CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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September 1941

RK Ukraine

Der Leiter der Einsatzgruppe D, Ohlendorf, erbittet beim RSHA eine Entscheidung, ob die auf der Krim lebenden ethnischen Gruppen der Karaiten und Krimtschaken als Juden zu betrachten und in die "Endlösung" einzubeziehen seien. Himmler entscheidet, daß die Krimtschaken einzubeziehen seien, nicht aber die Karaiten.

Nach der Volkszählung von 1926 lebten auf der Krim 42.000 Juden und 6.400 Krimtschaken

Generalgouvernement

In Tarnopol (Ukraine) wird die Bildung eines Ghettos angeordnet. Die Umsiedlung der Juden und die Abriegelung des Gebiets dauern bis Anfang Dezember.

Warthegau

Die Juden aus dem Stadt- und Landkreis Leslau werden ins Ghetto von  Lodz gebracht.

September - Oktober 1941

Niederlande

Jüdische Kinder werden vom Schulbesuch ausgeschlossen. Juden dürfen nicht mehr reisen oder ihren Wohnsitz wechseln; der Besuch von Hotels, Cafés und Restaurants wird ihnen verboten. Jüdische Einrichtungen werden aufgelöst. In Twente und Achterhook finden Razzien zur Festnahme von Juden statt.

31.08. - 03.09.1941

RK Ostland

Rund 8.000 jüdische Einwohner Wilnas werden in Ponary, etwa 12 km von der Stadt entfernt, erschossen, darunter die meisten Mitglieder des Judenrats. Die Aktion wird als Vergeltung für einen Angriff auf deutsche Soldaten bezeichnet.

01.09.1941

Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden

Juden, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne den amtlichen "Judenstern" zu zeigen. Er besteht aus einem handtellergroßen gelben Stoffstern mit der Aufschrift "Jude", der sichtbar auf der linken Brustseite des Kleidungsstücks fest aufgenäht zu tragen ist.

Juden dürfen ohne schriftliche Erlaubnis der zuständigen Ortspolizeibehörde den Bereich ihrer Wohngemeinde nicht verlassen. Sie dürfen keine Orden, Ehrenzeichen oder sonstigen Abzeichen tragen.

Die Verordnung findet keine Anwendung auf den in Mischehe lebenden jüdischen Ehegatten, sofern Kinder aus der Ehe vorhanden sind und diese nicht als Juden gelten, oder wenn der einzige Sohn im Krieg gefallen ist, ferner nicht für die jüdische Ehefrau bei kinderloser Mischehe während der Dauer der Ehe.

Die VO tritt 14 Tage nach ihrer Verkündung in Kraft. (RGBl I, S. 547)
Allgemein wird als erster Tag der Gültigkeit jedoch der 19. September genannt.

Rumänien

Der deutsche Gesandte in Bukarest teilt dem Auswärtigen Amt mit, die rumänische Regierung habe "60.000 Juden zum Straßenbau einfangen" lassen.

02.09.1941

Rumänien

Das Auswärtige Amt an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Die Wehrmacht habe bisher keine Juden aus der Ukraine in das von den Rumänen kontrollierte Bessarabien abgeschoben und beabsichtige auch nicht, das zu tun. Nachdem jedoch von rumänischen Dienststellen Anfang August an zwei Stellen Juden über den Dnjestr in die Ukaine abgeschoben worden seien, hätten Einheiten der deutschen Armee und der Sicherheitspolizei sie bis Mitte August nach Bessarabien zurücktransportiert. (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 288 Fußnote)

03.09.1941

Auschwitz

Im Lager werden erstmals "versuchsweise" sowjetische Kriegsgefangene und kranke Häftlinge mit Zyklon B ermordet. (Czech, S. 117-118)
Nach Aussagen des Lagerkommandanten Höss wurden bei einer weiteren "Probevergasung", vermutlich ebenfalls im September, 900 sowjetische Kriegsgefangene getötet. (Czech, S. 120)

Rumänien

Übernahme des antijüdischen Staatsbürgerschaftsgesetzes für die Bukowina und Bessarabien; dadurch bleibt dort die überwiegende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von der rumänischen  Staatsbürgerschaft ausgeschlossen.

03. - 04.09.1941

Kroatien

Beginn der Deportation der Juden aus Sarajevo. 500 Menschen werden in das Lager Kruscia gebracht. Von dort werden etwas später die Frauen und Kinder zunächst nach Loborgrad (etwa 300 km nordwestlich von Sarajevo) und die Männer ins Lager Jasenovac transportiert.

Von einer zweiten Deportation Ende Oktober 1941 waren etwa 1.400 Menschen betroffen, von einer dritten am 17. und 18. November 1941 weitere 3.000. Letzten Endes wurden fast alle Deportierten in Jasenovac ermordet. Etwa 2.400 Juden aus Sarajevo überlebten, die meisten durch die Flucht in das von den Italienern besetzte Dalmatien.

03. - 06.09.1941

RK Ostland

In Wilna (Litauen) werden zwei Ghettos gebildet und eingezäunt. Alle überlebenden Juden, etwa 40.000 Menschen, werden dort zusammengedrängt. 6.000 anderen werden nach Ponary gebracht und dort ermordet.

04.09.1941

Besetztes sowjetisches Gebiet

In Witebsk (Weißrußland) werden 4400 jüdische Gefangene unter dem Vorwurf, sie hätten einen Aufstand vorbereitet, ermordet.

RK Ukraine

In Berditschew werden 1.500 junge Juden festgenommen und außerhalb der Stadt von deutscher Polizei und SS erschossen.

05.09.1941

Niederlande

Auf deutsche Aufforderung hin stellt das niederländische Amt für Bevölkerungsstatistik folgende Zahlen zur Verfügung: In den Niederlanden leben (Stand Januar 1941) 140.245 Juden (nach deutschen Kriterien). Von ihnen sind 118.455 niederländische Staatsangehörige, 14.493 Flüchtlinge aus Deutschland, sowie 7.297 Juden anderer Nationalität. Hinzu kommen 14.549 "Halbjuden" und 5.179 "Vierteljuden". Mehr als die Hälfte der Juden lebt in Amsterdam, über 10% in Rotterdam.

Die Stammkarten aller Juden bei den Einwohnermeldeämtern werden mit einem großen J versehen.

Goebbels Tagebuch

(Über Rumänien, Anm. d. Red.) "Die Judenfrage wird zum Teil lax, zum Teil aber auch sehr radikal zur Lösung gebracht. Es finden in großem Umfang, vor allem in Bessarabien, Erschießungen von Juden statt. Die Juden betätigen sich hier als Landesverräter und fallen der kämpfenden Front in den Rücken. Die Wut der Bevölkerung wird von der Eisernen Garde weiter geschürt, und die Regierung muß schon energisch handeln, um halbwegs dem Willen des Volkes zu entsprechen." (Fröhlich, II.1, S. 361)

07.09.1941

Hitlers Drohung vom 30. Januar 1939 - im Fall eines Krieges werde "das Judentum seine Rolle in Europa ausgespielt haben" - erscheint unter den von der Reichspropagandaleitung der NSDAP herausgegebenen "Wochensprüchen".

Kroatien/Italien

Die italienische 2. Armee übernimmt die Kontrolle über einen 50 bis 80 km breiten Streifen entlang der dalmatinischen Küste. Eine Proklamation des Armeeführer Ambrosio ruft alle Flüchtlinge zur Rückkehr auf und sichert ihnen italienischen Schutz zu.

08.09.1941

Rumänien

Das Auswärtige Amt an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Zur "Rückschiebung" von Juden nach Bessarabien (s. 2. 9. 41) hat das Oberkommando der Wehrmacht folgenden Befehl erlassen: "Soweit es sich um Verschiebung von Juden zwischen dem rumänischen Staatsgebiet und dem demnächst in rumänische Verwaltung übergehenden Gebiete zwischen Bug und Dnjestr (Transnistrien) handelt, hat ein Eingreifen deutscher Dienststellen zu unterbleiben. Verschiebungen aus diesen Gebieten in die der deutschen Verwaltung unterliegenden besetzten Gebiete und umgekehrt müssen für die Zukunft unterbunden werden." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 288)

Serbien

Der Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes in Serbien an das Auswärtige Amt.

"Nachweislich haben sich bei zahlreichen Sabotage- und Aufruhrakten Juden als Mittäter herausgestellt. Es ist daher dringend geboten, nunmehr beschleunigt für Sicherstellung und Entfernung zum mindesten aller männlichen Juden zu sorgen. Die hierfür in Frage kommende Zahl dürfte etwa 8.000 betragen. Es befindet sich z.Zt. ein Konzentrationslager im Bau, doch erscheint es im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung ratsam, diese Juden so rasch wie möglich außer Landes zu bringen, d.h. mit Leerfrachtkähnen die Donau abwärts, um sie auf rumänischem Gebiet (Insel im Donaudelta) abzusetzen. Ich bitte um Schaffung der entsprechend nötigen Voraussetzungen bezüglich der Duldung durch Rumänien."

Durch Telegramm vom 10. September teilte Unterstaatssekretär Luther der Dienststelle mit: "Einem Abschieben von Juden auf fremdes Staatsgebiet kann nicht zugestimmt werden. Auf diese Weise wird eine Lösung der Judenfrage nicht erreicht. Es wird anheimgestellt, die Juden in Arbeitslagern sicherzustellen und für notwendige öffentliche Arbeiten heranzuziehen." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 288 und Fußnote)

09.09.1941

UdSSR

Die Wehrmacht besetzt Krementschug (Ukraine). In der Stadt lebten vor dem Krieg 40.000 Juden, etwa 45% der Gesamtbevölkerung. Viele Juden waren vor dem deutschen Einmarsch aus der Stadt geflohen oder von den sowjetischen Behörden evakuiert worden; nur noch 9.000 waren zurückgeblieben. Die Juden müssen ein Kennzeichen tragen, stehen nach 5 Uhr nachmittags unter Ausgangssperre und werden zur Straßenreinigung zwangsverpflichtet.

Slowakien

Verkündigung des Zidovsky´ Kodex, der - in enger Anlehnung an die deutschen Rassengesetze - die Entrechtung der Juden gesetzlich regelt.

In dem Kodex werden in 270 Paragraphen die Bestimmungen der bis dahin erlassenen antijüdischen Gesetze und Verordnungen zusammengefaßt und erweitert.
§ 255 erlaubt dem Präsidenten der Republik, Personen von einzelnen Bestimmungen zu befreien. Ferner sind Schutzbestimmungen für sog. HZ-Personen, d.h. wirtschaftlich wichtige Juden, enthalten. Insgesamt waren 1943 mindestens rund 11.000 Personen geschützt; andere Angaben gingen bis zu 35.000.

10.09.1941

Rumänien

Die Leitung des Lagers Vertujeni (Bessarabien) erhält Anweisung, die jüdischen Gefangenen zu Fuß nach Transnistrien zu bringen, mit einer Tagesrate von 1.600 Menschen. Eine zusätzliche vertrauliche Anweisung fordert den Lagerkommandanten auf, die Juden während des Marsches zu erschiessen. Daraufhin werden von Vertujeni aus täglich zwei Kolonnen mit je 800 Menschen in Marsch gesetzt. Die letzte Gruppe verläßt Vertujeni am 6. Oktober 1941. Tausende Erschossene werden in einem Massengrab im Wald von Cosauti verscharrt.

Serbien

Der Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes beim Militärbefehlshaber in Serbien an das AA.

"Rasche und drakonische Erledigung serbischer Judenfrage ist dringendstes und zweckmäßigstes Gebot. Erbitte von Herrn RAM (Ribbentrop) entsprechende Weisung, um beim Militärbefehlshaber Serbien mit äußerstem Nachdruck wirken zu können. Seitens Serbischer Regierung und Bevölkerung ist keinerlei Widerstand zu erwarten." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 297)

Goebbels Tagebuch

"Im übrigen geben wir uns auch weiterhin keinerlei Mühe, die Stadt Leningrad zur Kapitulation aufzufordern. Sie muß nach einer fast wissenschaftlich anmutenden Methode vernichtet werden. Es ist nicht angängig, daß der Bolschewismus noch Millionenstädte aufrechterhält, die für alle Zukunft Brutstätten dieser völkervernichtenden Theorien sind. Der Bolschewismus muß aus Europa herausgetrieben werden. Er hat in einem Erdteil, der die älteste Kultur der Geschichte der Menschheit zu verteidigen hat, keinen Platz." (Fröhlich, II.1, S. 389)

11.09.1941

Verfügung des Reichsjustizministers

Die Reichskriminalstatistik weist zur Zeit nur die Kriminalität der Glaubensjuden aus. Ab 1.10.41 soll statt dieser die Kriminalität der Rassejuden festgestellt werden. Ist der Angeklagte Jude, so soll bei der Religionszugehörigkeit "Rassejude" angegeben werden. (Walk, S. 349)

12.09.1941

Serbien

Telegramm des Gesandten in Belgrad, Benzler, an das Auswärtige Amt.

Die Unterbringung der internierten Juden in Serbien selbst sei bei den jetzigen inneren Zustände - zunehmender bewaffneter Widerstand durch Partisanen - nicht möglich, da die Sicherung nicht gewährleistet sei. "Judenlager behindern und gefährden sogar unsere Truppen. So ist sofortige Räumung Lagers von 1.200 Juden in Sabac nötig." - Benzler bittet noch einmal dringend, die serbischen Juden nach dem Generalgouvernement oder auf besetztes sowjetisches Gebiet "abzuschieben". (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 313 Fußnote)

Goebbels Tagebuch

"In der Slowakei werden neue Judengesetze veröffentlicht. Sie gehen zum Teil weiter als die bei uns geltenden. Ich sehe mich nunmehr veranlaßt, auch unsere Polizeiverordnung, daß die Juden einen Judenstern sichtbar in der Öffentlichkeit tragen müssen, zu veröffentlichen. Das wird zwar einigen Lärm in der englischen und USA-Presse geben; aber von dort haben wir doch nichts mehr zu erwarten; und daß wir Antisemiten sind, das wird sich auch in England und USA mittlerweile hinreichend herumgesprochen haben." (Fröhlich, II.1, S. 404)

13.09.1941

Serbien

Schreiben Rademachers, Auswärtiges Amt.

Rademacher widerspricht der Forderung, 1.200 männliche Juden aus Serbien nach Rumänien, dem Generalgouvernement oder in besetztes sowjetisches Gebiet abzuschieben. "Rußland ist als Operationsgebiet zur Aufnahme dieser Juden völlig ungeeignet. Wenn sie schon in Serbien eine Gefahr sind, sind sie in Rußland eine noch viel größere. Das Generalgouvernement ist bereits mit Juden übersättigt.
M.E. müßte es bei der nötigen Härte und Entschlossenheit möglich sein, die Juden auch in Serbien in Lagern zu halten. Wenn die Juden dort nach wie vor Unruhe schüren, muß gegen sie mit verschärftem Standrecht vorgegangen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Juden weiter konspirieren, wenn erst eine größere Anzahl von Geiseln erschossen ist."

    Entsprechende Weisung des Auswärtigen Amtes wurde am 18. September  nach Belgrad geschickt. (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 313 und Fußnote)

Goebbels Tagebuch

"Ich erkläre mein Einverständnis, daß nun eine kurze Presseverlautbarung über die Dekorierung der noch im Reich lebenden Juden mit dem gelben Judenstern herauskommt. Ich lasse dazu einen kurzen Kommentar schreiben, der vor allem darauf hinweist, daß nach den kriegstreiberischen Manipulationen der Juden in aller Welt und ihren furchtbaren Greueltaten in der Sowjetunion ein dringendes Bedürfnis besteht, daß der deutsche Bürger einen Juden auch an einem äußeren Zeichen schon gleich erkennen kann." (Fröhlich, II.1, S. 411)

15.09.1941

Rumänien/UdSSR

Nachdem in der ersten Phase des Krieges gegen die UdSSR in der Bukowina und Bessarabien etwa 160.000 Juden von deutschen und rumänischen Armee-Einheiten sowie Teilen der Einsatzgruppe D ermordet wurden, ordnet Staatschef Antonescu an, die überlebenden etwa 150.000 Juden nach Transnistrien zu vertreiben. Auf dem Weg dorthin kommen Zehntausende von Juden ums Leben: erschossen oder verhungert, verdurstet oder infolge von Krankheiten.

Richtlinie des Reichsinnenministers für die Durchführung der Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden

Legt fest, wie der Stern anzuheften ist und wo er getragen werden muß, sowie welche Strafen bei Übertretung der Vorschriften anzuwenden sind.
Anträge zum Verlassen des Wohnorts und zur Benutzung von Verkehrsmitteln sind an die Polizei zu stellen (nur in dringenden Fällen und außerhalb der Hauptverkehrszeiten). (Walk, S. 349-350)

Erlaß des Reichsfinanzministers

Die Sätze für die Erhebung der Sozialausgleichsabgabe bei Juden werden bestimmt. Juden, die in "Mischehen" leben oder ein niedriges Einkommen haben, sind von ihr befreit. (Walk, S. 349)

Niederlande

Juden werden per Gesetz von vielen öffentlichen Orten und Gebäuden verbannt.

RK Ukraine

Das Ghetto von Berditschew wird von deutschen und ukrainischen Polizeikräften abgeriegelt. 400 ausgebildete Handwerker und deren Familien, insgesamt etwa 2.000 Menschen, werden ausgesondert. Die übrigen 18.600 Menschen werden zu Gruben außerhalb der Stadt gebracht und dort erschossen.

15.09.1941 - 15.02.1942

Rumänien/Transnistrien

Seit Mitte September 1941 wurden mehrere zehntausend jüdische Menschen aus den von Rumänien kontrollierten Gebieten Bessarabien und Bukowina nach Mogiljow-Podolski in Transnistrien deportiert. Hunderte oder tausende wurden bereits auf dem Weg dorthin ermordet. Viele wurden, da die improvisierten Lager in der Stadt nicht ausreichten, von den Rumänen weiter in die Umgebung gejagt. Insgesamt wurden in der Zeit vom 15. September 1941 bis zum 15. Februar 1942 rund 56.000 Menschen nach Mogiljow-Podolski gebracht.

15.09. - 21.10.1941

RK Ostland

In Wilna werden die jüdischen Familien, aus denen kein Elternteil für die Deutschen arbeitet, im Ghetto Nr. 2 zusammengefaßt. Die übrigen kommen in das Ghetto Nr. 1.

Das Ghetto Nr. 2 wird zwischen Anfang und Mitte Oktober aufgelöst, indem die Bewohner nach Ponary gebracht und dort ermordet werden. Im Ghetto Nr. 1 befinden sich zu dieser Zeit noch 27.-28.000 Überlebende.

16.09.1941

Besetztes sowjetisches Gebiet

"Sühnebefehl" des Wehrmachtsoberkommandierenden Keitel. Für einen von Partisanen getöteten deutschen Soldaten sollen 50-100 "Kommunisten" (meist gleichbedeutend mit willkürlich festgenommenen Geiseln, vor allem Juden) hingerichtet werden.

In der Begründung des Befehls heißt es: In den besetzten Gebieten der UdSSR seien überall Aufstandsbewegungen ausgebrochen. Es entstehe zunehmend eine Gefahr für die deutsche Kriegführung, die bereits zum Abzug von Kräften geführt habe. Die bisherigen Gegenmaßnahmen hätten sich als unzureichend erwiesen. Hitler habe daher angeordnet, "daß überall mit den schärfsten Mitteln einzugreifen ist, um die Bewegung in kürzester Zeit niederzuschlagen".

"Um die Umtriebe im Keime zu ersticken, sind beim ersten Anlaß unverzüglich die schärfsten Mittel anzuwenden (...). Als Sühne für ein deutsches Soldatenleben muß in diesen Fällen im allgemeinen die Todesstrafe für 50 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten. Die Art der Vollstreckung muß die abschreckende Wirkung noch erhöhen." - "Geschickte Propaganda" soll verhindern, daß sich unerwünschte Rückwirkungen für die Stimmung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten ergeben. (IMT, C-148)

Für Jugoslawien ordnete General Böhme ausdrücklich an, auch als Kommunisten Verdächtige und alle Juden als Geiseln einzubeziehen; er setzte die Rate auf 100:1 fest.

16.09. - 30.09.1941

RK Ukraine

5.000 jüdische Bewohner von Cherson werden von den Deutschen zusammengetrieben und außerhalb der Stadt erschossen.

18.09.1941

Erlaß des Reichsverkehrsministers zur Benutzung der Verkehrsmittel durch Juden

Juden bedürfen einer polizeilichen Erlaubnis zum Verlassen ihres Wohnorts und für Fahrten in bestimmten Verkehrsmitteln an ihrem Wohnort; der Erlaubnisschein ist vorzuzeigen. Juden wird untersagt, Schlafwagen der Reichsbahn zu benutzen und Speisewagen zu besuchen. Juden dürfen die übrigen öffentlichen Verkehrsmittel nur dann benutzen, wenn es noch Platz für sie gibt, keinesfalls aber in der Zeit der größten Belastung. Juden dürfen nur in den niedrigen Klassen fahren und Sitzplätze nur einnehmen, wenn andere Reisende nicht mehr stehen. Die Benutzung von Warteräumen und aller übrigen öffentlichen Einrichtungen der Verkehrsmittel ist ihnen nur unter Beschränkungen gestattet. (Walk, S. 350)

Wartheland

Schreiben Himmlers an den Gauleiter und Reichsstatthalter im Wartheland, Greiser.

"Der Führer wünscht, daß möglichst bald das Altreich und das Protektorat vom Westen nach dem Osten von Juden geleert und befreit werden. Ich bin daher bestrebt, möglichst noch in diesem Jahr die Juden des Altreiches und des Protektorats zunächst einmal als erste Stufe in die vor zwei Jahren neu zum Reich gekommenen Ostgebiete zu transportieren, um sie im nächsten Frühjahr noch weiter nach dem Osten abzuschieben.
Ich beabsichtige, in das Litzmannstädter (Lodzer) Ghetto, das, wie ich hörte, an Raum aufnahmefähig ist, rund 60.000 Juden des Altreichs und Protektorats für den Winter zu verbringen. Ich bitte Sie, diese Aufgabe, die sicherlich für Ihren Gau Schwierigkeiten und Lasten mit sich bringt, nicht nur zu verstehen, sondern im Interesse des Gesamtreichs mit allen Kräften zu unterstützen." (Adler, S. 173)

Es kommt deswegen Anfang Oktober 1941 zu Auseinandersetzungen mit örtlichen Funktionären. Tatsächlich werden von Mitte Oktober bis 5. November in 20 Transporten "nur" 19.837 Juden nach Lodz gebracht. Davon 4.187 aus Berlin, 2.007 aus Köln 1.113 aus Frankfurt/Main, 1.034 aus Hamburg und 984 aus Düsseldorf.

RK Ukraine

Das Ghetto von Shitomir wird von deutscher und ukrainischer Polizei abgeriegelt. 3.145 Menschen werden zu vorbereiteten Massengräbern, etwa 10 km von der Stadt entfernt, gebracht und dort erschossen.
Maßgeblich beteiligt war das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Führung Blobels.

18.09.- 21.10.1941

Bezirk Bialystok

4.500 Bewohner des Ghettos von Bialystok (Nordostpolen) werden nach Prushany, etwa 100 km südlich von Bialystok, gebracht. Es handelt sich um Kranke, Alte und zur Arbeit für die Deutschen nicht benötigte Menschen. Die meisten werden bei der "Liquidierung" des Ghettos von Prushany Ende Januar 1943 ermordet.

19.09.1941

Weltkrieg/UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Kiew. Von den 160.000 Juden, die vor dem Krieg dort lebten, sind ungefähr 100.000 geflüchtet.

24.09.1941

Juden wird der Gebrauch von Schecks verboten; in ihren Händen befindliche Scheckhefte werden eingezogen. (Walk, S. 350)

Verfügung des Reichsjustizministers

Testamente von "Deutschblütigen" zugunsten von Juden sind nichtig. Solche Verfügungen stünden in scharfem Gegensatz zum gesunden deutschen Volksempfinden und sind daher auf Grund des Erbgesetzes vom 31.7.38 unwirksam. (Walk, S. 351)

Goebbels Tagebuch

"Auch in der Behandlung der Judenfrage habe ich mit Heydrich einige wichtige Dinge zu besprechen. Wir werden den Juden in Berlin die Lust vertreiben, ihre neuen Abzeichen zu verstecken; und im übrigen bin ich der Meinung, daß wir so schnell wie möglich die Juden aus Berlin evakuieren müssen. Das wird der Fall sein können, sobald wir im Osten zu einer Bereinigung der militärischen Fragen gekommen sind. (...)
Dann kann ich ausführlich mit dem Führer die Situation unter vier Augen besprechen. (...) Leningrad will der Führer weiterhin aussparen. Ein Sturm auf diese Stadt würde unnötig viel Blutopfer kosten und liegt auch gar nicht im Sinne seiner nach höheren Gesichtspunkten durchgeführten operativen Maßnahmen. Es erscheint notwendig, daß diese Stadt überhaupt verschwindet. Wir könnten auch, wenn wir diese Stadt eroberten, gar nicht die dort zusammengepferchte 5-Millionen-Masse überhaupt ernähren. Woher sollten wir die Lebens- und Transportmittel dazu nehmen? Von dieser Stadt ist der Bolschewismus ausgegangen, und in dieser Stadt wird der Bolschewismus endgültig zerschmettert werden. Es liegt also durchaus in unserem Sinne, wenn Leningrad noch einige Zeit Widerstand leistet. (...) Etwas ähnliches wird unter Umständen mit Moskau der Fall sein."

"Der Führer ist der Meinung, daß die Juden nach und nach aus ganz Deutschland herausgebracht werden müssen. Die ersten Städte, die nun judenfrei gemacht werden sollen, sind Berlin, Wien und Prag. Berlin kommt als erste an die Reihe, und ich habe die Hoffnung, daß es uns im Laufe dieses Jahres noch gelingt, einen wesentlichen Teil der Berliner Juden nach dem Osten abzutransportieren." (Fröhlich)

Warthegau

Der Oberbürgermeister von Lodz, protestiert gegen die von Himmler angekündigte Einweisung von 20.000 Juden aus dem "Altreich" und 5.000 Sinti und Roma. Er befürchte, daß die kriegswichtige Produktion gestört werden könnte, da man gezwungen sein würde, die neu ins Ghetto hereingebrachten Menschen in Fabriken einzuquartieren.
Es kommt zu einem umfangreichen Briefwechsel. Himmler setzt sich schließlich mit seiner Forderung nach der Aufnahme der 20.000 deutschen Juden in Lodz durch.

26.09.1941

Slowakien

Die Gründung einer Vertretung der Juden (Ústredna Zidov/UZ) wird angeordnet.

Das UZ sollte in erster Linie die Anordnungen der Regierung an die Juden weitergeben. Ursprünglich der deutschen Reichsvereinigung nachgebildet, hatte das UZ zunächst u.a. die Aufgabe, Juden für körperliche Arbeit umzuschulen, die Auswanderung von Juden zu fördern und jüdische Schulen und Wohltätigkeitseinrichtungen zu betreuen.

27.09.1941

Protektorat

Heydrich wird anstelle des angeblich erkrankten von Neurath "vertretungsweise" mit der Führung der Geschäfte des Reichsprotektors in  Böhmen und Mähren beauftragt. Als erste Terrormaßnahme läßt Heydrich 188 bekannte politische Häftlinge hinrichten.

RK Ukraine

Den Juden von Krementschug wird befohlen, sich in einem Barackenlager in einem Vorort zu versammeln. Am 28. September werden von dort die ersten 1.600 Menschen zu vorbereiteten Gruben gebracht und erschossen. Am 7. November ist die Mordaktion abgeschlossen. Etwa 5.500 jüdische Bewohner von Krementschug waren, z.T. in Verstecken, der deutschen Razzia zunächst entgangen. Die meisten von ihnen werden jedoch von einheimischen Ukrainern den Deutschen ausgeliefert und ebenfalls ermordet.

28.09.1941

Serbien

Gesandter Benzler, Belgrad, an Außenminister Ribbentrop.

Er habe wiederholt vergeblich um Hilfe des Auswärtigen Amtes bei der Abschiebung der Juden aus Serbien gebeten.  Ribbentrop habe ihm bei einem Treffen ausdrücklich seine Hilfe zugesagt, "die Juden und außerdem auch Freimaurer und endglandhörige Serben, sei es donauabwärts, sei es in Konzentrationslagern in Deutschland oder im Generalgouvernement unterzubringen. Sofortige Lösung der Judenfrage ist im Augenblick hier politisch wichtigste Aufgabe und Voraussetzung für Inangriffnahme der Beseitigung von Freimaurern und uns feindlicher Intelligenz. Im Gange befindliche militärische Aktion zur Aufstandsbekämpfung schafft jetzt geeigneten Zeitpunkt für Beginn der Aktion. Zudem hat mich General Böhme ebenso wie Militärbefehlshaber erneut nachdrücklichst gebeten, auch in Ihrem Namen möglichst sofortige Abschiebung Juden außer Landes zu erwirken.
Es handelt sich um zunächst achttausend männliche Juden, deren Unterbringung in eigenen Lagern unmöglich, da diese für Unterbringung von rund zwanzigtausend Serben aus Aufstandsgebieten in Anspruch genommen werden müssen. Unterbringung in neuen Lagern und außerhalb Belgrads infolge Aufstandslage ebenfalls unmöglich. Mit restlichen etwa 20.000 Juden und Familienangehörigen werden wir hier fertig werden müssen. Abschiebung auf Insel im Donaudelta erscheint transportmäßig die einfachste Lösung, da Leerfrachtkähne sofort bereit stehen. Dies Verfahren ist nach meiner Unterrichtung auch bereits bei Abschiebung Juden aus Tschechei mit Erfolg angewandt worden."

Er bitte dringend um Ribbentrops Unterstützung.  (ADAP, Serie D, Bd. XIII.2, Nr. 363)

29.- 30.09.1941

RK Ukraine

Als "Vergeltungsmaßnahme für Brandstiftungen" in Kiew nehmen die Deutschen sämtliche erreichbaren Juden der Stadt fest und erschiessen sie in der Schlucht von Babi Jar.  33.711 Menschen fielen nach deutscher Zählung dieser Mordaktion zum Opfer.

Nachdem es zwischen 24. und 28. September mehrere  Sprengstoffanschläge gegen von der deutschen Militärverwaltung benutzte Gebäude gegeben hatten, beschloßen die deutschen Dienststellen, als "Vergeltung" alle Juden Kiews zu töten. Beteiligt an der Entscheidung waren Verantwortliche der Wehrmacht, der SS, der Einsatzgruppe C und der Polizei. Zur Durchführung des Massenmords wurde das Sonderkommando 4a, verstärkt durch Angehörige der deutschen Polizei und der ukrainischen Hilfspolizei, eingesetzt.

Am 28. September wurden in Kiew Plakate angebracht, mit denen die Juden aufgefordert wurden, sich am nächsten Morgen an einem bestimmten Platz zu versammeln, da sie umgesiedelt werden sollten. Die Menschen, die sich zur festgesetzten Zeit einfanden, wurden in ein mit Stacheldraht und Posten abgeriegeltes Gebiet getrieben, in dem sich der jüdische Friedhof und die Schlucht von Babi Jar befanden und dort ermordet. In den folgenden Monaten wurden weitere tausende Juden festgenommen und dort erschossen. Nach Schätzung einer sowjetischen Untersuchungskommission wurden in der Schlucht von Babi Jar insgesamt etwa 100.000 Menschen ermordet, darunter auch viele Nichtjuden wie sowjetische Kriegsgefangene und Zigeuner.

30.09.1941

Generalgouvernement

Die deutschen Behörden in Bereshany (Ukraine) ordnen an, daß sich alle männlichen Juden zwischen 18 und 65 Jahren am folgenden Tag auf dem zentralen Platz der Stadt versammeln müssen. 700 Männer werden aus der Menge herausgeholt und in einem nahegelegenen Wald ermordet.

Eichmanns Stellvertreter Brunner teilt dem Sprecher der jüdischen Gemeinde Wiens, Löwenherz, mit, daß "mit Rücksicht auf die durch die Fliegerangriffe notwendig gewordene anderweitige Unterbringung der arischen Bevölkerung" ein Teil der Juden aus dem Altreich, dem Protektorat und Wien nach Lodz deportiert werden soll. Insgesamt sollen 5.000 Wiener Juden in fünf Transporten "umgesiedelt" werden. (Adler, S. 175)

In Frankfurt/Main leben noch 10.592 Juden; im Juni 1933 waren es mehr als 26.000 gewesen.

Ende September 1941

RK Ukraine

In Winnitsa werden die jüdischen Facharbeiter und Freiberuflichen, zusammen mit ihren Familien - insgesamt etwa 5.000 Menschen - von den übrigen Juden getrennt. 2.000 alte Menschen, Frauen und Kinder werden außerhalb der Stadt ermordet.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

06.09.1941

Der japanische Kronrat beschließt Krieg gegen die USA und ihre Verbündeten, wenn die japanisch-amerikanischen Verhandlungen nicht bis zum 10. Oktober zufriedenstellend abgeschlossen sind.

08.09.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Schlüsselburg; damit ist die Abschneidung Leningrads vollständig.

11.09.1941

Roosevelt verkündet die shoot-on-sight-Order gegen Schiffe der "Achse", die sich in Seegebieten aufhalten, "deren Schutz für die amerikanische Verteidigung erforderlich ist". Auf solche Schiffe soll künftig sofort das Feuer eröffnet werden.

13.09.1941

Eine von Hitler gebilligte Denkschrift des Oberkommandos der Wehrmacht stellt fest, daß der Krieg gegen die UdSSR im Jahre 1941 nicht mehr zu beenden ist.

14.09.1941

Deutsche Truppen schließen den Kessel östlich von Kiew.

26.09.1941 Weltkrieg/

UdSSR

Abschluß der Schlacht östlich Kiew; 665.000 sowjetische Soldaten geraten in Gefangenschaft. Die Heeresgruppe Mitte erhält den Befehl zur Offensive gegen Moskau.

29.09.1941 Weltkrieg/UdSSR

Anweisung des Chefs des Stabes der Seekriegsleitung, Admiral Kurt Fricke

Hitler sei "entschlossen, die Stadt Petersburg vom Erdboden verschwinden zu lassen. (...) Es ist beabsichtigt, die Stadt eng einzuschließen und durch Beschuß mit Artillerie aller Kaliber und laufendem Lufteinsatz dem Erdboden gleichzumachen. Sich aus der Lage der Stadt ergebende Bitten um Übergabe werden abgeschlagen werden, da das Problem des Verbleibens und der Ernährung der Bevölkerung von uns nicht gelöst werden kann und soll. Ein Interesse an der Erhaltung auch nur eines Teils dieser großstädtischen Bevölkerung besteht in diesem Existenzkrieg unsererseits nicht. Notfalls soll gewaltsame Abschiebung in den östlichen russischen Raum erfolgen." (Domarus)


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