CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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01.02.1941

Dr. Ebner von der Gestapo kündigt dem Vertreter der jüdischen Gemeinde Wiens, Löwenherz, in Anwesenheit Brunners, des Wiener Vertreters von Eichmann, an: "Es ist geplant, einen Teil der in Wien wohnhaften Juden in das Generalgouvernement umzusiedeln. -  Die Ansiedlung (von 10.000 Juden bis Mai 1941) im GG wird in kleinen Kreisstädten erfolgen. (...) Sollten die Juden der Aufforderung der Zentralstelle nicht freiwillig Folge leisten, wird deren Vorführung durch Polizeistellen angeordnet werden. Außerdem haben diese Juden schärfere Maßnahmen zu gegenwärtigen. (...) Es ergeht ein Verbot an die Juden, Wien ohne besondere Zustimmung der Zentralstelle zu verlassen." (Adler, S. 27 und S. 148-149)

05.02.1941

Rumänien

Das "Gesetz zum Schutz des Staates" sieht vor, Juden für gleiche Vergehen doppelt so schwer zu bestrafen wie Nicht-Juden.

07.02.1941

Generalgouvernement

In den Richtlinien zur Durchführung des 3. Nahplans wird die Aussiedlung von Juden aus dem Warthegau ins Generalgouvernement, die seit einigen Monaten verboten ist, wieder gestattet. (Aly, Endlösung, S. 220).

11.02.1941

Niederlande

Im Januar und Februar 1941 unternahmen Banden einheimischer NS-Sympathisanten immer wieder gewalttätige Provokationen gegen das Amsterdamer Judenviertel. Es kam mehrmals zu heftigen Auseinandersetzungen, in die auch nicht-jüdische Amsterdamer auf Seiten der Juden eingriffen. Am 11. Februar wurde bei einer Straßenschlacht ein Angehöriger der von den Deutschen geförderten "Nationaal Socialistische Beweging" tödlich verletzt. In den folgenden Tagen riegelte deutsche Polizei das Judenviertel ab und nahm wahllos hunderte von jüdischen Männern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren fest.

389 Festgenommene wurden am 27. Februar nach Buchenwald und etwa 340 von dort später weiter in das KL Mauthausen transportiert. Keiner von ihnen überlebte die sadistische Behandlung in den Steinbrüchen von Mauthausen. Drei weitere Transporte mit niederländischen Juden erreichten das KL Mauthausen bis zum Herbst des Jahres 1941: 300 aus Amsterdam, 100 aus Enschede sowie 70 weitere aus Arnheim und anderen Orten im Osten des Landes.

Unter anderem als Reaktion auf diese Massenfestnahmen und Verschleppungen - aber auch aus einer Vielzahl von sozialen und politischen Gründen - kam es in Amsterdam und anderen Teilen der Niederlande zum "Februarstreik", dem ersten großen Massenprotest in einem von den Deutschen besetzten Land.

14.02.1941

Oberschlesien

Albrecht Schmelt, der die oberschlesischen Juden mit Billigung Himmlers einem System halboffener Zwangsarbeit unterworfen hat, schränkt die Möglichkeit zur Verwendung jüdischer Arbeitskräfte in Betrieben ein. Er schreibt: "Eine Beschäftigung (jüdischer) Arbeitnehmer über den 28. Februar 1941 hinaus wird von mir nur genehmigt", wenn die Firmen "Ersatz an volksdeutschen oder notfalls polnischen Arbeitskräften durch die Arbeitsämter nicht zugewiesen erhalten."

Von dieser Zeit an kaserniert Schmelt die oberschlesischen Juden in mehreren Arbeitslagern, bis sie vom Frühjahr 1942 an zum großen Teil nach Auschwitz deportiert und dort ermordet werden. (Aly, Endlösung, S. 220)

15.02.1941

Generalgouvernement

Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Opole Lubelskie, südwestlich von Lublin - einer Kleinstadt mit überwiegend jüdischer Bevölkerung. Die Deutschen hatten schon im Dezember 1939 etwa 2.500 Menschen aus der nahen Kreisstadt Pulawy nach Opole Lubelskie "umgesiedelt". Im Sommer 1940 hatten sie dort mit der Anlage eines Ghettos begonnen.

Im Deportationszug aus Wien befanden sich überwiegend über 60 Jahre alte, kranke Menschen, mehrheitlich Frauen. - Insgesamt gingen vom 15. Februar bis 12. März 1941 fünf Transporte mit insgesamt rund 5.000 Menschen aus Wien ins Generalgouvernement ab - zwei nach Opole, je einer nach Kielce, Modliborczycze und Lágow. (Adler, S. 151; Aly, Endlösung, S. 263-264)

17.02.1941

Niederlande

Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amts beim Reichskommissar, Bene, an das AA.

"In der vergangenen Woche kam es im Judenviertel von Amsterdam zu Zwischenfällen zwischen Juden und Angehörigen der NSB, wobei es eine Reihe von Verletzten und Schwerverletzten gab. (...)

Seitens des Reichskommissariats sind die Zwischenfälle zum Anlaß genommen worden, die Judenfrage in Holland, deren Lösung von dem Herrn Reichskommissar schon wiederholt als vordringlich bezeichnet wurde, nunmehr energisch aufzufassen.

Als erste Maßnahme auf diesem Gebiet wird das Judenviertel künftighin abgeschlossen werden. Arier, die im Judenviertel wohnen, werden ausgesiedelt im Austausch gegen unerwünschte Juden aus dem übrigen Amsterdam."

"Zur Aufrechterhaltung der Ordnung" wurde ein Judenrat gebildet.

"Gleichzeitig ist eine schon vor längerer Zeit vorbereitete Verordnung erlassen worden, wodurch die Zahl der jüdischen Studenten an den holländischen Universitäten beschränkt werden soll."- Der Prozentsatz betrage z.Z. 8-10% und solle zunächst auf etwa 3% gedrückt werden. (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 63)

18.02.1941

Göring ordnet an, daß alle arbeitsfähigen Juden zum Arbeitseinsatz (gruppenweiser Einsatz, getrennt von den anderen Beschäftigten) herangezogen werden sollen. Um Berührungen mit der Bevölkerung auf ein Mindestmaß zu beschränken, sind die jüdischen Arbeitskräfte in Lagern unterzubringen. (Walk, S. 336)

19.02.1941

Vorläufige Anordnung des Reichstreuhänders für den öffentlichen Dienst über die arbeitsrechtliche Behandlung der Juden. An Juden dürfen nicht gewährt werden:

  1. Fortzahlung des Arbeitslohns an nationalen Feiertagen,
  2. Feiertagszuschläge,
  3. berufliche und außerberufliche Kinderzuschläge,
  4. Geburts- und Heiratsbeihilfen, Sterbegeld,
  5. Zusätzliche Altersversorgung und zusätzliche Wochenhilfe,
  6. Urlaubssteigerungen wegen Alter oder Betriebszugehörigkeit. (Walk, S. 334)

Generalgouvernement

Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Kielce.

21.02.1941

Die Pläne zur Errichtung einer besonderen Stelle zur Behandlung jüdischen Kulturguts werden der Goebbels unterstellten Reichskammer für bildende Künste übertragen. Sie soll auch entscheiden, wem Kunstgegenstände zum Verkauf angeboten werden sollen, und ob sie in Deutschland oder im Ausland verkauft werden. (Walk, S. 335)

22.02.1941

Niederlande

Auf deutsche Anweisung werden alle jüdischen Beamten und Angestellten entlassen.

22.- 23.02.1941

Niederlande

Razzien der deutschen Polizei in Amsterdam; Massenfestnahmen und Deportationen. (s. 11.02.41)

24.02.1941

Schreiben des Wehrkreiskommandos XVII (Wien) an den Chef des Heeres-Rüstungsamtes

"Aus Wien werden seit 2 Wochen die Juden nach Polen abgeschoben. Wöchentlich laufen jetzt die Transporte mit dem Ziel, eine baldige Judenreinheit Wiens zu erreichen. Aus politischen Gründen ist diese Aktion für die zweitgrößte Stadt des Reiches sehr zu begrüßen, umso mehr, als aus den jüdischen und jüdisch versippten Kreisen in der Hauptsache sich die Gerüchtemacher zusammensetzten. Von dem Abschub der Juden darf ohne Zweifel in Zukunft eine Besserung der allgemeinen Stimmung in Wien erwartet werden." (Ogorreck, S. 172)

Ministerkonferenz im Reichspropagandaministerium

"Der Minister (Goebbels) wünscht ein ausführliches Exposé über die Frage, ob nach dem Völkerrecht Erobererstaaten für die Ernährung der Bevölkerung in den von ihnen besetzten Gebieten verantwortlich seien." (Boelcke I, S. 622)

25.02.1941

Generalgouvernement

Anordnung des Distriktchefs zur "Aussiedlung" von Juden aus der Hauptstadt Krakau. Aufenthaltsberechtigt sind nur noch Juden, die eine vom Amt des Distriktgouverneurs ausgestellte Kennkarte haben. Juden, die ohne solche Karte in Krakau aufgegriffen werden, wird "strengste Bestrafung" angedroht.

26.02.1941

Auschwitz

Im Zuge der Baumaßnahmen und Bauvorbereitungen für das KL Auschwitz und das geplante Buna-Chemiewerk ordnet Himmler an:

  1. "Die Juden in Auschwitz sind raschestens auszusiedeln, ihre Wohnungen sind freizumachen und für die Unterbringung der Bauarbeiterschaft des Bunawerkes sicherzustellen.    
  2. Aus der Gegend von Auschwitz dürfen keinerlei als Arbeiter oder Bauarbeiter für das Bunawerk in Frage kommende Polen ausgewiesen werden."    
  3. Die zuständigen Stellen sollen "das Bauvorhaben durch die Gefangenen aus dem Konzentrationslager in jedem nur möglichen Umfange unterstützen". (Czech, S. 78-80)

Generalgouvernement

Zweite Deportation von rund 1.000 jüdischen Menschen aus Wien nach Opole Lubelski.

Niederlande

In der Mitarbeiterbesprechung seines Propagandaministeriums erörtert Goebbels Maßnahmen gegen die Streikbewegung in Amsterdam (24.-26. Februar): "Da hinter dieser Streikbewegung in erster Linie jüdische Kreise stünden, würden abschreckende Maßnahmen gegen Juden von erheblich beruhigender Wirkung sein." (Boelcke I, S. 625)

27.02.1941

Aufzeichnung von Freytag, Auswärtiges Amt

Von Maßnahmen gegen Juden amerikanischer Nationalität im deutschen Machtbereich sei bisher aus politischen Gründen abgesehen worden. Falls das jetzt geändert würde, bestünde die Gefahr, daß nachteilige Folgen für Deutschland einträten "und die an sich schon gespannten Beziehungen zu den amerikanischen Staaten eine weitere Belastung erfahre".

Er schlägt daher vor, mit solchen Maßnahmen bis zu einem geeigneteren Zeitpunkt zu warten. (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 116 Fußnote)

Ende Februar 1941

Generalgouvernement

Etwa 10.000 Juden aus Stadt und Landkreis Plock im Regierungsbezirk Zichenau (ehem. polnisches Gebiet, das an Ostpreußen angeschlossen wurde) werden in den Distrikt Radom im Generalgouvernement zwangsumgesiedelt. Viele von ihnen sterben während der Vertreibung und unmittelbar in deren Folge an Unterernährung und Krankheiten.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

07.02.1941

Nach einem Vorstoß über 200 km hinweg schneiden die britischen Truppen der italienischen 10. Armee an der libyschen Küste den Rückzug ab. Seit dem 9. Dezember 1940 hatten zwei britische zehn italienische Divisionen geschlagen und 130.000 Mann gefangen genommen.

Der erste Geleitzug mit Truppen und Material für das neue "Deutsche Afrikakorps" verläßt Neapel und kommt am 11. Februar in Nordafrika an.

11.02.1941

Ankunft erster deutscher Truppen in Tripolis, Libyen, zur Verstärkung der in die Defensive geratenen Italiener.


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