CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Anfang November 1944

Bormann teilt dem Chef der Reichskanzlei, Lammers, im Auftrag Hitlers mit: "Die Ereignisse des 20. Juli haben gezeigt, wie notwendig es ist, aus den Führungsstellen des Reiches alle Männer zu entfernen, die ihrer Herkunft nach bei besonderer Belastung zu Zweifeln an ihrer nationalsozialistischen Haltung und weltanschaulichen Fähigkeit Anlaß geben. Hierzu sind die Beamten zu rechnen, die als jüdische Mischlinge oder jüdisch Versippte die nationalsozialistische Weltanschauung niemals aus innerster Überzeugung bejahen können, sondern ihrer blutmäßigen oder verwandtschaftlichen Bindung wegen mit ihr immer wieder in Konflikt kommen müssen.

Der Führer ordnet daher aus diesen Erwägungen an, daß Beamte, die jüdische Mischlinge oder die mit Juden oder jüdischen Mischlingen verheiratet sind, in Obersten Reichsbehörden nicht mehr tätig sein dürfen, auch wenn früher ihre oder ihrer Ehegatten Gleichstellung mit Deutschblütigen ausgesprochen wurde."
(R. Wistrich, S.240-241)

02.11.1944

Auschwitz

Das Töten mit Zyklon B in den Gaskammern wird eingestellt. "Selektierte" Häftlinge werden von nun an in der Gaskammer oder auf dem Gelände des Krematoriums V erschossen. (Czech, S. 921)

03.11.1944

Slowakien/Auschwitz

Mit einem Transport aus dem Lager Sered werden 990 jüdische Männer sowie eine unbekannte Zahl von Frauen und Kindern nach Auschwitz eingeliefert und als Häftlinge registriert. (Czech, S. 922)

Der frühere Schweizer Bundespräsident Musy trifft Himmler. Dieser sagt, er habe ungefähr 600.000 Juden, die er, ohne Hitler um Erlaubnis bitten zu müssen, freilassen könnte, wenn er als Gegenleistung dafür Lastwagen und andere Güter erhielte. Musy bietet ihm daraufhin mehr als eine Million Schweizer Franken an, um Zeit zu gewinnen. (Bauer, Freikauf, S. 353-354)

07.11.1944

Ungarn

Rumänische Note an Ungarn.

Die rumänische Regierung nimmt Bezug auf Berichte, daß Schritte eingeleitet worden seien, um die aus Nordsiebenbürgen deportierten sowie die im deutschen Machtbereich lebenden rumänischen Juden zu vernichten. "Ferner sollen die zwangsweise zum Arbeitsdienst ins Innere von Deutschland und Ungarn verbrachten Rumänen in ihrer Existenz bedroht sein."
Sie habe das IRK um dringende Untersuchung gebeten.

Rumänien betrachte alle in Rumänien lebenden Personen deutscher oder ungarischer Abstammung als "solidarisch mitverantwortlich" für das Schicksal der erwähnten Personen und beabsichtige, nötigenfalls "gerechte Repressalien zu ergreifen". (Braham, Destruction II, Nr. 354)

08.11.1944

Ungarn

Die von Eichmann organisierten "Todesmärsche" ungarischer Juden nach Hegyeshalom und zur österreichischen Grenze beginnen. Es sollen täglich 2.000 Menschen "zum Arbeitseinsatz im Reich" in Marsch gesetzt werden.

12.11.1944

Ungarn

Juden, die "Schutzbriefe" oder befristete Pässe neutraler Länder besitzen, müssen in besonders gekennzeichnete "geschützte Häuser" umziehen.

13.11.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an das Auswärtige Amt.

"Evakuierung Budapester Juden verläuft ungeachtet technischer Schwierigkeiten wie vorgesehen. Nach Mitteilung SS-Obersturmbannführers Eichmann sind bis heute rund 27.000 marsch- und arbeitseinsatzfähige Juden beiden Geschlechtes in das Reichsgebiet in Marsch gesetzt worden. Es wird mit einem Restkontingent von noch rund 40.000 arbeitsfähigen Juden gerechnet, die in Tagesraten von 2.-4.000 abtransportiert werden. In besonderem Stadtteil zusammengefaßt werden danach an nicht arbeitsfähigen einschließlich Kindern in Budapest schätzungsweise 120.000 Juden verbleiben, über deren endgültige Bestimmung noch nicht entschieden ist, jedoch maßgeblich von Ermöglichung Gestellung Transportmittel abhängig ist." (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 298)

Die ungarische Regierung ordnet die Konzentration aller Juden Budapests - sofern sie nicht im Besitz von "Schutzbriefen" oder ausländischen Pässen sind - in einem Ghetto im Zentrum der Stadt an. Die Umsiedlung ist bis zum 2. Dezember weitgehend abgeschlossen.

15.11.1944

Ungarn

Antwort des ungarischen Außenministeriums auf die rumänische Note vom 7. November.

Die nordsiebenbürgischen Juden würden nicht deportiert, sondern zum Arbeitsdienst eingesetzt. Sie sollten keineswegs vernichtet werden; sie würden gut behandelt und ernährt. Gleiches gelte für die Angehörigen der rumänischen Volksgruppe. (Braham, Destruction II, Nr. 355)

16.11.1944

Runderlaß des Reichsinnenministers

Jüdische Mischlinge ersten Grades oder mit Volljüdinnen oder jüdischen Mischlingen ersten Grades verheiratete Volksgenossen werden zur Zeit von der Arbeitseinsatzverwaltung zu bestimmten Arbeiten geschlossen eingesetzt. Nicht einzusetzen sind für diese Arbeiten Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, aber sie dürfen keine Schlüsselstellungen mehr bekleiden und sind bei Aufgaben einzusetzen, bei denen sie keine Gefahr bilden. (Walk, S. 405)

17.11.1944

Ungarn

Der päpstliche Nuntius in Budapest läßt, zusammmen mit der Vertretung Schwedens und im Namen aller neutralen Gesandten, der ungarischen Regierung eine scharf formulierte Note zukommen. Die neutralen Staaten verlangen, daß die von ihnen an ungarische Juden ausgestellten Schutzpässe akzeptiert werden. (Bauer, Freikauf, S. 377-378)

21.11.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an das Auswärtige Amt.

Ministerpräsident Szálasi hat aufgrund der bekannt gewordenen Umstände angeordnet, daß jüdische Frauen nicht mehr in Fußmärschen aus Budapest weggeführt werden dürfen, sondern nur, sofern Transportmittel zur Verfügung gestellt werden. Angesichts der Unmöglichkeit, Waggons zu beschaffen, komme das einer Einstellung des Abtransports der Frauen gleich.

Außerdem hat der Leiter des Arbeitseinsatzes ungarischer Juden im Niederdonau-Gebiet, Höss (der frühere Kommandant des KL Auschwitz), mitgeteilt, "daß er nur noch bestarbeitsfähige Männer, möglichst nicht über 40 Jahren, einsetzen könne, die die besonders schwere, im Reichsgebiet unter Tage auszuführende Arbeit auch auf längere Zeitdauer aushalten können".

Daraus ergebe sich, daß nicht mehr die Entfernung aller Juden aus Budapest, sondern nur der Abtransport der absolut Arbeitsfähigen das Ziel sei.

"Im Budapester allgemeinen Ghetto verbleibende Juden werden nach einer neueren Schätzung nicht mehr als rund 80.000 Personen betragen, während das Sonderghetto für Schutzpaß-Inhaber rund 16.000 Personen umfassen wird.

Zum Arbeitseinsatz in das Reichsgebiet in Marsch gesetzt sind zurzeit (...)  nicht mehr als 30.000 Juden. Noch zu erwartendes Restkontingent schwer abschätzbar. Es steht jedoch nach neuer Sachlage kaum zu erwarten, daß die ursprünglich angeforderte Zahl von 50.000 erreicht wird." (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 306)

Ribbentrop beauftragte Veesenmayer am 21. November, Szálasi "dringend nahezulegen", trotz der technischen Schwierigkeiten die Evakuierung der Budapester Juden "energisch voranzutreiben". Szalasi müsse sich darüber klar sein, "daß Budapest desto besser verteidigt werden könne, je mehr und je eher die Juden aus der Stadt herausgebracht seien." (Braham, Destruction II, Nr. 243 und 244)

25.11.1944

Auschwitz

Die Demontage der technischen Einrichtungen im Krematorium II beginnt. Zuerst wird der Motor, der dazu dient, die Luft aus den Gaskammern zu pumpen, ausgebaut. Anschließend werden die Rohre demontiert. (Czech, S. 933)

26.11.1944

Auschwitz

Unter den 200 Häftlingen des Sonderkommandos, die die Krematorien in Birkenau bedienen, wird eine "Selektion" durchgeführt. Vermutlich 100 Menschen werden erschossen.

Himmler ordnet die Zerstörung der Krematorien im KL Auschwitz-Birkenau an. (Czech, S. 933-934)

27.11.1944

Ungarn

Nach einer Intervention des SS-Offiziers Kurt Becher, der sich dabei auf einen Befehl Himmlers beruft, werden die Fußmärsche von Budapester Juden zur Zwangsarbeit im Reichsgebiet eingestellt. (Bauer, Freikauf, S. 368)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

02.11.1944

Neue sowjetische Offensive gegen Budapest. Ihre Panzerkolonnen stehen kurz darauf 13 km vor der Stadt.

05.11.1944

Britische Truppen befreien Saloniki (Nordgriechenland).


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