestapo nahm außerdem als Repressalie 500 Berliner Juden fest, brachte sie nach Lichterfelde und erschoß die Hälfte von ihnen noch am gleichen Abend. Die übrigen wurden ins KL Sachsenhausen gebracht und dort im Herbst 1942 ermordet.

20.05.1942

Aus Wien werden 1.000 jüdische Menschen nach Minsk deportiert und dort gleich nach ihrer Ankunft von den Deutschen erschossen.

21.05.1942

Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt an die deutsche Botschaft in Paris.

Bezug auf Fernschreiben vom 15.5.42. Botschafter Abetz hatte darin den Text einer geplanten Verordnung über die Einführung des "Judensterns" im besetzten Frankreich ab 1. Juni übermittelt und um Weisungen zur Frage der Ausnahmen gebeten.

"Das Auswärtige Amt ist einverstanden:

  1. daß die beabsichtigte Verordnung in der vorgesehen Form erlassen wird und damit formell alle Juden zum Tragen des Judensternes verpflichtet werden,
  2. daß die ausführenden Behörden intern angewiesen werden, nur die Juden ausländischer Staatsangehörigkeit zum Tragen des Sternes anzuhalten, deren Heimatländer bisher ähnliche Maßnahmen durchgeführt haben.

Solche Maßnahmen sind bisher durchgeführt in: Deutschland, den Niederlanden, dem Generalgouvernement, den besetzten Ostgebieten, der Slowakei, Kroatien und Rumänien. Im besetzten Serbien ist keine derartige Anordnung mehr erlassen, weil das Gebiet inzwischen judenfrei gemacht wurde. Die Juden bisheriger jugoslawischer Staatsangehörigkeit können also erfaßt werden. Eine ähnliche Verordnung steht unmittelbar bevor im besetzten Belgien.

Das Auswärtige Amt wird laufend mitteilen, sowie weitere Länder ähnliche Maßnahmen getroffen haben."

Mit Telegramm vom 21. Mai berichtete Abetz, daß die Einführung der Kennzeichnungspflicht im unbesetzten Teil Frankreichs "augenblicklich keinesfalls zu erwarten" sei, aber die grundsätzliche Bereitschaft bei den zuständigen französischen Stellen vorhanden sei. (ADAP, Serie E, Bd. II, Nr. 230 und Fußnote)

21.-23.05.1942 und 25.-30.05.1942

Generalgouvernement

Aus Chelm, östlich von Lublin, werden 3.800 Juden, vor allem bereits früher Deportierte aus Slowakien sowie ältere und kranke Menschen, in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. (EdH, S. 279-280)

22.05.1942

Ein Bericht der polnisch-jüdischen Organisation "Bund" trifft bei der polnischen Exilregierung in London ein. Es wird geschätzt, daß von Juni 1941 bis April 1942 auf polnischem Boden etwa 700.000 Juden ermordet wurden. Die Alliierten werden aufgefordert, die völlige Vernichtung der polnischen Juden zu verhindern.

Auf Grundlage des "Bund"-Berichts bringt BBC am 2. Juni eine erste Meldung. Der Chef der polnischen Exilregierung, Sikorski, spricht dazu am 10. Juni über BBC.

Auschwitz

Aus dem KL Majdanek werden 1.000 slowakische Juden nach Auschwitz eingeliefert. Ein Vierteljahr später sind nur noch 53 von ihnen am Leben. (Czech, S. 215)

23.05.1942

Slowakien

Das slowakische Parlament verabschiedet ein Gesetz, das die Ausweisung von Juden ausdrücklich erlaubt.

24.05.1942

Goebbels Tagebuch

"Wir haben jetzt einen Klub von Saboteuren und Attentätern in Berlin ausfindig gemacht. Darunter befinden sich auch die Kreise, die die Brandbombenattentate auf die Anti-Sowjet-Ausstellung (s. 18.5.42, Anm. d. Red.) unternommen haben. Bezeichnenderweise sind von den Verhafteten fünf Juden, drei Halbjuden und vier Arier. (...) Man sieht an dieser Zusammenstellung, wie richtig unsere Judenpolitik ist und wie notwendig es erscheint, weiter auf das radikalste hier den alten Kurs fortzusetzen und dafür zu sorgen, daß die noch in Berlin vorhandenen 40.000 Juden, die in Wirklichkeit freigelassene Schwerverbrecher darstellen, die nichts mehr zu verlieren haben, auf das schnellste entweder konzentriert oder evakuiert werden. Am besten wäre selbstverständlich die Liquidierung."

Hitler habe ihm den Auftrag gegeben, "schnellstens dafür zu sorgen, daß die Berliner Juden evakuiert werden. Speer erhebt zwar dagegen Einspruch, daß auch die in der Rüstungsindustrie arbeitenden Juden darunter fallen; aber wir müssen dafür sorgen, daß wir irgendeinen Ersatz bekommen. (...)

Im übrigen erlaubt der Führer mir, etwa 500 jüdische Geiseln zu verhaften und auf neue Attentate rücksichtslos mit Erschießungen zu antworten. (...) Ich beauftrage die Berliner Polizeibehörden, eine Geiselliste zusammenzustellen; ich werde dann, um einen solchen Druck auszuüben, im Laufe der nächsten Woche die Verhaftungen anbefehlen." (Fröhlich, II.4, S. 350-352)

27.05.1942

Protektorat

Angriff einer bewaffneten tschechischen Widerstandsgruppe auf den Stellvertretenden Reichsprotektor und SiPo/SD-Chef Heydrich, den Chefkoordinator der "Endlösung". Er stirbt am 4. Juni an den Verletzungen.

Ein Deportationszug mit 1.000 Menschen geht aus Wien nach Minsk ab. Sie werden unmittelbar nach ihrer Ankunft erschossen.

28.05.1942

Konrad Meyer legt eine überarbeitete Fassung des "Generalplan Ost" vor.

In der Denkschrift werden die Kosten der Umsiedlungsaktion und die Mittel für deren Deckung berechnet. Angestrebt wird die weitgehende "Germanisierung" der eroberten Ostgebiete im Verlauf von zehn Jahren nach Kriegsende. Wetzel befürwortet ein System von "Siedlungsstützpunkten" entlang der Hauptverbindungsstraßen von Deutschland zur Region Leningrad und zur Südukraine/Krim. Diese Stützpunkte sollen im Abstand von 100 Kilometern angelegt werden und jeweils ungefähr die Fläche zweier reichsdeutscher Kreise (ca. 2.000 qkm) haben. 14 solche Basen sollen im Generalgouvernement, acht in der Ukraine und 14 im RK Ostland (baltische Länder und Weißrußland) entstehen. Zugleich soll die Einwohnerzahl der Städte und Ballungsgebiete drastisch gesenkt werden.

Himmler war mit dem Vorschlag, sich im Generalgouvernement und im Ostland zunächst auf die Errichtung von Siedlungsschwerpunkten zu beschränken, nicht einverstanden. Er verlangte die vollständige Eindeutschung dieser Gebiete im Verlauf von 20 Jahren. (Madajczyk, S. 90-91)

Goebbels Tagebuch

"Wir werden schon dieses Versuches zur Chaotisierung des Protektorats (das bezieht sich auf das Attentat gegen Heydrich und auf die wachsende Opposition gegen die deutsche Besatzung) und überhaupt der besetzten Gebiete Herr werden. Ähnlich werde ich jetzt meinen Kampf gegen die Juden in Berlin durchführen. Ich lasse augenblicklich die Judengeiselliste zusammenstellen und dann umfangreiche Verhaftungen vornehmen. Ich habe keine Lust, mir unter Umständen von einem 22jährigen Ostjuden (...) eine Kugel in den Bauch schießen zu lassen. Zehn Juden im Konzentrationslager oder unter der Erde sind mir lieber als einer in Freiheit. Man muß da ganz unsentimental vorgehen. Wir führen heute einen Kampf auf Leben und Tod, und der wird ihn gewinnen, der am energischsten seine persönliche und seine politische Existenz verteidigt. Das wird zweifellos bei uns der Fall sein." (Fröhlich, II.4, S. 386)

28.05. - 08.06.1942

Generalgouvernement

Das Ghetto von Krakau wird von den Deutschen hermetisch abgeriegelt. 6.000 Bewohner werden in das Vernichtungslager Belzec deportiert; weitere 300 Menschen werden schon während der Polizeiaktion in Krakau ermordet. Anschließend wird das Ghetto, in dem noch 12.000 Menschen leben, auf die Hälfte des Umfangs reduziert. (EdH, S. 809)

29.05.1942

Frankreich

Die deutschen Besatzungsbehörden verbieten Juden den Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen und bei Veranstaltungen; ihre Einkaufsmöglichkeit wird auf eine Stunde täglich beschränkt.

Hitlers "Tischgespräche"

"Ganz Westeuropa müsse nach einer bestimmten Zeit völlig judenfrei sein. Das sei allein schon deshalb erforderlich, als es unter den Juden immer einen gewissen Prozentsatz von Fanatikern gebe, der das Judentum wieder hochzubringen suche. Es empfehle sich deshalb auch nicht, die Juden nach Sibirien abzuschieben, da sie bei ihrer Klimafestigkeit dort nur gesundheitlich noch besonders gehärtet würden. Viel richtiger sei es, sie - da die Araber sie in Palästina nicht haben wollten - nach Afrika zu transportieren und sie damit einem Klima auszusetzen, das jeden Menschen unserer Widerstandsfähigkeit beeinträchtige und damit jede Interessenüberschneidung mit europäischem Menschentum ausschließe." (Picker, S.378)

Goebbels Tagebuch

"Im Reich kann man hier und da erste Anzeichen einer stärkeren staatsfeindlichen Propaganda beobachten. Sie geht zweifellos von den Juden aus. Die Juden, die noch im Reich verblieben sind, stellen natürlich ein außerordentlich gefährliches Kontingent von Zeitgenossen dar. Sie gehörten eigentlich in die Gefängnisse. Daß man sie frei herumlaufen läßt, bedeutet für das öffentliche Leben eine stets gleichbleibende und bei zunehmender Krise auch zunehmende Gefahr. Ich bin ständig bemüht, möglichst viele Juden nach dem Osten verfrachten zu lassen; sind sie einmal aus der Reichweite heraus, dann können sie uns wenigstens vorerst nicht schaden." (Fröhlich, II.4, S. 393)

30.05.1942

Goebbels Tagebuch

Er habe Hitler am Vortag noch einmal seinen Plan vorgetragen, "die Juden restlos aus Berlin zu evakuieren. Er ist ganz meiner Meinung und gibt Speer den Auftrag, so schnell wie möglich dafür zu sorgen, daß die in der deutschen Rüstungswirtschaft beschäftigten Juden durch ausländische Arbeiter ersetzt werden." - Hitler habe ihm gesagt: "Die Deutschen beteiligen sich an subversiven Bewegungen immer nur, wenn die Juden sie dazu verführen. Deshalb muß man die jüdische Gefahr liquidieren, koste es, was es wolle."
(Fröhlich, II.4, S. 405-406)

31.05.1942

Generalgouvernement

Frank besichtigt in Lublin das neu errichtete Ghetto.

Gouverneur (Distriktchef) Zörner berichtet: "Vor kurzem habe man aus der Stadt Lublin etwa 40.000 Juden herausgenommen. Man habe diejenigen Juden, die in Fabriken arbeiteten oder als Heimarbeiter im deutschen Interesse tätig seien, in ein neues Ghetto eingesiedelt. Es handle sich um 3.000 bis 4.000 Juden. Außerhalb der Stadt Lublin gebe es noch verschiedene stark jüdisch bevölkerte kleine Städte und ein Lager, das dauernd mit Juden belegt sei. Man hoffe, im Laufe der Zeit eine möglichste Säuberung des Distrikts von Juden zu erreichen." (Präg, S. 500)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

26.05.1942

Beginn einer deutschen Offensive in Nordafrika, die einen Monat später mit der Einnahme Tobruks und dem Vormarsch auf El Alamein endet.

30.-31.05.1942

Großangriffe der britischen Luftwaffe auf Köln und mehrere Städte des Ruhrgebiets.


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