CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Mai-Juni 1941

Kroatien

Die Ustascha-Regierung führt in rascher Folge antijüdische Gesetze und Maßnahmen ein; verbietet "Mischehen" und die Beschäftigung nicht-jüdischer Hausangestellter durch Juden; ordnet die Kennzeichnung der Juden und der Geschäfte in jüdischem Besitz an; jüdische Unternehmen und Vermögen müssen zur Vorbereitung der "Arisierung" registriert werden; Juden werden aus der Bürokratie und den freien Berufen entfernt.

Bereits im Mai 1941 werden einige Zagreber Juden festgenommen, ins Lager Danica gebracht und von dort aus im Sommer ins Lager Jasenovac abtransportiert. Viele Serben und Juden flüchten vor den Grausamkeiten und Massakern der Ustaschi in das von den Italienern besetzte Dalmatien.

In Kroatien lebten vor dem Krieg etwa 80.000 Juden und 30.000 Zigeuner.

Juni 1941

Frankreich

Die Vichy-Regierung entzieht den Juden der französischen Kolonien in Nordafrika das Bürgerrecht und unterwirft sie diskriminierenden Maßnahmen.

Niederlande

Juden wird verboten, Badeorte und Schwimmbäder, Parks und öffentliche Gärten, Theater, Konzerthallen, Museen und Bibliotheken zu besuchen.

02.06.1941

Treffen zwischen Hitler und Mussolini auf dem Brenner

"Zur Judenfrage bemerkte der Führer, daß die Juden nach dem Kriege ganz aus Europa hinaus müßten. Auch in den Ostgebieten (Lublin) könnten sie aus hygienischen Gründen nicht bleiben, da sie infolge ihrer Unsauberkeit dort einen Krankheitsherd bildeten. Vielleicht könnte man sie in Madagaskar ansiedeln. Diese Insel würde bei der entsprechenden Bodenbearbeitung für 15 Millionen Menschen Platz haben." (ADAP, Serie D, Bd. XII.2, Nr. 584)

Frankreich

Zweites "Judenstatut" (Loi Vallat) der Vichy-Regierung. Der Begriff "Jude" wird nun auch nach "rassischen" Kriterien definiert.
Das Gesetz enthält eine detaillierte Liste von Berufen, die Juden künftig nicht mehr ausüben dürfen. Mit dem "Judenstatut" wird die rechtliche Grundlage für die Verdrängung jüdischer Menschen aus den freien Berufen sowie aus Handel und Industrie geschaffen.

16.06.1941

Goebbels Tagebuch

"Das bolschewistische Gift muß aus Europa heraus. (...) In Rußland wird nicht der Zarismus zurückgeholt, sondern entgegen dem jüdischen Bolschewismus der echte Sozialismus durchgeführt. Es bereitet jedem alten Nazi eine tiefe Genugtuung, daß wir das noch erleben. Das Zusammengehen mit Rußland war eigentlich ein Flecken auf unserem Ehrenschild. Der wird nun abgewaschen. Wogegen wir unser ganzes Leben gekämpft haben, das vernichten wir nun auch. Ich sage das dem Führer und er stimmt mir vollkommen zu. (...) Der Führer sagt: ob recht oder unrecht, wir müssen siegen. Das ist der einzige Weg. Und er ist recht, moralisch und notwendig. Und haben wir gesiegt, wer fragt uns nach der Methode. Wir haben sowieso soviel auf dem Kerbholz, daß wir siegen müssen, weil sonst unser ganzes Volk, wir an der Spitze mit allem, was uns lieb ist, ausradiert werden. Also ans Werk! (...) Diese Pest wird aus Europa ausgetrieben. Die Zeit ist reif dazu." (Fröhlich, I.4, S. 696)

17.06.1941

Heydrich informiert bei einem Treffen in Berlin die Leiter der Einsatzgruppen über ihre Aufgaben im bevorstehenden Krieg gegen die UdSSR. Er spricht von der "Vernichtung des Ostjudentums" und erwähnt einen Führerbefehl, daß beim Vormarsch in der Sowjetunion alle Juden in Partei- und Staatsstellungen, alle höheren und mittleren kommunistischen Funktionäre, sowie "sonstige radikale Elemente" erschossen werden sollen. Pogrome und Lynchjustiz durch antikommunistische oder antijüdische Kreise der einheimischen Bevölkerung sollen nicht behindert, sondern gefördert werden, aber so, daß sich die deutschen Stellen dabei nicht selbst kompromittieren.

20.06.1941

Tagebuchaufzeichnung von Goebbels über eine Besprechung bei Hitler

"Dr. Frank erzählt vom Generalgouvernement. Dort freut man sich schon darauf, die Juden abschieben zu können. Das Judentum in Polen verkommt allmählich. Eine gerechte Strafe für die Verhetzung der Völker und die Anzettelung des Krieges. Der Führer hat das ja auch den Juden prophezeit." (Fröhlich, I.4, S. 705)

Rede Rosenbergs vor den Mitarbeitern des späteren Ostministeriums

"Die deutsche Volksernährung steht in diesen Jahren zweifellos an der Spitze der deutschen Forderungen im Osten, und hier werden die Südgebiete und Nordkaukasien einen Ausgleich für die deutsche Volksernährung zu schaffen haben. Wir sehen durchaus nicht die Verpflichtung ein, aus diesen Überschußgebieten das russische Volk mit zu ernähren. Wir wissen, daß das eine harte Notwendigkeit ist, die außerhalb jeden Gefühls steht. Zweifellos wird eine sehr umfangreiche Evakuierung notwendig sein, und dem Russentum werden sicher sehr schwere Jahre bevorstehen." (IMT, Bd.26, S.610ff.)

21.06.1941

Rumänien

Antonescu ordnet die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus der Südbukowina an. Die meisten werden zunächst in Lager im Südwestens Rumäniens gebracht und von dort im Herbst 1941 nach Transnistrien, d.h. in das Gebiet der Ukraine zwischen den Flüssen Dnjestr und Bug, deportiert.

23.06.1941

UdSSR

Brest-Litowsk wird  von der Wehrmacht besetzt. Es lebten dort 1931 rund 21.500 Juden, 44% der Gesamtbevölkerung.

24.06.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Wilna (Litauen).

Wilna hatte vor dem deutschen Einmarsch etwa 57.000 jüdische Einwohner; mehreren tausend konnten die Stadt noch rechtzeitig verlassen. Einige Tage später wird angeordnet, daß Juden ein gelbes Kennzeichen tragen müssen; sie dürfen die Bürgersteige nicht benutzen; einige Straßen werden ihnen verboten; eine nächtliche Ausgangssperre wird über sie verhängt; sie dürfen nur in bestimmten Läden und nur zu bestimmten Zeiten einkaufen. Am 4. Juli ordnen die deutschen Behörden die Bildung eines Judenrates an.

25.06.1941

UdSSR

Die Wehrmacht besetzt Slonim (Weißrußland). Vor dem deutschen Einmarsch lebten dort etwa 22.000 jüdische Menschen, darunter viele Flüchtlinge aus Westpolen.

26.06.1941

Verfügungen des Leiters der Parteikanzlei, Bormann

Angesichts der Tatsache, daß die Mischlinge ersten Grades aus der Wehrmacht und den Parteiorganisationen entfernt wurden, mehren sich ihre Versuche, eine besondere Genehmigung zu erhalten, in den Parteiorganisationen zu verbleiben und dadurch ihren Stand zu verbessern. Die Parteistellen werden daher angewiesen, dies in strenger Weise zu verhindern und solchen Mischlingen jede Möglichkeit zu nehmen, sich der Erleichterungen zu bedienen, die sie früher von seiten der Partei bei anderen Behörden erhalten haben. (Walk, S. 343)

Juden sollen in Zukunft keine Zusatzscheine für Seife und keine Rasierseife erhalten. (Walk, S. 343)

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Siauliai (Litauen) und Daugavpils/Dvinsk (Lettland).

Im Siauliai lebten zu diesem Zeitpunkt etwa 6.500 Juden; rund 1.000 waren vor dem deutschen Einmarsch geflüchtet. In den ersten zwei Wochen der Besetzung wurden 1.000 Juden von Deutschen und Litauern ermordet.

In Daugavpils wurden 1935 etwas mehr als 11.000 jüdische Einwohner gezählt; das war ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Wenige Tage nach dem deutschen Einmarsch wurden alle jüdischen Männer zwischen 16 und 60 auf dem Hauptplatz zusammengetrieben und von dort ins Gefängnis gebracht. Eine Woche lang waren sie Mißhandlungen, Demütigungen und Zwangsarbeit ausgesetzt; dann begannen die Deutschen mit der Ermordung der Gefangenen.

27.06.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Bialystok.

Vor dem Krieg hatte die Bevölkerung der Stadt zu mehr als der Hälfte aus Juden bestanden. - Am Tag des deutschen Einmarsches wurden 2.000 Juden verbrannt, erschossen oder zu Tode gefoltert. In den ersten zwei Wochen danach wurden weitere 4.000 Menschen, überwiegend Juden, in der Umgebung der Stadt ermordet - Angehörige der Intelligenz, Kommunisten und andere politisch Aktive.

UdSSR

Ein Vorkommando des Sonderkommandos 4a der Einsatzgruppe C kommt in Luzk (Ukraine) an. Am 30. Juni werden, angeblich als Vergeltung für Brandstiftungen und Plünderungen, 300 wahllos festgenommene männliche Juden ermordet. Am 2. Juli werden alle jüdischen Männer zwischen 16 und 60 Jahren zur Zwangsarbeit verpflichtet. Zwischen 1.200 und 2.000 Juden werden, unter Beteiligung von Freiwilligen aus der Wehrmacht, erschossen.

28.06.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Rowno (Ukraine). Dort hatten vor dem deutschen Überfall mehr als 30.000 jüdische Menschen gelebt, das war ungefähr die Hälfte der Bevölkerung.

Während des Juli und August wurden 3.000 Juden ermordet.

28. - 29.06.1941

UdSSR

Das Sonderkommando 7 b der Einsatzgruppe B treibt in Brest-Litowsk (Ukraine) 5.000 Juden unter dem Vorwand zusammen, sie sollten zur Arbeit eingeteilt werden. Die Männer werden in Außenbezirke gebracht und dort erschossen.

29.06.1941

Rumänien

Höhepunkt des Pogroms in Jasi (Nordostrumänien).

In der Stadt lebten um 1930 rund 35.000 Juden. Ihre Zahl stieg bis 1941 auf 51.000, nachdem Juden die umliegenden Dörfer und Städte verlassen mußten. Die Angriffe auf die jüdische Bevölkerung begannen am 28. Juni nach Gerüchten, daß sowjetische Flugzeuge die Stadt bombardiert hätten. Es beteiligten sich zahlreiche Einwohner, Polizisten, deutsche und rumänische Soldaten. Mehrere tausend Menschen wurden in ihren Häusern und auf den Straßen umgebracht, weitere tausende verhaftet und in das Polizeipräsidium gebracht. Am 29. Juni wurden 4.330 Juden in einen überfüllten Zug gesperrt, sodaß viele erstickten oder verdursteten. Auf diese Weise starben 2.650 Menschen; insgesamt kamen bei dem Pogrom vermutlich über 8.000 Menschen ums Leben.

30.06.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Lwow/Lemberg (Ukraine). Innerhalb der nächsten vier Tagen werden, besonders durch ukrainische Nationalisten, aber auch durch Angehörige der deutschen Wehrmacht und der Einsatzgruppe C, 4.000 Juden ermordet.
Vor dem Krieg hatten in Lemberg 110.000 jüdische Menschen gelebt, ein Drittel der Bevölkerung.

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Drogobytsch (Ukraine). Vor dem Krieg hatten dort etwa 15.000 jüdische Menschen gelebt, über 40% der Gesamtbevölkerung. - Am 1. Juli beginnt ein dreitägiges Pogrom; Ukrainer ermorden mit Unterstützung deutscher Soldaten über 300 Juden. Im Laufe des Juli werden viele Juden Opfer willkürlicher Festnahmen. Sie werden zur  Zwangsarbeit herangezogen, ihre Bewegungsfreiheit auf den Hauptstraßen wird eingeschränkt, sie dürfen am Markt nicht mehr teilnehmen und müssen ein Kennzeichen tragen.

UdSSR

Sowjetische Truppen und Verwaltung räumen Czernowitz/Chernovtsy, die Hauptstadt der Bukowina, 1940 von Rumänien zwangsweise an die UdSSR abgetreten. In der Stadt hatten um 1930 etwa 46.000 Juden gelebt, 40% der Gesamtbevölkerung.

Nach dem Einmarsch deutscher und rumänischer Truppen werden im Zusammenwirken mit Einwohnern die Häuser von Juden geplündert; viele Juden werden ermordet oder Opfer anderer Verbrechen.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

20.05.- 01.06.1941

"Unternehmen Merkur" - deutsche Luftlandung auf Kreta.

06.06.1941

UdSSR

Richtlinien des Oberkommandos der Wehrmacht "für die Behandlung politischer Kommissare" im bevorstehenden Krieg gegen die UdSSR. (Kommissarbefehl)

Während der Kämpfe gefangen genommene Politische Kommissare der Roten Armee sind nicht als Soldaten anzuerkennen; die internationalen Regeln und Vereinbarungen zum Schutz der Kriegsgefangenen finden auf sie keine Anwendung. Sie sollen sofort von den anderen Gefangenen getrennt und erschossen werden.

Im rückwärtigen Kriegsgebiet - also nicht unmittelbar während der Kämpfe - gefangen genommene Kommissare sollen den Einsatzgruppen oder Einsatzkommandos übergeben werden. (IMT, NOKW-1076)

15.06.1941

Beitritt Kroatiens zur "Achse".

22.06.1941

Beginn des deutschen Eroberungskrieges gegen die Sowjetunion.

In der Proklamation Hitlers zu diesem Anlaß heißt es, daß die Stunde  gekommen sei, "in der es notwendig wird, diesem Komplott der jüdisch-angelsächsischen Kriegsbrandstifter und der ebenso jüdischen Machthaber der bolschewistischen Moskauer Zentrale entgegenzutreten." (Domarus, S. 1726)

UdSSR

Grodno (Weißrußland) wird von deutschen Truppen besetzt. Vor dem Krieg lebten dort 25.000 jüdische Menschen. Alle Juden zwischen 16 und 60 Jahren werden zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Propagandaminister Goebbels führt in seiner Mitarbeiterbesprechung aus: "Das verbrecherische bolschewistische Doppelspiel", das den deutschen Angriff auf die UdSSR "herausgefordert" habe, "ist im Laufe der nächsten Tage zum Gegenstand eines umfassenden publizistischen Wirkens der deutschen Presse zu machen".

U.a. sei "klarzumachen, daß es sich nicht einfach um eine einfache Schwenkung handelt. Der Nationalsozialismus ist als Bewegung im Kampf gegen den Bolschewismus angetreten. Er hat unter diesem Zeichen das Reich erobert und neu gegründet. Nach Erfüllung dieser Aufgaben des Reiches ist der Kampf gegen den Bolschewismus durch einen scheinbaren Burgfrieden fast zwei Jahre zurückgestellt worden. Durch den jetzt vom Führer aufgedeckten Verrat der bolschewistischen Machthaber kehrt der Nationalsozialismus und damit das deutsche Volk jetzt zu dem Gesetz zurück, nach dem es angetreten ist, zum Kampf gegen Plutokratie und Bolschewismus." (Boelcke II, S. 182)

27.06.1941

Ungarn

Ungarn tritt in den Krieg gegen die Sowjetunion ein. Die jüdischen Arbeitsbataillone - Stand 1940 rund 52.000 Mann - werden in die Ukraine verlegt. Von den ungefähr 40.000 Mann, die losgeschickt wurden, kehrten 1943 vielleicht fünftausend wieder zurück. Viele wurden von deutschen oder ungarischen Soldaten ermordet, oder sie starben an Hunger und Kälte.

29.06.1941

UdSSR

Die Vereinigung deutscher Panzerkorps östlich von Minsk führt zur Bildung eines großen Kessels. Deutsche Truppen erreichen Riga in Lettland.


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